Daniel Krummen ist seit 2013 Bereichsleiter Haustechnik bei der Georg Fischer Rohrleitungssysteme (Schweiz) AG. Nach der technischen Grundausbildung als Sanitärinstallateur und Planer war er Leiter eines mittelgrossen Sanitärbetriebs und wechselte anschliessend in den Sanitär-Handelsbereich, wobei er sich zum Eidg. Dipl. Verkaufsleiter ausbildete. 2008 wechselte Krummen zu GF. (Bilder: zVg)

Daniel Krummen: «Mit der stets hervorgebrachten Begründung 'das haben wir früher auch so gemacht' wird es nicht weitergehen.»

«Wir sind positiv, was den Ausblick in die nähere Zukunft betrifft»

Hinsichtlich Hygiene verlangen Trinkwasserinstallationen heute höchste Anforderungen. Zusätzlich bedarf es für die Wärmeverteilung in Gebäuden energetisch effizienter Systeme. Daniel Krummen, Bereichsleiter Haustechnik Schweiz bei Georg Fischer Rohrleitungssysteme, erklärt wie er die Zielkonflikte sieht, und wie die nachhaltige Wende in der Branche gelingen wird.

Daniel Krummen, wie hat sich die aktuelle Situation bisher in Ihrem Unternehmen ausgewirkt, bzw. welchen Herausforderungen mussten Sie sich in Ihrem Wirken stellen?

Corona war und ist aus heutiger Sicht immer noch sehr entscheidend. Niemand kann genau voraussagen, wie es in den kommenden Monaten weitergeht. Wir haben uns sehr schnell an Meetings in elektronischer Form gewöhnt, das wird sicher auch weitergeführt. Homeoffice für die Mitarbeiter und das Thema der Erreichbarkeit war am Anfang sicher nicht immer ganz einfach, doch mittlerweile gehen wir alle gut damit um.

Uns war einfach sehr wichtig, dass alle unsere Mitarbeiter und im Besonderen unsere Produktionsstandorte geschützt werden, da das Thema der Produkteverfügbarkeit immens wichtig ist. Produkteschulungen und Seminare mussten leider abgesagt oder verschoben werden. Wir haben jedoch stets darauf geachtet, dass die Kundenbeziehung aufrechterhalten wird und die Erreichbarkeit der Aussendienstmannschaft sowie der Technikabteilung immer gewährleistet ist. Wir haben sicher gelernt, mit dem Virus umzugehen.

Inzwischen wurde auch die Leitmesse ISH in Frankfurt abgesagt. Auch GF ist an Messen stets dabei. Jetzt gibt es neue Möglichkeiten. Wie stellen Sie sich zu digitalen Messen bzw. wie wird GF sich da einbringen?

Wir forcieren den digitalen Weg, um weiterhin sehr nahe an unseren Kunden zu sein, sei es über Webinare oder Produktefilme. In Kürze werden wir mit hybriden Onlineevents einen ersten Schritt in Richtung neue und aussergewöhnliche digitale Event- und Messeformate wagen. Damit können wir unseren Kunden GF Piping Systems in einer neuen Form von Erlebnis- und Markenwelt näherbringen. Trotzdem hoffen wir jedoch, dass auch in Zukunft wieder Messen in verschiedenen Formen stattfinden können, da der persönliche Kontakt für unsere Branche aus meiner Sicht sehr wichtig ist.

Am letzten Sanitärtag von Suissetec traten ziemlich gegensätzliche Meinungen zu Tage, was die Zielkonflikte zwischen Wasserhygiene und Energieeffizienz betrifft. Das hat doch manche stutzig gemacht, was da zum Teil gesagt wurde. Sollten da nicht alle am gleichen Strang ziehen? Was ist Ihre Meinung dazu?

Natürlich wäre es auch von uns aus gesehen wünschenswert, wenn alle Parteien an einem Strang ziehen würden. In der Realität ist es jedoch leider so, dass es viel zu viele Interessenskonflikte und Ausreden gibt um dieses Thema. Interessenskonflikte, weil unsere Trinkwasserhygiene nach wie vor als selbstverständlich angesehen wird, und die Thematik rund um Energieeffizienz momentan hoch im Kurs steht und daher mehr Beachtung bekommt. Die Hygiene kommt immer erst dann an erster Stelle, wenn Probleme auftauchen. Wie gesagt, es ist auch heute noch nicht allen Beteiligten bewusst, wie wichtig Wasserhygiene wirklich ist. Und auch dass ein komplexer Prozess dahintersteckt, welcher die uns gewohnte Wasserqualität garantiert. Nur wenn wir der Trinkwasserhygiene die Wichtigkeit zugestehen, die sie verdient hat, können wir in Zukunft mit dieser Thematik weiterkommen.

