Die Regeln des BAG sind dank des Plakats einfach zu verstehen. Doch wie setze ich diese im Berufsalltag um?

Zusätzlich zu den BAG-Massnahmen: Kundenkontakte im Technikraum vermeiden, kein Hände schütteln - weder bei der Kundschaft noch bei Kollegen.

Unter Einhaltung der hier beschriebenen Verhaltensregeln besteht keine Gefahr während Wartungsarbeiten - auch nicht für die Kundschaft.

Gebäudetechnik-Service in Corona-Zeiten

Die Dachverbände der Bauwirtschaft appellieren an ihre Mitglieder, sich an die Hygiene- und Abstandsvorschriften des Bundes infolge der Corona-Epidemie zu halten – mitunter geschieht das auch kreativ. Das Szenario eines flächendeckenden Baustellenstopps will man vermeiden.

Seit der Bundesrat die rasche Verbreitung des neuen Coronavirus in der Schweiz als ausserordentliche Lage gemäss Epidemiengesetz eingestuft hat, läuft in der Wirtschaft nichts wie vorher. Wie alle erahnen, basiert wirtschaftlicher Erfolg ja immer auch auf sozialer Tätigkeit aller Art. Viele Geschäfte lassen sich einfädeln, wenn man sich schon kennt oder begegnet ist. Gerade bei Investitionen in die Gebäudetechnik machen persönliche Empfehlungen oder die Vertrauenswürdigkeit des Installateurs vor Ort den Ausschlag aus. Auch die Berufsleute brauchen den fachlichen Austausch, um für ihren Berufsalltag Anregungen zu bekommen. Damit wird vorerst nichts: Der Bundesrat verbietet mit der so genannten COVID-19-Verordnung 2 nun Treffen von mehr als fünf im öffentlichen Raum. Ebenso sind Kongresse oder Weiterbildungsveranstaltungen aller Art bis zum 19. April 2020 verboten worden. So ist die suissetec-Fachtagung Heizung-Lüftung-Klima, die für den 2. April in Zürich terminiert war, abgesagt worden, um nur ein Beispiel zu nennen.

Im Servicegeschäft bleiben - trotz Coronavirus

In den letzten Tagen kam viel Arbeit auf die Verbände der Gebäudetechnik zu. Sorgen bereitet den Firmen, wie das Alltagsgeschäft unter eingeschränkten Bedingungen weitergeführt werden kann. Gerade in einer Krise spielen die Verbände die Rolle des Transmissionsriemens zwischen der Bundesverwaltung, die Forderungen formuliert und der Umsetzung solcher in den Betrieben. So kreierte das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zwar rasch ein «Merkblatt für Arbeitgeber» für das Arbeiten im Kontext der COVID-19-Epidemie.
Die allgemeinen Regeln sind inzwischen schweizweit bekannt:
•    Besonders gefährdete Arbeitnehmer sollen von zu Hause aus arbeiten (Home-Office). Besonders gefährdete Personen, die so nicht arbeiten können, sind zu beurlauben – bei Lohnfortzahlung
•    Der Abstand zwischen zwei Personen am Arbeitsplatz muss mindestens 2 Meter betragen.
•    Wenn immer möglich sollen Arbeitspausen zeitlich versetzt durchgeführt werden. Bei Arbeiten mit Kundenkontakt sind Bodenmarkierungen anzubringen, welche den Mindestabstand anzeigen.
•    Die Arbeitgeber sind verpflichtet, Einrichtungen zur Verfügung zu stellen, um die vom BAG genannten Schutzmassnahmen wie das regelmässige Händewaschen mit Wasser und Seife im Umfeld der Arbeit zu ermöglichen.
Manchmal brauchen generelle Weisungen dennoch eine Übersetzung in die Alltagswirklichkeit von Unternehmen und deren Berufsleuten. Der Verband Gebäudeklima Schweiz (GKS) kreierte in Kürze eine Coronavirus-Weisung «Servicesicherheit mit Distanz» an die Servicetechniker, ebenso eine Kundeninformation. Die wichtigsten Verhaltensregeln fanden Platz auf je einem A4-Blatt. So soll unbedingt auf das übliche Hände schütteln bei der Begrüssung verzichtet und Kundenkontakte im selben Raum vermieden werden. Die GKS-Kundeninformation «Servicearbeiten mit Distanz sind sicher» ist als vertrauensbildende Massnahme gegenüber den Endkunden zu verstehen: Unter Einhaltung der BAG-Verhaltensregeln geht bei der Ausübung eines Wartungsauftrags epidemiologisch keine Gefahr aus. Als zusätzliches Argument wird ins Feld geführt, dass Servicetechniker während ihrer Arbeit alleine mit ihrem Auto unterwegs seien. «Die Mitglieder haben auf diese Hilfestellung sehr positiv reagiert», sagt GKS-Geschäftsführer Koni Imbach.

