V.l.n.r.: Peter Bachmann, CEO Ceconet, Urs Rengel, CEO EKZ, und Urs Schaeppi, CEO Swisscom. (Bilder: zVg)

Wie alles besser wird

Wie meistern Unternehmen unserer Branche die Corona-Situation, und wie sehen sie die Zukunft? Wir haben einige Geschäftsführer dazu befragt.

Wie ein klitzekleines Virus, das von blossem Auge nicht zu erkennen ist und den Namen eines Bieres trägt, unsere Welt auf den Kopf stellt, erfahren wir zurzeit hautnah. Es legt die ganze Welt lahm. Wir müssen einerseits das Gesundheitssystem stützen und andererseits sollten wir die Wirtschaft wieder ankurbeln, um nicht in eine allzu starke Rezession zu stürzen. Klar ist, dass die Auswirkungen von einer Wucht sind, die alles übertrifft, was wir in letzter Vergangenheit erlebt haben. Sogar Vergleiche mit der Spanischen Grippe und dem Ende des Zweiten Weltkriegs werden angestellt. Die Verunsicherung ist gross. Das zeigt sich auch an den Rückmeldungen unserer Blitzumfrage bei Unternehmen der Branche. Nicht alle wollten sich zur jetzigen Situation äussern. Dennoch haben sich einige Branchenvertreter zur aktuellen Situation geäussert. Das Fazit ist klar: Man appelliert an den Durchhaltewillen, Innovation und Optimismus sind mögliche Rezepte.

Wie wirkt sich die aktuelle Situation rund um das Coronavirus auf Ihr Unternehmen aus?

P. Bachmann: In den drei Bereichen, in denen wir tätig sind, präsentiert sich die Situation unterschiedlich. Am stärksten betroffen ist der Bereich Audio/Video. Demgegenüber hält sich der Bereich Telematik gut. Und der Bereich Gebäudeautomation ist bisher kaum tangiert. Viele Firmen empfangen unsere Aussendienstmitarbeitenden nur für dringende Angelegenheiten.

U. Rengel: EKZ hat Sicherheitsmassnahmen für Mitarbeitende, Kunden und Partner eingeführt. Die Stromversorgung des Kantons Zürich ist gemäss unserem Auftrag sichergestellt. Die bisherigen Analysen haben gezeigt, dass die Situation um Covid-19 keine signifikante Auswirkung auf unseren Stromabsatz hat. EKZ hat bisher in den Wochen des Lockdowns weniger Energie an Unternehmen geliefert. Diese Minderlieferungen wurden durch höhere Bezüge der Privathaushalte kompensiert.

U. Schaeppi: Die Hälfte unserer Shops war sechs Wochen lang zu, unser Pay-TV von Teleclub kann keinen Live-Sport zeigen. Kunden nutzen zwar unsere Leistungen vermehrt, aber wir profitieren kommerziell kaum aufgrund der Flatrates. Gleichzeitig: Ich bin stolz, dass Swisscom wunderbar virtuell funktioniert – 90 % unserer Mitarbeitenden arbeiten vom Homeoffice aus, Kundinnen und Kunden erleben den gewohnten Service.

Mit welchem Rezept begegnen Sie dieser Situation?

P. Bachmann: Unser Portfolio beinhaltet umfassende Lösungen für das «Distance Learning». Darauf aufbauend haben wir für unsere Kunden und Partner attraktive Bundles geschnürt und reichern diese mit umfassenden Services an. Des Weitern bauen wir Überzeiten und Ferienüberhänge ab und nehmen uns Aufgaben an, die in der Vergangenheit nicht erste Priorität hatten.

U. Rengel: Die EKZ-Mitarbeitenden wurden angehalten sowie befähigt, die vom BAG empfohlenen Distanzregelungen und Hygienemassnahmen einzuhalten und umzusetzen. Dort wo Abstände nicht immer eingehalten werden können (z. B. Baustellen), wurden Hygienekits (Schutzsets) abgegeben. Homeoffice wurde – wo immer möglich – umgesetzt. Für die Kundinnen und Kunden entstehen dadurch keine wesentlichen Einschränkungen. EKZ und ihre Tochtergesellschaften sind zu den üblichen Geschäftszeiten per E-Mail und Telefon erreichbar. Hausbesuche von Monteuren werden unter Berücksichtigung der strengen Vorschriften des Bundes durchgeführt.

U. Schaeppi: Wir bieten unseren Kunden einen ganzen Strauss an Unterstützungen: Wir haben zum Beispiel Videoberatung aus dem Shop eingeführt und bieten neu Online-Schulungen für Senioren. KMU unterstützen wir mit Gratis-Homeoffice-Lösungen, und wir haben Sportabo-Gebühren erlassen und Kunden gratis Premium-Sender aufgeschaltet.

Wie sehen Sie die (nahe) Zukunft?

P. Bachmann: Diese ist kaum prognostizierbar – alles hängt davon ab, wie sich die nationalen und internationalen Märkte und Lieferketten entwickeln beziehungsweise erholen. Wir gehen allerdings davon aus, dass es in diversen Bereichen zu Marktbereinigungen kommen wird. Betroffen davon dürften namentlich Firmen mit einer dünnen Kapitaldecke sein.

U. Rengel: Vorerst sehen wir keine wesentlichen Änderungen. Weiterhin gilt, nach Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten und die Abstands- sowie Hygieneregeln strikt einzuhalten. Normalität gibt es erst wieder, wenn ein Impfstoff gegen Covid-19 gefunden wurde.

U. Schaeppi: Trotz der grossen Herausforderungen sehen wir auch einen positiven Aspekt: Unserer Branche wie auch Swisscom hilft, dass die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft nun einen starken Schub erhält. Das wird die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz klimaschonend steigern. Ich sehe hier z. B. Trends wie Industrie 4.0, weniger Reisen durch Video-Conferencing oder Homeoffice.