Der letzte Round Table Gebäudetechnik fand im Schützen in Aarau statt. (Bilder: GKS/FL)

Prof. Dr. David Zogg von der Fachhochschule Nordwestschweiz referierte zum Thema «Anforderungen an Wärmepumpen (WP) für Smart-Energie- und PV-Systeme».

Dr. Andreas Bohren, Leiter Testing Institut für Solartechnik SPF, stellte die ASETLabs vor.

Zeljko Lepur, Leiter Produktmanagement Hoval (Schweiz) AG: «Von der Wärmeerzeugerbranche sind Übergangstechnologien gefragt.»

Dekarbonisierung der Heiztechnik im Mittelpunkt

In der Gebäudetechnik-Branche laufen auf mehreren Ebenen zukunftsweisende Projekte zur Unterstützung der beschlossenen Energiewende. Im Rahmen des letzten Round Table Gebäudetechnik wurden Themen wie Wasserstoff, Hybridheizungen, Bioheizöl sowie Smart Systeme in interessanten Beiträgen vertieft.

Das Hauptthema am letzten Round Table Gebäudetechnik von GebäudeKlima Schweiz (GKS) zur Dekarbonisierung der Heiztechnik fand grossen Anklang und lockte kürzlich über 40 Interessierte in den Schützen in Aarau. Im Eröffnungsreferat von Prof. Dr. David Zogg von der Fachhochschule Nordwestschweiz ging es um die Anforderungen an Wärmepumpen (WP) für Smart-Energie- und PV-Systeme bzw. Energieeffizienz vs. Kosteneffizienz. Zogg zeigte Optimierungspotentiale in der Abstimmung von Wärmepumpen und Photovoltaik-Anlagen auf. Für eine ideale Energie- und Kosteneffizienz gilt es, möglichst viel eigenproduzierte Solarenergie selbst zu verbrauchen. Heute wird dafür standardmässig die SG-Ready-Schnittstelle genutzt. Mehr Möglichkeiten bieten sich jedoch, wenn alle Geräte über ein eigenes Heim-Netzwerk verbunden sind. «Mit einer intelligenten Optimierung kann viel herausgeholt werden. Moderne Schnittstellen sind archaischen Relais-Lösungen klar überlegen», sagte Zogg.

Die Zukunft sieht er etwa bei der intelligenten Einbindung von WP über Modbus bzw. der nächsten Generation der SmartGridReady-Schnittstelle. In einer aktuellen Studie wird ein Beispiel aufgezeigt, bei dem der Eigenverbrauch so um rund 10% und der Autarkiegrad sogar um 17% auf jährlich über 70% für das gesamte Gebäude gesteigert werden kann. Das SmartGridReady-Label für entsprechend kompatible WP ist in Vorbereitung, erste damit gekennzeichnete Geräte werden heuer erwartet. In Elektromobilen sieht Zogg die optimale Ergänzung zu Wärmepumpen, damit im Sommer der grosse solare Überschuss sinnvoll genutzt werden kann. In 2/3 des Jahres kann somit Benzin durch Solarstrom substituiert werden.

Hybridisierung der Technologien im Vorteil

Keine Technologie werde die Wende allein schaffen, betonte ebenfalls Dr. Andreas Bohren, für den die Hybridisierung der Technologien in den Vordergrund rückt. Für den Leiter Testing am Institut für Solartechnik SPF ist es entscheidend, dass Forschungs- und Prüflabore einzelne Technologien nicht nur isoliert behandeln. In diesem Zusammenhang stellte er die ASETLabs vor. Diese Vereinigung von sechs akkreditierten Prüflaboratorien im Bereich Energie in der Schweiz ermöglicht eine engere Zusammenarbeit der Labore. Die ASETLabs unterstützen Industrie und Gewerbe vielfältig, etwa bei der Erlangung von Zertifizierungen und Labels, bei Tests von Prototypen oder durch Wissenstransfer und Zugang zu internationalen Netzwerken wie etwa Normengremien.