Baustellenschliessungen vermeiden

Der Branchenverband suissetec richtete einen Corona-Newsticker auf der Website sowie einen elektronischen Newsletter ein, womit die aktuellen Sachverhalte im Zusammenhang mit der Corona-Krise den Mitgliedern übermittelt werden. Der Schutz der Gesundheit der Gebäudetechniker sowie ihrer Kunden habe nun Priorität, so Christian Brogli, Leiter Marketing und Kommunikation bei suissetec: «Wir wollen aktiv mithelfen, die Verbreitung des Virus einzudämmen und zu stoppen.»
Sorge bereitet das Szenario einer generellen und flächendeckenden Schliessung von Baustellen. Wie Brogli ausführt, wäre dies kontraproduktiv: «Gebäudetechniker sorgen präventiv für Hygiene. Wir gewährleisten die Zufuhr sauberen Trinkwassers und frischer Luft. Übliche Service- und Reparaturarbeiten müssen weiterhin stattfinden dürfen.»
Zwar hat der Bundesrat an der Medienorientierung von vergangenem Freitagnachmittag bestätigt, dass Baustellen grundsätzlich offen bleiben. (Der Kanton Tessin preschte mit einer flächendeckenden Baustellenschliessung vor. So sind dort bei Heizungsanlagen nur noch Störungsbehebungen erlaubt). Gleichwohl ist die Bauwirtschaft besorgt, dass kantonale Behörden genauer hinschauen und einzelne Baustellen schliessen könnten. «Bauenschweiz», die Dachorganisation der Schweizer Bauwirtschaft, ruft deshalb die ganze Branche eindringlich auf, die Hygiene- und Sicherheitsmassnahmen des Bundes auf den Baustellen einzuhalten.

Kreatives Handeln und Kulanz

Eine 13 Punkte umfassende Checkliste des SECO formuliert Forderungen, die u.U. bei Hochbetrieb auf dem Bau nicht immer einfach umzusetzen sind, etwa der Abstand von 2 Metern zwischen zwei Personen in Aufenthaltsräumen für Pausen, ebenso genügend Zapfstellen mit fliessendem Wasser und Seife. Zulässige Alternativen sind gestaffelte Pausen beziehungsweise Händedesinfektionsmittel.
Allgemein scheint man nun eine leichte Verlangsamung der Bauaktivität festzustellen, zumal die Fachmärkte und Shops für Installateure ihren Betrieb bereits reduzieren. Das Baugewerbe hofft auf Nachsicht seitens der Bauherrschaft. Die Vertreter der Bauwirtschaft sind sich einig: «Kulanz bei der Terminplanung ist nun das Gebot der Stunde».

Downloads:
«Die Coronavirus-Weisung der Gebäudeklima Schweiz für die Servicetechniker.» (GKS)

Die GKS-Kundeninformation – Coronavirus «Servicearbeiten mit Distanz sind sicher!»