Es wird uns zu heiss. (Bildquelle: gettyimages.com)

CO2-Gesetz: machbar, tragbar, vernünftig, notwendig

Noch dauert es zehn Wochen bis zur nächsten Volksabstimmung. Doch die Schlacht um das CO2-Gesetz ist bereits voll entbrannt.

Ich bin im Allgemeinen kein Freund von pathetischen Beschwörungen. Doch hier kann ich’s mir nicht verkneifen: Wenn es uns nicht einmal gelingt, dieses CO2-Gesetz ins Ziel zu bringen, dann haben wir den Kampf um einen rechtzeitigen und wirksamen Beitrag zur Eindämmung des Klimawandels endgültig verloren.

Der Kanton Aargau hat ja vor einem halben Jahr schon ein moderates Energiegesetz abgelehnt. Auch das CO2-Gesetz ist moderat, konkordant abgeschliffen – und es fusst auf dem Verursacherprinzip: Wer umweltverträglich heizt und sich fortbewegt, wird belohnt, wer fossile Brennstoffe in bisherigem Umfang benutzen will, zahlt einen dreistelligen Mehrbetrag pro Jahr. Natürlich gibt es Haushalte, für die das nicht unerheblich ist. Erfahrungen aus ähnlichen Abstimmungen zeigen allerdings: Solche Lenkungsabgaben werden nicht primär von wenig Verdienenden abgelehnt, sondern von Leuten, welche ihre Gewohnheiten – oder ihre Ideologie – nicht ändern wollen.

Die Gretchenfrage am 13. Juni lautet deshalb schlicht: Ist es uns wichtiger, dass wir weiterhin ohne Mehrkosten und ohne staatliche Intervention fossile Energie verbrauchen können? Oder ist es uns wichtiger, dass wir den Ausstoss an Klimagasen reduzieren und unseren Nachkommen eine einigermassen intakte (Um-)Welt hinterlassen können? Also: kurzfristiger Eigennutz kontra langfristige Zukunftsperspektiven. Vielen Menschen fällt es offenbar immer noch schwer, nicht primär fürs eigene Portemonnaie, sondern für den Zustand der Welt abzustimmen.

Besonders verstörend: Da ist sie wieder, die unheilige Allianz von rechts aussen mit links aussen. Auf der einen Seite die Erdöllobby und die SVP, auf der anderen Seite radikale Klimastreikende – taktisch vereint im Kampf gegen das Machbare, das Tragbare, das Vernünftige, das Notwendige. Was für eine unerträgliche Konstellation! Zum Schluss deshalb nochmals pathetisch: Man kann nur hoffen und beten, dass sich eine Koalition der Vernunft aus allen staatstragenden Parteien mit Verve in den Kampf für das CO2-Gesetz stürzt. Die langfristigen Folgen eines Neins nämlich wären viel, viel teurer. Und zwar für Linke und Rechte, für Arme und Reiche.

Quelle: Kolumne Fahrländer, erschienen in Schweiz am Sonntag / Aargauer Zeitung 3.4.2021, hans.fahrlaender(at)chmedia.ch

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