Das mit Abstand grösste Potential der erneuerbaren Energien weist in der Schweiz die Photovoltaik auf. Mit den gesetzten Ausbauzielen wird dieses Potential nicht ausgeschöpft. (Bilder: A.Widmer)

Dr. Martin Neukom, Baudirektor Kanton Zürich, wird am Gebäudetechnik-Kongress 2021, der am 28, Oktober online durchgeführt wird, ein Referat halten mit dem Titel «Solarenergie als Schlüssel zur Dekarbonisierung»

Gebäudetechnik-Kongress 2021

Keynote Dekarbonisierung

Veränderungen sind stetig. Stetige Veränderung erfordert permanente Bereitschaft zur Veränderung. Der Klimawandel dagegen schreitet langsam voran. Erst über Jahrzehnte hinweg sehen wir den Einfluss und die Auswirkungen. Deshalb ist die Dekarbonisierung ein globales Ziel und der Gebäudesektor spielt eine wichtige Rolle dabei. Am Gebäudetechnik-Kongress 2021, der am 28. Oktober online durchgeführt wird, wird Dr. Martin Neukom, Baudirektor Kanton Zürich, ein Referat halten mit dem Titel «Solarenergie als Schlüssel zur Dekarbonisierung».

In der Schweiz sollen die CO2-Emissionen des Gebäudeparks im Durchschnitt der Jahre 2026 und 2027 gegenüber 1990 auf die Hälfte sinken. Langfristig soll der Gebäudepark der Schweiz CO2-neutral werden.

Dekarbonisierung

Oder die die Abkehr der Energiewirtschaft von der Nutzung kohlenstoffhaltiger Energieträger, ist keine leere Worthülse, sondern eine wichtige Massnahme zur Erreichung der Klimaziele. Die immer noch weltweit in enormen Mengen benötigten fossilen Energieträger enthalten Kohlenstoff. Dadurch ist die Verbrennung fossiler Energieträger sowohl lokal als auch global in hohem Masse umweltbelastend. Fossile Energieträger sind die Hauptquelle von menschengemachten Treibhausgasemissionen und damit der globalen Erwärmung. Aus diesem Grund liegt es nahe, im Sinne einer Klimaschutz-Strategie den Einsatz kohlenstoffhaltiger Energieträger so weit wie möglich zurückzudrängen. Diese Massnahme läuft unter dem Begriff Dekarbonisierung.

In der Schweiz ist der Anteil am Heizöl-Verbrauch bei Gebäuden sehr hoch und die Umwelt- und Klimaeinflüsse müssen unbedingt reduziert werden. Diese machen rund einen Drittel der CO2 -Emissionen aus. Vor allem in älteren Immobilien wird heute noch eine zu grosse Zahl an alten Kesseln durch Anlagen der gleichen Bauart ersetzt. Bei Neubauten hingegen ist Heizöl praktisch verschwunden. Seit dem Jahr 2005 ist der Marktanteil der Wärmepumpen erfreulich stark gewachsen und dadurch werden die elektrisch angetriebenen Wärmepumpen einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung leisten können. Vorausgesetzt, dass die eingesetzte elektrische Energie mit möglichst geringen CO2-Emissionen hergestellt wird.

Starke Zunahme des Strombedarfs

Die aktuelle Energiepolitik der Schweiz wird im Wesentlichen durch die Energiestrategie 2050 bestimmt. Diese Strategie beinhaltet hauptsächlich den Ersatz des Stroms aus stillgelegten Kernkraftwerken. Der erforderliche Ersatz fossiler Brennstoffe wird jedoch zu einer starken Zunahme des Strombedarfes führen. Das hat auch zusätzliche Folgen für den Stromimport. Die Schweiz importiert in den Wintermonaten aktuell etwa 4 bis 10 TWh Strom. Durch die Abschaltung von Atomkraftwerken, den zunehmenden Einsatz von Wärmepumpensystemen zur Heizung von Gebäuden und den Übergang zur Elektromobilität wird sich dieser Importbedarf in den nächsten 30 Jahren trotz Ausbau der erneuerbaren Energien gemäss den Zielsetzungen der Energiestrategie noch stark erhöhen. In der Schweiz wird der Strombedarf um etwa 50% und das Produktionsdefizit im Winter in der Folge von heute 9.8 TWh auf schätzungsweise 38 TWh pro Jahr ansteigen. Der geplante Ausbau der erneuerbaren Energien wird aber auch im Sommerhalbjahr nicht mehr zur Deckung des Strombedarfes reichen. Die meisten umliegenden Länder erwarten nach Abschaltung der Kohle- und Atomkraftwerke ebenfalls einen Importbedarf von Strom im Winter. Es ist somit unklar, ob auch in Zukunft im Winter genug Strom importiert werden kann. Für die Versorgungssicherheit und die Wertschöpfung wäre es deshalb für die Schweiz wünschenswert, einen möglichst grossen Anteil ihres Strombedarfs selbst produzieren zu können.

Das mit Abstand grösste Potential der erneuerbaren Energien weist in der Schweiz die Photovoltaik auf. Mit den gesetzten Ausbauzielen wird dieses Potential bei weitem nicht ausgeschöpft. Gemäss den bisherigen Standpunkten sollen Photovoltaik-Anlagen ausschliesslich auf Gebäuden und evtl. auf weiteren bestehenden Infrastrukturen gebaut werden. Der mit Abstand grösste Handlungsbedarf besteht derzeit in der Schweiz bei der effizienten Nutzung von Energie und beim verstärkten Ausbau der erneuerbaren Energieproduktion.

www.gebaeudetechnik-kongress.ch

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