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Digitalisierung im Badezimmer: vieles ist bereits möglich. (Bilder: Laufen)

Wie wird sich die persönliche Wohlfühloase Bad im digitalen Zeitalter entwickeln?

Klaus Schneider, Geschäftsführer Keramik Laufen AG/Similor AG: «Wer erwartet, im digitalen Badezimmer von uns eine Robotertechnologie anzutreffen, die jegliche Selbstbestimmung unterbindet und intime Daten mit dem World Wide Web teilt, darf sich beruhigt zurücklehnen. Unsere Unternehmen entwickeln nur Produkte, die ihren Kunden Zusatznutzen schenken.»

Digitalisierung im Badezimmer in Reichweite

Die Digitalisierung wird die Welt verändern und macht auch vor der Gebäudetechnik nicht halt. Die Chancen, die sich damit für die Sanitärbranche eröffnen, sind mit Vorteil zu nutzen. Nach dem Gesamtkonzept «Digital Public Bathroom» präsentiert eine Konzeptstudie von Keramik Laufen und Similor neue Lösungsansätze zur Thematik.

Wie smart ist das digitale Badezimmer der Zukunft? Und wann fängt diese Zukunft an? Was mit der Vernetzung von infrarotgesteuerten Selbstschlussarmaturen, Duschen- und Urinalsteuerungen im öffentlichen Bereich bereits Anwendung findet, wird auch im privaten Bereich kommen. «Dort legen die Anwender den Fokus auf alles, was dem Nutzer einen wohltuenden Mehrwert verspricht», meint Klaus Schneider, Geschäftsführer Keramik Laufen AG und Similor AG. «Wie zum Bespiel die Möglichkeit, während dem Zähneputzen die Nachrichten am Spiegel zu lesen, die Lieblingsmusik zu hören oder dank individuell einstellbaren Farbtemperaturen der Badbeleuchtung besondere Lichtstimmungen zu erzeugen.»

Diese Themen beschäftigen auch die Entwickler und Kreativen von Keramik Laufen und Similor. Anlässlich der Swissbau 2020 nutzten sie auch die Gelegenheit, ihre Projektstudie «Digital Private Bathroom» einem breiteren Publikum vorzustellen und den Puls für künftige Anwendungen zu fühlen.

Vom Projekt zum Alltag

«Wer erwartet, im digitalen Badezimmer von Keramik Laufen und Similor eine Robotertechnologie anzutreffen, die jegliche Selbstbestimmung unterbindet und die gesammelten, intimen Daten mit dem World Wide Web teilt, darf sich beruhigt zurücklehnen», betont Klaus Schneider. «Denn unsere Unternehmen entwickeln ausschliesslich Produkte, die ihren Kunden Zusatznutzen schenken. Dies indem sie zum Beispiel für eine optimierte Hygiene sorgen, die effiziente Wasser- und Energienutzung unterstützen, erhöhte Sicherheit bieten und insgesamt das persönliche Wohlbefinden im Badezimmer steigern.» Die Elektronik solle dabei unauffällig im Hintergrund agieren und fähig sein, die Anwender sowie ihre Routinen zu erkennen und entsprechend zu unterstützen. Dabei entscheidet der Nutzer selbst, wie viele der angebotenen Funktionen er einsetzen möchte. Die gesammelten Daten werden in einer App zusammengetragen und lassen sich dort verwalten.

Praktische Handhabung im Fokus

Alle Funktionen und Einstellungen der einzelnen Produkte lassen sich via App verwalten. Dank intuitivem Design sind sie einfach zu programmieren, steuern, speichern und auszuwerten. Eine Mitteilungsfunktion informiert zudem über anfallende Servicearbeiten, wie zum Beispiel die Entkalkung des Dusch-WCs, und soll künftig die Möglichkeit bieten, die nötigen Materialien direkt im Webshop zu bestellen. Trotz aller Digitalisierung wollen Keramik Laufen und Similor bei der Entwicklung der Produkte bewusst Wert auf eine einfache und intuitive Handhabung legen.

Smarte Anwendungen am Waschplatz

Was im öffentlichen Bereich funktioniert, kann auch im Eigenheim von Nutzen sein. Wie zum Beispiel die hauseigenen Sanimatic-Selbstschlussarmaturen Curvetronic und Twintronic. Die mit Infrarot-Technologie ausgestatteten Armaturen werden berührungslos bedient und sind dadurch hygienisch. Darüber hinaus lassen sich verschiedene Funktionen, wie zum Beispiel die Wasserlaufzeit und die Nachlaufzeit, individuell einstellen. Das ist vor allem dann praktisch, wenn die im Haushalt lebenden Kinder ab und an vergessen, den Wasserhahn abzustellen.

«Für gute Laune im Badezimmer sorgt unser smarter Spiegel über dem Waschtisch», so Schneider. Über einen integrierten Touchscreen kann der vorgestellte Prototyp unter anderem das Wetter oder die Tagesnews aufrufen und dabei die Lieblingsmusik des jeweiligen Nutzers spielen. Zusätzlich lassen sich auch andere mit dem Spiegel vernetzte Produkte, wie zum Beispiel das Licht, die Badewannenarmatur, der Rollladen oder die Heizung steuern. Sogar eine Messung von Vitalfunktionen – wie Hautfeuchtigkeit, Gewicht oder Körperfett – kann mit dem entsprechenden Zubehör angezeigt, gespeichert und ausgewertet werden.

