Ein Schnitzelhaufen als Gedankenstütze für die Politik: Energieholz könnte 500'000 t Heizöl im Jahr ersetzen. (zVg)

Holzenergie intensiver nutzen

Um die Klimaziele zu erreichen, sind alle technisch und wirtschaftlich sinnvollen Möglichkeiten zum Ersatz fossiler Brenn- und Treibstoffe umzusetzen. Ein besonders naheliegender und grosser Beitrag ist die vermehrte Nutzung von Energieholz. Denn noch immer liegen jährlich rund 2 Mio. Kubikmeter Energieholz brach, die rund 0,5 Mio. Tonnen Heizöl ersetzen könnten.

Am 21. März 2019 reichte Nationalrat Erich von Siebenthal, unterstützt von fünfzehn Mitunterzeichnenden, eine Motion ein. Damit sollte der Bundesrat beauftragt werden, das Holzenergiepotenzial und damit die Energieressource Holz auszuschöpfen. Gemäss Motionstext dürfen «Insbesondere Auflagen und Bedingungen die Weiterentwicklung nicht behindern». Als Fördergegenstände sind Holzwärmeverbünde und die Produktion von Strom aus Holz explizit erwähnt. Der Bundesrat empfahl am 29. Mai 2019 die Annahme der Motion. National- und Ständerat folgten der Empfehlung am 21. Juni bzw. am 5. Dezember 2019.

Analyse zur Ausschöpfung des Holzenergiepotenzials

Als Grundlage für konkrete Umsetzungsmassnahmen erteilte das Bundesamt für Energie (BFE) einer wissenschaftlichen Autorenschaft den Auftrag, einen Bericht «Analyse von Hemmnissen und Massnahmen zur Ausschöpfung des Holzenergiepotenzials» zu erstellen. In Ämtern und Verbänden breit abgestützte Begleit- sowie Arbeitsgruppen unterstützten die Autoren.
Der Schlussbericht liegt seit März 2021 als Entwurf vor. Andreas Keel, Geschäftsführer von Holzenergie Schweiz sagt dazu: «Wir haben eine umfangreiche Analyse des Standes der Holzenergienutzung, der wichtigsten Hemmnisse und möglicher Fördermassnahmen bekommen. Der Bericht bestätigt und bekräftigt einige zentrale Feststellungen und Forderungen von Holzenergie Schweiz, die teilweise schon seit Jahren im Raum stehen.»

Nicht nur gross, auch klein

Auffallend ist, dass im Bericht überwiegend von grossen Anlagen (mehr als 500 kW Leistung) sowie von der Stromproduktion aus Holz in grossen, zentralen Wärme-Kraft-Koppelungsanlagen die Rede ist. Mit 500 kW Anlagenleistung lässt sich ein Wärmenetz mit Schul- und Gemeindehaus, Kirche sowie einer ganzen Anzahl weiterer Liegenschaften betreiben. Die im Rahmen der Erstellung des Berichts befragten Experten und Branchenvertreter erwähnten aber mehrfach, dass über die Hälfte des in der Schweiz genutzten Energieholzes in kleineren Anlagen genutzt wird und dass sich die Anzahl der Anlagen unter 500 kW Leistung in den letzten Jahren ebenfalls sehr positiv entwickelte. Deshalb seien kleinere und mittlere Anlagen auch in Zukunft eine tragende Säule der Energieholznutzung und sollten von der Förderung auf keinen Fall ausgeschlossen werden. Denn die dezentrale Wärmeerzeugung in kleineren Einheiten kann sehr sinnvoll und effizient sein.
Vor diesem Hintergrund fordert Holzenergie Schweiz die Entscheidungsträger in Politik und Behörden auf, sich auf das Ziel zu konzentrieren. Viel wichtiger als die Anlagengrösse sind Aspekte wie Gesamtwirkungsgrad, Kosten, Transportwege, lokale und regionale Wertschöpfung sowie technischer Stand der Projekte. Andreas Keel fasst zusammen: «Wir fordern neben der Beseitigung unnötiger Hemmnisse sachgerechte Fördermassnahme für das gesamte Spektrum der Holzenergienutzung.»

Hemmnisse und Massnahmen

Welche Faktoren behindern eine schnellere Ausschöpfung des Holzenergiepotenzials und wie können sie reduziert oder beseitigt werden? Der Bericht ortet als wichtigste Hemmnisse die Bereiche schlechtes Image der Holzenergie infolge mangelnder Kommunikation, Wirtschaftlichkeit und Finanzierung, Luftreinhaltung, Raumplanung, Bewilligungsverfahren und Beschwerderecht. Sie lassen sich mit kurz-, mittel- und längerfristigen Massnahmen bekämpfen.
•    Am erfolgversprechendsten und kurzfristig realisierbar sind Massnahmen im Bereich Kommunikation: Die zahlreichen Vorteile, das grosse Potenzial der Holzenergie und die Situation der Wald- und Holzwirtschaft sind in der Öffentlichkeit viel zu wenig bekannt. Eine schweizweite Kommunikations- bzw. Imagekampagne für die einheimische Holzenergie könnte Abhilfe schaffen.
•    Ebenfalls vielversprechend und seit langem erfolgswirksam sind finanzielle Förderanreize, sei es in Form direkter finanzieller Unterstützung von Holzenergieprojekten oder indirekter Massnahmen wie zum Beispiel die Verteuerung von Heizöl und Gas im Rahmen der Klimapolitik (CO2-Abgabe). Die finanziellen Anreize für Holzheizungen sind mindestens im heutigen Umfang weiterzuführen und im Falle spezieller Anwendungen wie z.B. der Stromerzeugung zu erweitern.

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Mittel- und längerfristig sind Massnahmen im Bereich der gesetzlichen Rahmenbedingungen wichtig. Dazu gehören Bestimmungen und Vollzug der Luftreinhalte-Verordnung LRV, das Raumplanungsrecht im Bereich der Energierichtplanung, Standortsuche für Heizzentralen und Durchleitungsrechte, Bewilligungsverfahren sowie die Beschwerderechte.

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