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Jörg Metzger, Zehnder Head Competence Center Radiators: «Wir gehen davon aus, dass Heizkörper auch in 20 Jahren noch eine wichtige Rolle spielen.» (Bilder: zVg)

Der Heizkörper Zehnder Nova Neo ist eine Heizkörper-Lösung speziell für Niedertemperatur-Systeme. Integrierte Ventilatoren können bei Bedarf zugeschalten werden, um die Konvektion zu verstärken, um so schnell die gewünschte Wärme in den Raum zu bringen.

Klassischer Heizkörper – Auslaufmodell oder Innovationsprodukt mit Perspektive?

Dipl.-Ing. Jörg Metzger, Zehnder Head Competence Center Radiators, gibt im Interview Auskunft zur aktuellen Marktsituation des klassischen Heizkörpers und zu seinen Zukunftsaussichten.

Jörg Metzger, wie lange braucht der Markt noch den klassischen Heizkörper? Angesichts eines zunehmend energieeffizienten Bauens und Sanierens, verbunden mit einem vermehrten Einbau von Fussbodenheizungen, sinkt der Bedarf für den klassischen Heizkörper.

Das würde ich so nicht sagen. Denn im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern zeigt sich der Heizkörpermarkt in der Schweiz in den letzten 10 Jahren als relativ stabil. Das mag einerseits an der Beliebtheit des Bad-Heizkörpers liegen, der aufgrund seiner Komfort-Kompetenz sogar ein leichtes Wachstum verzeichnet, und andererseits wird der klassische Heizkörper nach wie vor gerne bei Neu- und Umbauten von Gewerbe- und Bürobauten oder einfach im Ersatz eingesetzt. Rechnet man bei den Heizkörpern noch die Konvektoren dazu, dann zeigt sich der Schweizer Heizkörpermarkt in den letzten Jahren als absolut stabil.

Mit welchen produkttechnischen Massnahmen sorgt Zehnder für ein attraktives Heizkörper-Angebot?

Dazu müssen wir zwischen dem klassischen Wohnraum-Heizkörper und dem Bad-Heizkörper unterscheiden, denn diese beiden Bereiche entwickeln sich sehr unterschiedlich. Für das Badezimmer beobachten wir einen zunehmenden Bedarf an sogenannten Design-Heizkörpern. Grund für diese steigende Nachfrage ist die vermehrte Nutzung des Badezimmers als Wellness- und Entspannungsort. Und ein wichtiger Wohlfühlfaktor ist eben auch, dass man sich mit ästhetischen Dingen umgibt. Entsprechend definiert sich heute ein erfolgreiches Sanitärprodukt über Ästhetik und Komfortnutzen – einwandfreie Funktionalität natürlich vorausgesetzt.

In der Sanierung von Gebäude konzentrieren wir uns bei Zehnder auf den Austausch von Heizkörpern. Durch die moderne Baustandards mit möglichst optimaler Dämmung, sinkt der Wärmebedarf im Objekt. Dadurch haben sich auch die Ansprüche an die Wärmeabgabe verändert: Eine Heizung, sei es eine Fussbodenheizung oder eine klassische Heizkörperheizung, muss auf den wechselnden Wärmebedarf schnell reagieren können. Dabei haben die klassischen Warmwasser-Heizkörper einen Vorteil gegenüber der trägen Fussbodenheizung.

Auch innovative Technologien spielen eine wichtige Rolle: So wird zum Beispiel der Anschluss von Heizkörpern an Niedertemperatursysteme wie Wärmepumpen immer wichtiger. Zehnder hat bereits seit einigen Jahren spezielle Heizkörper-Modelle wie den Nova Neo entwickelt. Mit diesen Heizkörpern kann die Wärme – dank integrierten Lüftern – schnell und gezielt aktiviert werden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich unsere Produktentwicklungen stark an den neuen, regenerativen Technologien der Wärmeerzeugung orientieren. Mit der klaren Zielsetzung, den Raum möglichst angenehm und möglichst schnell und effizient zu erwärmen.

Wäre unter dem Aspekt einer verstärkten Komfort-Argumentation nicht auch die Fussbodenheizung eine interessante Ergänzung Ihres Produktportfolios?

Zehnder hat sich bereits vor einigen Jahren gegen die Aufnahme von Fussbodenheizungen in das Produktportfolio entschieden. Der Grund ist dabei ganz einfach: Wir hätten sicherlich erst mal keine Differenzierungsmerkmale zu anderen Herstellern. Um aber in einem neuen Markt erfolgreich zu sein, muss man bereits etablierte Wettbewerber verdrängen können. Dazu genügt es nicht, nur gleich gut zu sein.

Bestimmte Raumsituationen stellen hohe Anforderungen an die bauliche Anpassungsfähigkeit des Heizkörpers. Wie bewerten Sie die Sonderformen-Kompetenz von Zehnder? Sind diese Spezialanfertigungen noch gefragt?

