2012 wurde die indische Antarktis­station «Bharati» auf Larsemann Hills realisiert. (Photo: IMS-Ingenieurgesellschaft bof Architekten)

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Bauen als Herausforderung

Das Bauen unter extremen klimatischen Bedingungen wie in der Antarktis und der Sahara ist anspruchsvoll. Neue Wohnformen sind das Resultat dieser modifizierten und innovativen Gebäude.

Ungewöhnliche Standortbedingungen erschweren das Bauen. Neben der Anpassung im Bauprozess sind auch die Bewohner gefordert. Die daraus resultierenden Gebäude sind innovativ und erschliessen gleichzeitig neue Gebiete.

Acht Monate arktischer Winter

Ein Bau zum Forschen und dem Wohnen ist in etwas kälteren Gefilden entstanden. Die IMS-Ingenieurgesellschaft bof Architekten aus Hamburg und m+p Consulting aus Braunschweig realisierten 2012 die indische Antarktisstation «Bharati» auf der Felseninsel Larsemann Hills nach dem Gewinn eines internationalen Architekturwettbewerbs. Für den Bau der Station blieben den Beteiligten lediglich die vier Monate des arktischen Sommers mit den Höchsttemperaturen von +5 Grad. In den Wintermonaten werden hingegen bis zu -40 Grad erreicht. «Eine der grössten Herausforderungen war neben dem zeitlichen Rahmen zweifellos die Logistik. Das zu verschiffende Material musste aufgrund der hohen Transportkosten im Vorfeld ­detailliert bestimmt werden», erklärt Bert Bücking von bof Architekten. Man entschied sich deshalb für eine Umsetzung in zwei Phasen mit jeweils einer Schiffsanlieferung. In der ersten Mission wurden die infrastrukturellen Voraussetzungen wie Zulieferungsstrassen geschaffen. Im zweiten Abschnitt erbaute man schliesslich die Station. Die Anlandung des dafür notwendigen 18-Tonnen-Krans empfand Bücking als abenteuerlich: «Es bestand die Gefahr, dass das Eis eventuell den Kran nicht tragen könnte. Zur optimalen Lastenverteilung wurde dieser auf traditionelle Weise mit- hilfe von Baumstämmen transportiert. Ich muss gestehen, dass ich in dieser Phase des Projektes durchaus Bauchschmerzen hatte.»

Die Modulbauweise als Konstruktion der Station resultierte aus den logistischen Gegebenheiten. «Die vorgefertigten und für den Transport notwendigen Container dienen als Module. Sie bilden die innere Hülle und gleichzeitig das Tragwerk der Station», erklärt Bücking. Die geringe Dämmebene von lediglich 8 cm erforderte jedoch noch eine zweite Hülle. Die Fassade besteht aus modifizierten Kühlhauspaneelen, die speziell im Bereich der Fugen antarktistauglich gemacht wurden. «Ein Teil der Fugen zwischen den Paneelen musste ausgeschäumt werden. Nicht jeder beliebige Schaum hält jedoch den niedrigen Temperaturen der Antarktis stand. Erst durch praktische Versuche konnte das geeignete Produkt gefunden werden.» Zur Gewährleistung des Brandschutzes erhielten die Container der inneren Schale zudem F30-Verglasungen.

Die aerodynamische Gebäudehülle mit der Aufständerung begründet Bert Bücking wie folgt: «Die Kalkulation mit den dort vorherrschenden Windgeschwindigkeiten  von bis zu 300 km/h war auch für uns neu. Durch den sogenannten ‹Snow Drift› entfernt der Wind den aufgestauten Schnee unter der Station und verhindert dadurch ein Vereisen.» Das Fundament von «Bharati» besteht aus einer im Felsen verankerten Pfahl-Gründung, bei der Sog und Druck berücksichtigt wurden. Eine Meerwasserentsalzungsanlage generiert Trink- und Brauchwasser. Mittels Blockheizkraftwerk (BHKW) wird elektrische Energie und Wärme für die Forschungsstation gewonnen. Üblicherweise reicht hierfür ein BHKW aus. In Bahrati verbaute man jedoch drei, um in der achtmonatigen Winterzeit auch beim Ausfall einer Anlage entsprechend reagieren zu können. Verglasungen und Fassadenelemente sind ebenfalls als Reserve vor Ort. «Die 15 bis 20 Benutzer der Station sind in den acht Monaten vollständig isoliert. Deshalb müssen bereits im Vorfeld alle entsprechenden Massnahmen getroffen werden», ergänzt Bücking. Das umfasst auch den Komfort in der Station. Den Forschern soll der Alltag unter anderem mit Kino, Fitness-Studio oder Gebetszimmer erleichtert werden. Dass die Forscher während der Entwicklungsphase in engem Austausch mit den Planern standen, ist daher keine Überraschung. «Sie informierten sich genaues tens darüber, was wir für die Forschungsstation planten und gaben uns entsprechendes Feedback. Diese Kommunikation mit dem kulturellen Austausch war für beide Seiten wertvoll», erklärt Bücking.

Der vollständige Artikel ist in der Haustech-Ausgabe 09/2015 erschienen.