Beim SZFF sind Fachplaner, Hersteller, Verarbeiter und Monteure, Spezialingenieure für Bauphysik und Haustechnik sowie Zulieferanten von Materialien und Komponenten des Fenster- und Fassadenbaus Mitglied. (zVg)

Die SZFF/CSFF vereinigt vor allem Kompetenzen für den Bau anspruchsvoller, transparenter Glas-Metall-Fassaden. (zVg)

Schweizer Fenster- und Fassadenbauer in der Klemme

Die Coronakrise bringt die Schweizer Fenster- und Fassadenbauer zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten. Die Auftragslage ist zwar gut, doch die überhitzte Nachfrage für Rohstoffe und Zuliefermaterial auf den Weltmärkten führt zu massiven Materialverteuerungen. Das Überleben vieler KMUs in der Branche, die gesamthaft 4’000 Arbeitsplätze umfasst, ist davon nun ernsthaft bedroht.

«Wir jammern nicht einfach auf hohem Niveau, denn wir wissen mit einem enormen Preisdruck in der Fenster- und Fassadenbranche eigentlich unternehmerisch gut umzugehen», erklärt Fabio Rea, Geschäftsführer der Schweizerischen Zentrale Fenster und Fassaden (SZFF). «Ein erzielter Reingewinn von zwei bis drei Prozent auf die gesamte Auftragssumme gilt in unserer Branche schon seit einigen Jahren bereits als Erfolg.» Nun aber hat sich die Situation für die SZFF-Mitgliedsfirmen, wie im ganzen Baugewerbe, pandemiebedingt dramatisch zugespitzt. «Seitens der metallverarbeitenden Zulieferer werden uns drastische Preiserhöhungen weitergegeben, die unsere Mitglieder ihren Kunden in laufenden Verträgen nicht automatisch einfach als Aufpreis weiterberechnen können, wie es die erhöhten Preise der überhitzten Rohstoffmärkte eigentlich verlangen», so Rea.

Verband startet Kampagne

Aus diesem Grund hat die SZFF als gesamtschweizerischer Fachverband für ihre 150 Mitgliedsfirmen eine Support- und Informationsoffensive gestartet, um ihre Kunden und die Öffentlichkeit für die Problematik zu sensibilisieren. Schonungslos transparent, denn betroffen von den ausserordentlichen und schnellen Preissteigerungen für Rohstoffe und Zuliefermaterial sind alle Gebäudeprojekte der Schweizer Fenster- und Fassadenbauer, die sich im Planungsstadium befinden.

Geringe Margen werden hauchdünn

 Hugues Steiner, SZFF-Vorstandsmitglied und Direktor des Fassadenbauunternehmens Hevron SA, illustriert die finanziellen Konsequenzen des Preisauftriebs für die Unternehmen: «Rund 60 Prozent des Umsatzes entfallen auf den Materialeinkauf. Bei den von uns nun aufzunehmenden Preissteigerungen entstehen Mehrkosten in Höhe von drei bis vier Prozent des jeweiligen Jahresumsatzes.» Die massiv gestiegenen Materialkosten vernichten also die branchenüblich ohnehin geringe Marge.

Preise über ein Jahr vorab fixiert

Das liegt auch am Prozedere bei der Auftragsvergabe: Die Materialpreise werden bei der Vertragserstellung fixiert. Der Einkauf wird aber erst getätigt, wenn die Objektplanung vollständig abgeschlossen ist – in der Regel rund ein Jahr später als der Zeitpunkt des Vertragsabschlusses. Warum die Lager dann nicht einfach auf Vorrat gefüllt sind? Jede Fassade ist ein Unikat. Demgemäss kann für jedes Gebäude das Fassadenmaterial nur massgeschneidert produziert werden. Allfällige Preisschwankungen waren dabei in der Vergangenheit überschaubar, so dass die Schweizer Fenster- und Fassadenbauer das kalkulierbare Risiko tragen konnten.

Rohmaterialpreise gehen durch die Decke

Der Blick in die Marktstatistiken offenbart: Im zurückliegenden Quartal stieg der Aluminiumpreis der Londoner Metallbörse (London Metal Exchange; LME) um rund 23 Prozent und in der Jahresbetrachtung sogar um 47 Prozent. Der Preisindex für Warmband (ein Zwischenprodukt der Stahl-und Nichteisenmetallerzeugung) kletterte um über 50 Prozent. Der Brent-Index (Ölpreis) stieg über die letzten drei Monate um 22 Prozent und im Jahreszeitraum sogar um über 200 Prozent. Der Ölpreis wirkt sich direkt auf die Energiepreise aus. So beträgt der Energiezuschlag beim Glas derzeit bis zu 12 Prozent pro Kilogramm, je nach Glasdicke. Darüber hinaus sind alle Gummidichtungen, Isolationen und Kunststoffteile von Preissteigerungen bis zu 70 Prozent betroffen. «Da wir unsere qualitativ hochwertigen und nachhaltig produzierten Halbwerkzeuge nur aus der Schweiz und Europa beziehen, kommt der kritische Euro-Franken-Kurs als finanzieller Risikofaktor hinzu», ergänzt Stebler. Auch könne niemand exakt voraussagen, wann die Materialpreise wieder fallen. Marktanalysten gehen von mindestens noch sechs bis acht Monaten aus, bis sich die Preise auf gewohntem Niveau stabilisieren.

Lieferungen verzögern sich

Die geringe Verfügbarkeit an Rohstoffmaterial führt neben den überdurchschnittlichen Preiserhöhungen zu langen Lieferzeiten. Die üblichen Lieferfristen von zwei Wochen verlängern sich derzeit auf zwölf bis 18 Wochen. Tendenz steigend. Noch jongliert man in der Branche erfolgreich mit allen Beteiligten und grossen logistischen Anstrengungen. «Es zeichnet sich», so SZFF-Präsident Markus Stebler, «jedoch schon heute bei einigen unserer Mitglieder ab: Gebäude werden nicht termingerecht fertiggestellt, es drohen Baustopps.»

Der Lösungsansatz

Der Fachverband setzt daher auf Entgegenkommen und Lösungen, die nicht vorrangig juristischer, sondern vielmehr praxisnaher Natur sind. «Wir appellieren an die Solidarität der Bauherren, die Preiserhöhungen mitzutragen und damit mitzuhelfen, die Bauwirtschaft in der Schweiz zu erhalten. Schliesslich befinden wir uns alle unverschuldet in einer noch nie dagewesenen Epoche», so Rea. So, wie die gesundheitlichen und gesellschaftlichen Aufgaben nur gemeinsam zu bewältigen seien, sollten auch die wirtschaftspolitischen Konsequenzen gemeinsam getragen werden.
Im konjunkturellen Aufschwungmodus gehe leicht vergessen: Auslöser für die massiv gestiegenen Preise und den Mangel an Fenster- und Fassadenmaterial war die Coronakrise. Mit den Restriktionen zur Eindämmung der Pandemie brach im letzten Frühjahr der weltweite Absatz zusammen. Folglich wurden die Produktionen reduziert oder vorübergehend stillgelegt, Lagerbestände abgebaut und ausverkauft. Dann erholte sich die Konjunktur unerwartet schnell und die Nachfrage, beispielsweise aus der Automobilindustrie für Aluminium-Leichtbauteile, stieg wieder rasant an.


SZFF
Schweizerische Zentrale Fenster und Fassaden /
Centrale Suisse Fenêtres et Façades

Markus Stebler, Präsident
Markus.stebler(at)stebler.ch

www.szff.ch