Peter Morf, Leiter Energietechnologien und Ressourceneffizienz am Hightech Zentrum Aargau (Bild: Ethan Oelman)

Hightech Zentrum Aargau

«Wir haben grosses Energie-Knowhow im Aargau…»

Berater des Hightechzentrums Aargau verfügen über einen grosser Erfahrungsschatz aus der Wissenschaft und der Praxis, um so KMU bei Innovationen auf die Sprünge zu helfen. Ein Interview mit Peter Morf, Leiter Energietechnologien und Ressoruceneffizienz.

Zuerst eine Berufslehre als Chemielaborant absolviert, über den «zweiten Bildungsweg» die Matura nachgeholt, schliesslich Physik und Umweltwissenschaften studiert und doktoriert. Inwiefern nützt dieser grosse Rucksack an Erfahrungen und Wissen für Ihre Tätigkeit am Hightech Zentrum Aargau?
Peter Morf: Diese Vielfältigkeit von Tätigkeiten und Wissensgebieten hat mir in der Tat geholfen, viele Themen umfassend anzugehen und von technischer Seite zu beraten. Ein Physiker trägt oft das Manko mit sich, dass er zu wenig über Chemie versteht. Und ein Chemiker hat andere Wissenslücken. Als Umweltwissenschaftler ist es so, dass man auch noch die biologische und umwelttechnische Seite eines Problems betrachtet.
Zudem habe ich den Kontakt zur Industrie auch während meiner Ausbildungen nie verloren. Ich hatte immer die klare Vorstellung, dass nur Theorie und Praxis zusammen etwas bewirken kann. Vielen geht diese Erfahrung ab. Wer nur an einer Hochschule gearbeitet hat, kennt die Sorgen und Prioritäten der Industrie nicht. Umgekehrt ist es oft so, dass Praktiker sich nicht auskennen, womit sich Wissenschafter an einer Hochschule beschäftigen und welchen Zwängen sie unterworfen sind, um im universitären Umfeld bestehen zu können.

Bei einem Streifzug durch die Website entdeckt man eine grosse Vielfalt an Projekten im Bereich «Energietechnologien und Ressourceneffizienz», über Hochleistungsbatterien bis zu einem neuartigen Wärmedämm-Verbundsystem u.a. aus Kork. Eine überraschende Vielfalt?
Ja. Es erstaunt mich selbst immer wieder, wie vielfältig die Industrie im Kanton Aargau aufgestellt ist. Die Vielfalt an Fachwissen und die intellektuellen Ressourcen ist da, um kreative Wege zu gehen, damit man Antworten auf Fragen zur Energie- und Ressourceneffizienz findet.
Bei solchen Fragen drängt sich auch eine Kooperation über Branchengrenzen hinweg auf. Gerade im Aargau gibt es viele Firmen, die grosses Wissen und Können im Bereich Energiegewinnung, -umwandlung und –speicherung haben. Ebenso gibt es sehr viel Knowhow im materialtechnischen Bereich. Deswegen organisieren wir Anlässe, wo sich Firmen aus den beiden Schwerpunkten «Nano- und Werkstofftechnologien» und «Energietechnologie & Ressourcen-Effizienz» angesprochen fühlen.

Was ist in Zukunft von einer verstärkten Vernetzung der Akteure zu erwarten?
Ich denke ans Stichwort «Kreislaufwirtschaft». In diesem ökologischen Ansatz des Wirtschaftens steckt unglaublich viel Potenzial drin und es entstehen heute schon Produkte, die in ihrer Ökobilanz tatsächlich viel besser sind als ihre Vorgänger.
Dieser Upcycling-Gedanke muss als wichtiger Aspekt schon zu Beginn der Produktentwicklung berücksichtigt werden. Das Design solcher Produkte braucht sehr viel Kreativität, aber das ist ja auch interessant: Wie kann man Produkte herstellen, so dass es am Schluss kein Abfall übrigbleibt? Wie kann man Produkte herstellen mit Stoffen, die in anderen nachgelagerten Prozessen ebenfalls Nutzen stiften?

Es gibt mehrere Institutionen in der Schweiz, die Innovationsförderung betreiben. Was unterscheidet das Hightechzentrum Aargau von anderen Förderinstitutionen wie Innosuisse?
Dadurch, dass wir den regionalen Fokus haben, kennen wir die Firmen sehr gut, mit denen wir zusammenarbeiten. Es braucht eine gewisse Verdichtung des Netzwerks, damit Innovation entsteht. Der Grad der Verdichtung, die wir mit unseren Massnahmen und dank unseren Innovationsmentoren erreichen ist höher, als was auf nationalem Niveau entstehen kann.
Wir kontaktieren proaktiv Firmen mit innovativem Potenzial und versuchen, herauszufinden, wie man sie mit welchen Projekten unterstützen kann. In der Regel beginnt das mit kleinen Projekten. Kleine und mittlere Firmen kämpfen bei gut laufendem Geschäftsgang mit dem Problem, zu viele Aufträge zu haben. Also stecken sie ihre Ressourcen ins Abwickeln dieser Aufträge. Haben sie wenig Aufträge, arbeiten sie stark daran, dass sie wieder Aufträge bekommen.
Oft fehlt die Zeit für Forschung und Entwicklung. Hier kommen wir als Mentoren ins Spiel, die zu Diskussionen anregen und Firmen mit geeigneten Forschungspartnern – an Fachhochschulen oder Universitäten – zusammenbringen, damit langgehegte Projekte zum Fliegen kommen.