Professor Thomas Stocker wollte die Teilnehmenden der Photovoltaik-Tagung 2020 darin bestätigen, dass die Anstrengungen zum Ausbau der erneuerbaren Energien dem Klima helfen. Er hat dabei von unerwarteter Seite Unterstützung erhalten. (Bild: University of Bern, Adrian Moser)

Langjährige Messreihen bestätigen die Tendenz: Die global gemittelten Jahrestemperaturen steigen.

Stetige Zunahme der CO2-Emissionen: Die Klimaziele sind so nicht erreichbar und die Klimaerwärmung geht weiter.

Coronavirus als klimapolitischer Akteur

Es hätte einen Mut machenden Aufruf zu verstärkten Aktivitäten für die Nutzung der Sonnenenergie werden sollen. Die Klimakrise als Ausgangspunkt gesteigerter Anstrengungen auf dem Weg zu 50 GW installierter Photovoltaikleistung ist nachvollziehbar. Aber ein anderer Akteur hat inzwischen heftig ins Klima eingegriffen.

Bei der Planung der 18. Photovoltaik-Tagung, die am 12. März 2020 in Lausanne ihren Anfang nahm, wollte man das Schlussreferat als motivierenden Höhepunkt und Ausgangspunkt für weiteren Enthusiasmus gestalten. Der anerkannte Klimaforscher der Universität Bern, Professor Thomas Stocker, sollte die Gründe zusammenfassen, weshalb das Erreichen der energie- und klimapolitischen Ziele notwendig ist. Gleichzeitig musste es auch darum gehen, allen Teilnehmenden nochmals Mut zu vermitteln, im Angesicht der globalen Herausforderungen und Hindernisse auf dem Weg der Schweiz zu 50 GW installierter Photovoltaik-Leistung.

Messwerte erschrecken

Im Blick auf die schleppenden energetischen Veränderungen in den vergangenen Jahren war die thematisch gesetzte Frage: «Klimakrise – zu spät für 2 °C?» wohl begründet. Lässt sich die globale Erwärmung unter 2 °C halten und können die CO2-Emissionen bis 2050 auf Netto-Null vermindert werden? Hierbei entscheidet sich das Schicksal der Erde in diesem Jahrhundert.

Die Messungen und damit die faktischen Tatsachen machen nachdenklich. Thomas Stocker wies in seiner vorbereiteten Präsentation darauf hin, dass das CO2 in der Atmosphäre um 35 Prozent höher liegt als in den vergangenen 800'000 Jahren Erdgeschichte, die mittlere Temperatur ansteigt, somit auch der Meeresspiegel und Grönland pro Tag 1 km3 Eis verliert. Haben wir noch eine Wahl?

Konsequenzen überall

Die Klimakrise zeigt ihre Konsequenzen in mancherlei Hinsicht in Bezug zur Ressourcenfrage. Durch die Erwärmung wird die Gesundheit gefährdet, in vielen geografischen Zonen werden bereits heute unerträgliche Sommertemperaturen erreicht. Der Niederschlag, der einerseits fehlt oder anderseits in Extremfluten daher kommt, führt vielerorts zu einem angespannten Wasserhaushalt. Während diese Effekte im Gebirge zu Erosionen, Erdrutschen und verminderter Wasserkraftproduktion führen, trocknen andere Regionen völlig aus. Mit steigendem Meeresspiegel werden Uferzonen gefährdet, wo zahlreiche Millionenstädte davon betroffen sein werden. Verändertes Klima schadet auch der Biodiversität und der Nutzung landwirtschaftlicher Flächen. Soweit ist alles klar und verständlich, aber wir sind nicht auf Kurs.

Thomas Stocker bestätigt, dass die gesetzten Klimaziele von Paris mit jedem Jahr, während dem zu wenig unternommen wird, deutlich ehrgeiziger und schwerer erreichbar sein werden. Es brauche nun die 4. industrielle Revolution, welche die Dekarbonisierung in den Mittelpunkt stelle. Damit ergibt sich eine wichtige wirtschaftliche Chance für das 21. Jahrhundert.

Klein und aggressiv

Der Referent hätte am Tagungsende alle Teilnehmenden überzeugt und sie zu einem herzlichen Applaus veranlasst. Was er beim Vorbereiten seines Vortrags noch nicht abschätzen konnte, war die enorme Wirkung des kleinen, aber aggressiven Virus, der innert Tagen fürs Klima weitaus mehr erreichten konnte, als zahlreiche Konferenzen und Diskussionen der Politiker. Die Welt sieht nach der Photovoltaik-Tagung, die ebenfalls vom Virus eingeschränkt wurde, nicht mehr gleich aus wie zuvor. Und das Klima wird sich darüber sehr freuen. Falls aus der Virus-Krise eine nachhaltig positive Wirkung auf das Klima folgt, könnte die nächste Photovoltaik-Tagung neue Schwerpunkte brauchen.

www.swissolar.ch