Markt-News

Die Kunden konnten die Ware auch telefonisch bestellen und an den Schaltern abholen. (Bild zVg)

Vereinzelte Engpässe konnten durch das grosses Lagernetz aufgefangen werden. (Bild zVg)

Der Fachhandel während der Krise

Seit Monaten ist die Welt im Würgegriff von Corona. Die Wirtschaft stand praktisch still, mit noch unabsehbaren Folgen. Die Menschen wurden in einem nie dagewesenen Ausmass auf die Probe gestellt – privat wie geschäftlich. Dieses Interview soll der Kältebranche aufzeigen, wie der Fachhandel mit der Krise umgeht.

Welche Änderungen wurden bereits in den Organisationen eingeführt? Welche Lehren konnten bisher daraus gezogen werden und welches sind Einflussfaktoren in das Tagesgeschäft durch die Pandemie? Friscaldo sprach mit den beiden Geschäftsführern Marc Stampfler (MS) von Fischer Kälte Klima und Fischer Friosol, sowie André Meyer (AM) von Werner Kuster und Charles Hasler, über Massnahmen, Auswirkungen und Aussichten in der Kältebranche.  

Der behördlich verhängte Lockdown im vergangenen März kam unerwartet und traf in der Folge die Wirtschaft massiv. Wie sieht es mit dem Kälte-Fachhandel aus? Mussten ebenfalls drastische Massnahmen getroffen werden?

MS: Für uns als Kälte-Klima Spezialisten bedeutet das Wort Partnerschaft mehr als nur Fachhandel. Gemeinsam mit der Branche, liegt unsere Aufgabe in der kontinuierlichen Unterstützung in allen Bereichen des Metiers. Wir konnten diese Corona Zeit relativ gut überstehen. Bereits im Februar, noch bevor Lockdown ein Thema war, haben wir uns mit der kompletten Ausrüstung aller Mitarbeiter mit Laptops befasst. Jeder von uns ist soweit ausgerüstet, dass er von zu Hause arbeiten kann. Unter den Kantonen gab es massive Unterschiede und diese hatten entsprechende Auswirkungen auf unsere sechs Niederlassungen in den verschiedenen Regionen.

AM: Der Lockdown kam für alle überraschend und wir mussten innerhalb von kürzester Zeit die Massnahmen wie Schliessung der Schalter, Umstellung auf Homeoffice oder die Einführung geeigneter Hygienemassnahmen umsetzen und den Betrieb aufrechterhalten. Bedenken der Kunden, dass die Lieferkette zu unseren Herstellern zusammenbrechen könnte, führte bei einigen Produkten zu Hamsterkäufen.

Auf Baustellen konnte, bis auf wenige Ausnahmen, während der ganzen Zeit reduziert gearbeitet werden. Wie sah es in der Kältebranche bezüglich Auftragsvolumen aus und wie stark ist der Fachhandel betroffen?

MS: Im Allgemeinen ist die Branche wenig betroffen durch diese Auszeit. Ein grosser Teil des Volumens der Kälte-Klima Branche befindet sich im Food und Beverage Sektor und diese Sparte konnte sich sogar weiterentwickeln. Ich denke, die Auswirkungen der Krise sind noch ausstehend und hängen sehr stark davon ab, wie lange wir mit Covid 19 noch umgehen müssen. Seit Ende der Sommerferien hat sich die Stimmung wieder geändert und eine gewisse Unruhe auf dem Markt ist heute deutlich spürbar.

AM: Natürlich spürten auch wir in den Monaten April und Mai einen kleinen Einbruch, aber die Kälteinstallateure konnten mit den Umständen gut Umgehen und andere Arbeiten ausführen. In der Westschweiz wirkte sich der Lockdown und die Schliessung der meisten Baustellen viel massiver aus.

Die internationalen Lieferketten wurden beeinträchtigt und es gab Engpässe bei verschiedensten Produkten. Sind in der Branche ebenfalls Engpässe entstanden, oder gab es bisher nur vereinzelt Probleme bei der Warenversorgung und der eigenen Lieferfähigkeit?

MS: Diese spezielle Zeit hat mehrere Erkenntnisse mit sich gebracht. Erstens konnte niemand richtig diese Zeit voraussehen oder planen. Alle Zulieferanten haben Notfall-Pläne eingeführt, die ganz klar zu Engpässen führen mussten. Stark abhängig vom Bezugsland, konnten uns unsere Zulieferanten unterschiedlich weiter beliefern. Indem wir, auch hier wieder frühzeitig, das Risiko richtig einschätzen konnten, haben wir unsere sechs Niederlassungen mit Material voll ausgerüstet. Dank einer ausserordentlich guten Vorarbeit unserer Dispo Abteilung konnten wir das Ganze gut auffangen. Vereinzelte Engpässe konnten durch unser grosses Lagernetz gelöst werden. Zudem hat diese Zeit eine langfristige Überlegung mit sich gebracht. In unserer Lieferantenbewertung müssen wir lokale Hersteller unbedingt mehr in Betracht ziehen.

