Die Referenten der Lippuner Fachtagung Wasser 2022 (Bild: zVg)

Spülung der Trinkwasserleitungen unverzichtbar

Die Lippuner Fachtagung Wasser 2022 fand erstmals in Baden statt. Fachleute sprachen über die verschiedenen Bereiche von Netzspülungen. Dazu zeigten rund 70 Aussteller aus dem In- und Ausland ihre Produkte und Neuigkeiten.

Organisiert von der Sarganser LiPartner AG gastierte die traditionelle Fachtagung erstmals in den Trafohallen in Baden. Rund 350 Besucher liessen sich über das Fachthema Netzspülungen informieren. Das Versorgungsnetz gehört zur zentralen Infrastruktur jeder Wasserversorgung. Die kilometerlangen Leitungen leisten einen unverzichtbaren Beitrag dazu, dass beim Konsumenten jederzeit Wasser aus dem Hahn fliesst. Dieses Wasser muss die gemäss Lebensmittelgesetzgebung geforderte Qualität aufweisen. Die geforderte Qualität kann nur erbracht werden, wenn auch die Leitungen die notwendige Hygiene erfahren.

Organisatorin Jeannette Lippuner von der LiPartner AG ging in ihren Begrüssungsworten auf die Wichtigkeit der regelmässigen Spülungen des Wassernetzes ein. «Glücklich der Wasserversorger, der sein Netz genau kennt und das Richtige zu tun weiss», so die Spezialistin in Wasserrecht.

Strategie für Netzspülungen

Im ersten Themenblock führte Olaf Denoth, Technologiezentrum Wasser (TZW) in Dresden, in die zustandsorientierte Spülung von Trinkwassernetzen ein. Rohrnetzspülungen seien eine wichtige Massnahme zur Sicherung der Wasserqualität im Verteilsystem. Das TZW habe in den letzten Jahren eine zustandsorientierte Netzspülstrategie entwickelt. Ablagerungen sind eine Nahrungsgrundlage für Bakterien. Systematische Wasserspülungen seien geeignet, um lose Ablagerungen zu entfernen, erklärte Olaf Denoth. Wenn das Wasser eine braune Färbung habe, komme es zu Reklamationen der Kunden. Dies könne mit zustandsorientierten Spülungen verhindert werden.

Matthias Lohmann, TZW in Dresden, ging darauf ein, welche Rolle kontinuierliche Trübungsmessungen im Netz spielen. Mit systematischen und anhaltend erfassten Prozessen in Trinkwassernetzen können diese bewertet werden. Er kam in seinem Referat darauf zu sprechen, dass kontinuierliche Trübungsmessungen ein gut einsetzbares Werkzeug seien, um Ursachen von Trübungsereignissen in Trinkwassernetzen zu bewerten.

Spülplan macht Sinn

Soll mehr als ein einzelner Leitungsstrang gespült werden, empfiehlt sich die Erarbeitung eines Spülplans. Ohne detaillierte Planung besteht die Gefahr, dass Ablagerungen aus vorgelagerten oder ungereinigten Abschnitten mobilisiert werden und diese das Netz ungewollt verschmutzen. Thomas Zemp, Kulturingenieur ETH bei der Uli Lippuner AG in Sargans, zeigte auf, weshalb ein Spülplan Sinn macht und wie mit Hilfe von Hydraulikprogrammen schliesslich die notwendigen Parameter festgelegt werden können. Das Fazit von Thomas Zemp lautet, dass ein Spülplan bei kleinen und grossen Netzen gleichermassen Sinn mache, wenn ein gutes Spülergebnis erzielt werden soll.

Im zweiten Themenblock zeigte Kantonschemiker Peter Brodmann (Baselland) anhand eines eindrücklichen Falles aus der Praxis auf, welche Rolle Spülungen und Systeme zur Chlorung spielen können. Beim Ersatz eines Leitungsabschnittes wurde die Leitung vorschriftsgemäss einer Druckprobe unterzogen, gespült und Proben genommen. Obwohl die Leitung offiziell nie freigegeben wurde, passierte der Supergau. Verschiedene Netzproben wiesen plötzlich viel zu hohe Werte von E. Coli auf. Es resultierte ein Abkochgebot für sechs Gemeinden. Einbezogen wurde der Kantonale Führungsstab, die Medien berichteten darüber, eine Hotline wurde eingerichtet. Die Ursachenforschung ergab laut Peter Brodmann, dass beim Verschweissen von Rohrleitungen Mehl als Stauwehr verwendet wurde. Mehl sei nicht steril, erklärte Brodmann dazu.

Tipps aus der Praxis

Bei Bau- und Reparaturarbeiten von Rohrleitungen gilt es, Verunreinigungen zu verhindern. Dabei beginnen die zu treffenden Massnahmen nicht erst bei der Inbetriebnahme der Leitungen. Mit praktischem Fachwissen erklärte Martin Haas, Eidg. Dipl. Brunnenmeister, Wasserversorgung Kriens, verschiedene Vorgehensweisen und weist auf mögliche Hürden hin. Für das Lebensmittel Wasser dürfe es keine negativen Ausreisser in Sachen Hygiene geben, so Martin Haas. Er zeigte verschiedene Massnahmen in der Praxis auf und konnte den Teilnehmern den einen oder anderen Tipp mit nach Hause geben.

Die Schlussdiskussion wurde von Roberto Pianta geleitet. In seinem Fazit nannte er Trinkwasserleitungen unsichtbar, aber unverzichtbar. Die Leitungen müssten gezielt und systematisch gespült werden. Es gelte Kontrollpunkte im Netz einzurichten. Die Verantwortlichen sollten sich das Ziel und die Bedeutung von Spülungen stets vor Augen halten. «Der Leitungsbau ist gut zu planen, auszuführen und zu kontrollieren, erklärte Roberto Pianta abschliessend.