Aktuelle Themen solcher Normengremien stellte Barbara Guder, Schweizerische Normen-Vereinigung (SNV), vor. Sie gab unter anderem einen Überblick über SIA-Norm 385/1 und SVGW-Richtlinie W3/E3 zum Thema Trinkwasserhygiene. Ebenso ging sie auf die neuen Ressourceneffizienzanforderungen ein, die zukünftig für Geräte, die unter der Ökodesign-Richtlinie reguliert sind, gelten werden. Ausserdem stellte sie zwei aktuelle Normungsanträge an die SNV für Biobrennstoffe vor: «Bioheizöl auf pflanzlicher Basis» und «Biogene Brennstoffe auf Basis von Altspeiseöl». Die Normierung des Brennstoffs ist gemäss der Luftreinhalte-Verordnung eine der Anforderungen, damit ein Brennstoff auch in kleineren Anlagen eingesetzt werden darf. Zum Schluss ging Barbara Guder auf Entwicklungen im Themenkreis Wasserstoff (H2) in der Europäischen Union ein. «Erneuerbarer Wasserstoff wird für eine kohlenstoffneutrale Gesellschaft im Jahr 2050 unverzichtbar sein», betonte Guder. So wurde eine «Europäische Allianz für sauberen Wasserstoff» gegründet, die die gesamte H2-Wertschöpfungskette und alle Interessengruppen vertritt. Weiter startete im letzten Februar ein EU-Projekt, das die Auswirkungen von Wasserstoff-Erdgas-Mischungen (H2NG) auf Gasgeräte ermitteln soll. Auch ist in den neuen Ökodesign-Richtlinien ab zirka 2025 eine «H2-Ready»-Kennzeichnung für Gasheizgeräte vorgesehen.

Wasserstoff im Gasnetz

Matthias Hafner vom Verein des Gas- und Wasserfaches (SVGW) zeigte auf, was in der Schweiz im Bereich Wasserstoff aktuell ist. Er stellte Szenarien für zukünftige Gasnetze in Europa vor, und was deren Folgen für die Schweiz sind: Für wieviel H2 ist das heutige Gasnetz gerüstet? Langfristiges Ziel, so Hafner, sei die Dekarbonisierung der Gasinfrastruktur, wobei bis dahin noch entscheidende Herausforderungen anstehen würden. So gilt es, die Auswirkungen auf Arbeitssicherheit, Messtechnik und Abrechnungswesen ebenso zu klären wie die H2-Toleranz des Schweizerischen Verteilnetzes (Wasserstoffverträglichkeit der Netzkomponenten). Aktuell läuft ein Projekt mit Gasversorgern, die ihre Verteilnetze und Netzkomponenten diesbezüglich analysieren. Auch gibt es erste Feldversuche, bei denen Wasserstoff zumindest beigemischt wird (+10 vol% H2 und +20 vol% H2), um Kenntnisse zu den Auswirkungen zu erhalten.

Übergangstechnologien gefragt

Während vielerorts Entwicklungen laufen, werden die Vorschriften für den Ersatz fossiler Heizsysteme strenger. Von der Wärmeerzeugerbranche seien deshalb Übergangstechnologien gefragt, gab sich Zeljko Lepur überzeugt. Als solche stellte der Leiter Produktmanagement von Hoval (Schweiz) AG geeignete Hybridheizungen, Wärmepumpe in Kombination mit fossilen Heizungen, vor. Hier werden auch bei Häusern, die auf höhere Vorlauftemperaturen angewiesen sind, bei guter Effizienz die Vorteile der Wärmepumpe genutzt. Sobald die Aussentemperatur jedoch unter ein vorgegebenes Niveau sinkt, setzt die Öl- oder Gas-Heizung ein und bricht die Leistungsspitzen.

«Damit können bei richtiger Planung die MuKEn-Vorschriften von mindestens 25 Prozent Wärmeleistung aus erneuerbarer Energie bei ungenügend gedämmten Gebäuden eingehalten und gleichzeitig 50 Prozent fossile Energie beziehungsweise CO2 eingespart werden», so Lepur. Gleichzeitig verschafft man sich dabei Zeit, seine Liegenschaft auf den definitiven Umstieg zum Beispiel auf Wärmepumpen vorzubereiten.

Zum Schluss der Veranstaltung gab Alfred Freitag, Präsident des Schweizerischen Vereins für Luft- und Wasserhygiene (SVLW), ein Update zu den überarbeiteten EU-Richtlinien über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden, Ecodesign für Gebäudeautomationen und Smart Readiness Indicator SRI sowie zum Bundesgesetz über das öffentliche Beschaffungswesen BöB. Im Besonderen unterstrich er die Bedeutung gesunder Raumluft gerade in der jetzigen Zeit und verwies auf das SVLW-Manifest von Goldau. Freitag plädierte diesbezüglich nachdrücklich für neue Richtwerte.