Wie kann Ihr System Hycleen genau hier für Abhilfe sorgen?

Wasserversorger überprüfen die Trinkwasserqualität regelmässig, sind aber nur bis zum Gebäudeeingang zuständig. Im Haus ist die Trinkwasserqualität in der Verantwortung des Betreibers. Durch inadäquate Temperaturen, Stagnation und Biofilm besteht die Gefahr von Bakterienwachstum. Vor diesem Hintergrund müssen Trinkwasserinstallationen in Gebäuden sorgfältig geplant, gebaut und betrieben werden. Hycleen bietet die Möglichkeit der lückenlosen Temperaturüberwachung, Messdatenspeicherung und Protokollierung der durchgeführten Hygienemassnahmen, was in Zukunft für Objektbetreiber immer wichtiger werden wird. Wir haben in diesem Gebiet sehr viel Erfahrung und unsere Produkte bieten sich dafür als ideale Lösung an.

Womit beschäftigt sich GF in der Corona-Zeit bezüglich Hygiene in besonders risikobehafteten Örtlichkeiten intern oder extern? Was ist durch die neue Lage auf Sie zugekommen?

Neben den Hygiene- und Distanzvorschriften wurden die Besuche in unseren Produktionswerken, interne sowie externe Schulungen und die persönlichen Kundenkontakte auf ein Minimum reduziert. Wir vermeiden grosse Menschenansammlungen und die Büroräumlichkeiten wurden umgestaltet. Meetings werden als Videokonferenzen abgehalten. Auch in der Produktion wurde auf mehrere Schichten umgestellt und wurden Arbeitsplätze verändert.

Wie stehen Sie zum Produktionsstandort Schweiz?

Die stabilen volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen, das gute Verhältnis mit den Sozialpartnern, die kurzen Wege zu Behörden, aber auch die bestens ausgebildeten Fachleute machen die Schweiz nach wie vor zu einem hervorragenden Standort. Das steht bei uns im Vordergrund.

Die Platzhirsche am Schweizer Markt in Ihrem Bereich haben sich gut eingerichtet. Denken Sie, dass die ausländische Konkurrenz sich da in absehbarer Zeit einen grösseren Anteil am Kuchen wird erobern können?

Unsere Hauptmitbewerber sind alles Schweizer Unternehmen, und der Wettbewerb der letzten Jahre hat uns stark gemacht. Wir wissen genau, welche Qualitätsansprüche die Branche hat, und die marktgerechten Preise sind auch vorhanden. Ich nehme an, dass ausländische Anbieter in der Vergangenheit bereits versucht haben, den Schweizer Markt zu bedienen. Wir sind jedoch gut aufgestellt, und ich bin überzeugt, dass wir unseren Anteil verteidigen können.

Worauf wird es für eine nachhaltige Wende in der Branche ankommen?

Es wird nur funktionieren, wenn die ganze Branche begreift, dass Hygiene in der Trinkwasserinstallation absolut notwendig ist. Momentan werden stets Begründungen gesucht, wieso es nicht geht. Der Druck der Anlagebetreiber wird kommen. Und da kann es sicher nicht sein, dass schon in der Planung darüber diskutiert wird, ob die Richtlinien W3/E3 richtig oder falsch wären. Mit der stets hervorgebrachten Begründung «das haben wir früher auch so gemacht» wird es nicht weitergehen. Um einen hygienisch einwandfreien Betrieb zu gewährleisten, darf dieses wichtige Thema nicht mehr ignoriert werden.

GF bietet Rohrleitungssysteme für alle Ansprüche an Installationssysteme. Was gibt es Neues im Angebot?

Wie bereits erwähnt, werden wir sicher das Thema Hycleen weiter vorantreiben und in diesem Bereich zusätzliche Anwendungen in den Markt bringen. Unsere beliebten und seit Jahren bewährten Systeme werden wir deswegen natürlich nicht vernachlässigen und auch dort versuchen, sie stets zu optimieren. Lassen Sie sich überraschen!

Wie sehen Sie die nächste Zukunft in der Branche?

Leider ist Corona momentan wieder aktueller denn je. Im Frühjahr sind nur wenige Baustellen geschlossen worden, das Bauvolumen ist je nach Region unverändert gross.

Durch das Thema Quarantäne wird es sicher nicht einfacher für die Unternehmen, die Termine einzuhalten. Auch wenn wir gelernt haben mit dem Virus umzugehen und einige Massnahmen eingeleitet haben, ist die Unsicherheit natürlich immer noch da.

Trotzdem sind wir positiv, was den Ausblick in die nähere Zukunft betrifft. Voraussetzung ist allerdings, dass weitere einschneidende Massnahmen infolge der Pandemie vermieden werden können.