Elektronischer Mischer für Dusche und Bad

Für den Einsatz in Dusche und Badewanne präsentiert Similor den Entwurf eines elektronischen Mischers, bestehend aus einer Unterputzeinheit und einem frei montierbaren Drehknopf mit integriertem Display. Er verfügt über eine thermostatische Temperaturregelung, die ein stufenloses, bequemes Regulieren der Wassertemperatur ermöglicht und über eine Sicherheitssperre bei 38 °C verfügt. Letztere stellt einen effizienten Betrieb sicher und generiert mehr Komfort und Sicherheit für den Benutzer. Via App lässt sich das bevorzugte Duschprogramm verschiedener Nutzer speichern und auf einfachen Knopfdruck abrufen. Zudem ist vorgesehen, dass das System eine individuell einstellbare Hygienespülung integriert. Damit man unter der Dusche seine Lieblingsmusik hören kann, werden künftig auch Streamingdienste über die elektronischen Mischer zugänglich sein.

Licht für das persönliche Wohlbefinden

Licht spielt im Badezimmer eine wesentliche Rolle. Besonders in Badezimmern ohne Fenster sind durchdachte Beleuchtungskonzepte wichtig. Kommt hinzu, dass Licht einen positiven Einfluss auf die Gesundheit hat. Das natürliche Tageslicht verfügt je nach Uhrzeit über unterschiedliche Farbtemperaturen, womit es zur Melatonin-Ausschüttung führt und unseren Wach-Schlaf-Rhythmus steuert. Oder anders ausgedrückt: es macht uns morgens munter und abends schläfrig. «Um diese Effekte zu testen, installierten wir in unserer Wohlfühloase eine experimentelle Lichtquelle», freut sich Klaus Schneider. «Spannendes dazu werden wir bald präsentieren, man kann sich darauf freuen.»


«Ein markanter Unterschied wird die berührungslose Bedienung sein»

Nachgefragt bei Klaus Schneider, Geschäftsführer Keramik Laufen AG und Similor AG

Im heimischen Bad steht der Wohlfühlfaktor im Mittelpunkt. Was werden die digitalen Möglichkeiten hier bringen auch besonders im Hinblick auf die Gesundheit?

Das Badezimmer hat sich längst von der ursprünglichen Nasszelle zur heimischen Wellnessoase entwickelt. Mit der Digitalisierung gehen wir nun den nächsten Schritt. Denn das smarte Badezimmer lässt sich auf die individuellen Wünsche des jeweiligen Benutzers einstellen und mit einem einfachen Knopfdruck abrufen: Die perfekt eingestellte Wassertemperatur unter der Dusche, die Lieblingsmusik via Streamingdienst, die Lichthelligkeit und -wärme und vieles mehr tragen deutlich zum Wohlfühlfaktor bei der täglichen Badroutine bei. Neben dem Licht, das sich positiv auf die Gesundheit auswirken kann, arbeiten wir an Gesundheitssensoren. Diese sollen dem Nutzer Auskunft über das persönliche Wohlergehen geben. Zudem werden sich Funktionen wie ein Fitness-Tracker in unsere digitalen Spiegel integrieren lassen.

Sie lehnen digitale Spielereien ab und betonen den Nutzen und den Mehrwert von digitalen Anwendungen. Wo liegen die Grenzen bzw. was steht dabei für Sie im Mittelpunkt?

Der Mensch und seine Bedürfnisse nach schönen Produkten, die sich einfach bedienen und einstellen lassen und die zusätzlichen Komfort und Sicherheit bringen, sind unsere Motivation. Unsere digitalen Produkte bevormunden den Nutzer nicht und verlangen ihm keine unnötigen Handgriffe ab. Beim Thema Datensicherheit und Privatsphäre gehen wir keine Kompromisse ein. Denn das Badezimmer ist für die ganze Familie ein sehr privater Ort, der besonders geschützt werden muss.

Was werden die Nutzer Ihrer Ansicht nach künftig am meisten wünschen für ihre persönliche Wohlfühloase?

Wir stellen fest, dass die Menschen heute in ihrem Badezimmer einen Rückzugsort suchen, in dem sie sich entspannen und sich vom stressigen Alltag erholen können. Und der Trend geht dahin, diesen Raum so individuell wie möglich zu gestalten. Neben einer breiten Farbauswahl – von den Keramiken über die Armaturen bis hin zu den Möbeln - sind auch Unterhaltungs-, Wellness- und Komfortfunktionen gefragt. Hier eröffnet die Digitalisierung neue Möglichkeiten. Bei unserer Vorstellung stiessen besonders die Prototypen der elektronischen Bade- und Duschenmischer sowie der digitale Spiegel auf positive Resonanz. Auch die als Studie gezeigte experimentelle Lichtquelle fand grossen Anklang.

Wie wird das digitale Badezimmer der näheren Zukunft aussehen?

Optisch wird sich das digitale Badezimmer erst auf den zweiten Blick vom heutigen unterscheiden. Ein markanter Unterschied wird die berührungslose Bedienung vieler Produkte sein. Die nötige Elektronik wird sich dezent und nahtlos in die Produkte integrieren. Persönlich werden die Benutzer von zusätzlichen Funktionen profitieren, die unauffällig im Hintergrund agieren und durch ihre individuelle Einstellbarkeit ihr Wohlbefinden steigern. Um Themen wie Produkthygiene und -sicherheit wird man sich keine Sorgen mehr machen müssen. Zusammengefasst wird das digitale Badezimmer zu einem Ort werden, in dem man sich gerne aufhält und die Zeit geniesst.