AM: Wir hatten zu keinem Zeitpunkt ein Problem mit der Lieferkette. Es hat massiv geholfen, dass die Kältetechnik mit ihrer Kühlkette systemrelevant ist und viele Hersteller trotzdem produzieren konnten, oder nur für kurze Zeit geschlossen werden mussten. Weiter konnten wir jederzeit auf unsere Schwesterfirmen der BeijerRef in ganz Europa zählen.

Wie konnten die Kunden während dem Lockdown mit Waren und Dienstleistungen versorgt werden und welche Veränderungen gab es im Einkaufsverhalten? Es ist gut vorstellbar, dass der Anteil der Online-Bestellungen auch gestiegen sein dürfte.

MS: Gewohnheiten lassen sich nicht so schnell ändern. Am Anfang hatte unsere Branche Mühe, mit der Sache umzugehen und brauchte Zeit, die Einschränkungen zu verarbeiten und zu akzeptieren. Alle unsere sechs Einkaufstheken mussten gemäss Bundesgesetz geschlossen werden. Neben den üblichen Liefermöglichkeiten konnten die Kunden, nach telefonischer oder schriftlicher Vorbestellung, die Waren abholen.  Dank einer hohen Anpassungsfähigkeit der gesamten Branche konnten wir diese Zeit gut überstehen. Heute haben wir unsere Verkaufsstellen offen, aber sämtliche Hygiene-Massnahme bleiben bestehen. Im Rahmen unserer Onlinepolitik waren wir in diesem Gebiet bereits Marktleader. Der Cool Navigator, ProShop und der FriosolNavigator ermöglichen es unseren Kunden, rund um die Uhr zu bestellen. Der Weg über das Internet ist wichtig, ersetzt aber den persönlichen Kontakt nicht.

AM: Wie in anderen Handelsgeschäften stiegen auch bei uns die Online Bestellungen massiv an. Seit letztem Jahr bieten wir auch eine Mobile APP an, wo ganz einfach mit dem Mobile Gerät bestellt werden kann und auch häufig benutzt wurde. Die Kunden konnten aber die Ware auch telefonisch bestellen und an den Schaltern abholen. Die Versorgung lief im Grossen und Ganzen einwandfrei. Das Problem war eher, dass die Logistikpartner mit der massiven Zunahme von Online Shopping an den Anschlag kamen.

Rund zwei Monate hat der Lockdown gedauert. Neben dem sozialen Leben wurde mit Bestimmtheit auch die Wirtschaft davon betroffen. Gibt es schon eine Art «Schadensbilanz der Kältebranche» oder ist das verfrüht?

MS: Zum jetzigen Zeitpunkt ist es verfrüht, eine Bilanz zu ziehen. Der Lockdown hat uns auch voll getroffen, aber bis heute ist unsere Branche mit einem blauen Auge davongekommen. Es war noch nie so schwierig, eine Prognose für die kommenden Jahre abzugeben. Aus Erfahrung gehe ich die Zukunft aber trotzdem sehr positiv an. Auch in vergangenen Krisenzeiten war unsere Branche sehr stabil unterwegs.

AM: Die Kältebranche ist bisher erfreulich robust durch den Lockdown gekommen. Meine Einschätzung ist aber, dass wir im nächsten Jahr doch Auswirkungen spüren werden. Beispielsweise die fehlenden Gäste in Restaurants und Hotels haben sicher einen negativen Einfluss auf Investitionen, welche in der Gewerbekälte fehlen werden.

Es heisst, dass praktisch jedes Ereignis seine positiven Seiten hat. Trifft dies auch für das aktuelle Ereignis zu?

MS: Ja. Unser ganzes wirtschaftliches Model wird neu überdacht. Das Outsourcing der Wertschöpfung wird neu überlegt und schlussendlich das Risiko Management wird neue Erkenntnisse aufrufen und berücksichtigen. Diese weltweite Krise hat wie eine Welle eingeschlagen wie noch nie. Niemand konnte diese Krise erahnen, planen oder vorgreifen. In solchen Zeiten konnte man das Schönste wie aber auch das weniger Schöne der Menschheit entdecken. Am Schluss dürfen wir stolz sein, wie diese Krise bis jetzt von der Politik pragmatisch und sehr bewusst umgesetzt worden zu Gunsten der Bevölkerung ist. Wir haben das grosse Glück in einem demokratischen Land leben und arbeiten zu können wo das Wort Freiheit eine authentische Bedeutung hat. Unsere Branche ist dynamisch, aufgestellt, professionell und zielorientiert. Persönlich bin ich sehr zuversichtlich und schaue über den Horizont 2021 positiv hinaus.

AM: Viel Positives kann ich dem Ereignis nicht abgewinnen, ausser dass wir auch im Krisenmodus mit Homeoffice und anderen BAG Massnahmen gut funktionieren können. Die Folgen der Pandemie hat aber aufgezeigt, dass wir mit der Globalisierung an die Grenzen gestossen sind. Die globale Abhängigkeit einzelner Komponenten, welche nur in China produziert werden, können zu massiven Engpässen und Abhängigkeiten führen. Ich hoffe, dass hier die richtigen Schlüsse gezogen werden.