Die Sonderanfertigung von Heizkörpern ist seit über 50 Jahren eine zentrale Kernkompetenz von Zehnder, die unverändert stark nachgefragt wird. Der Kundenvorteil liegt auf der Hand: Sonderformen lassen sich in jede individuelle Raumarchitektur einfügen. Der komplette Prozess – vom Aufmass bis hin zur Auslieferung – ist bei uns optimal aufeinander abgestimmt, so dass wir auch bei unseren Sonderanfertigungen kurze Lieferzeiten garantieren können. Die Sonderformen sind tatsächlich so gefragt, dass wir unsere Kompetenz hier noch weiter ausbauen wollen.

Unseren Heizkörper-Klassiker Charleston, der am deutschen Standort Lahr gefertigt wird, liefern wir beispielsweise vorwiegend an öffentliche Gebäude oder in Gewerbebauten. Und dabei handelt es sich überwiegend um Sonderanfertigungen, die passgenau für die jeweiligen Objekte produziert werden.

Zusätzlich bieten wir unseren Kunden neben einem grossen Standard-Farbsortiment auch jede gewünschte Farbe als Sonderlackierung an. Da sind der Fantasie im Prinzip keine Grenzen gesetzt.

In anderen europäischen Märkten wie in Frankreich liegen Elektro-Heizkörper absolut im Trend. Wie beurteilen Sie die aktuelle Rolle des Elektro-Heizkörper für den Schweizer Markt?

In der Schweiz hat der Elektro-Heizkörper eine Art «Bann» erlebt, sprich eine gesetzliche Regelung, mit dem Ziel den Elektrizitätsbedarf für das Heizen deutlich zu reduzieren. Konkret sind Elektrospeicherheizungen für die Grundlast nicht mehr erlaubt. Als zusätzliche Heizquelle in einem Bad sind Elektroheizkörper nach wie vor erlaubt. Aus meiner Sicht war diese gesetzliche Reglung aus energetischer Sicht richtig und notwendig.

Man muss aber auch sehen, dass inzwischen elektrisch betriebene Heizkörper dank neuer Technologien deutlich energieeffizienter wurden. Man kann einen modernen Elektro-Heizkörper keinesfalls mehr mit einem Produkt vergleichen, das vor 15 oder 20 Jahren hergestellt wurde. Der Einsatz von modernen Steuereinheiten oder die Einbindung in ein SmartHome-System erlauben den zeitlich abgestimmten Einsatz von Elektroheizkörpern und ermöglichen so eine bedarfsgerechte, energetisch sinnvolle Nutzung. Und da die neue, energieeffiziente Bauweise einen mit früher vergleichsweise bescheidenen Wärmebedarf mit sich bringt, kann der punktuelle Einsatz von Elektro-Heizkörpern, sowohl für den Neubau als auch für Renovierungen zu einer interessanten Option werden.

Erfahrungen zeigen, dass bei vielen privaten Renovierungsobjekten die alten Heizkörper leider immer noch nicht ausgetauscht werden und es stattdessen oft nur bei einem neuen Anstrich bleibt. Welche Überzeugungsarbeit kann Zehnder hier bei seinen Marktpartnern leisten, um die Austauschquote zu erhöhen?

Das stimmt, auch wir machen die Erfahrung, dass nach wie vor viele ältere und wenig effiziente Heizkörper im Einsatz sind. Zumindest spricht dies für die Qualität dieser Produkte, dass sie eine Lebensdauer von 30, 40 und mehr Jahre haben.

Wir bei Zehnder beraten unsere Kunden zu diesem Thema und versuchen sie davon zu überzeugen, dass neue Heizkörper nicht nur formschön und ästhetisch sind, sondern auch energieeffizienter als alte Modelle.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf den Heizkörper-Markt – Stichwort Lieferverzögerungen, steigende Stahlpreise, Baustopps?

Gerade zu Beginn der Corona-Pandemie war eine grosse Verunsicherung spürbar: Baustellen wurden entweder komplett gestoppt oder stark entschleunigt. Und auch wir waren gezwungen, schnell zu reagieren und unsere Produktionskapazitäten anzupassen. Gleichzeitig haben wir gemerkt, dass viele Menschen die Zeit daheim nutzen, um ihr Zuhause zu verschönern und renovieren. Dadurch ist die Nachfrage vor allem im Endkundensegment massiv angestiegen. Aber auch im Bereich der öffentlichen Gebäude oder Bürogebäude ist die Nachfrage gestiegen, bedingt durch die Verzögerungen zu Beginn der Pandemie.

Seit Beginn des Jahres 2021 sind die Rohmaterialpreise stark angestiegen, bedingt durch die erhöhte Nachfrage von Stahl oder Elektronik. Dadurch ist die Materialverfügbarkeit leider nicht immer gegeben. Für uns ist es gerade deshalb besonders wichtig, für unsere Kunden weiterhin zuverlässig und lieferfähig zu sein. Auch wenn längere Lieferzeiten aktuell leider oft nicht zu verhindern sind.

Ihre Bad-Heizkörper sind bekannt als Design-Objekte. Wie muss man sich den Ideenfindungs- und Entwicklungsprozess für einen neuen Design-Heizkörper bei Zehnder vorstellen?

Bei der Ideenfindung hören wir in erster Linie auf die Bedürfnisse unserer Kunden. Gleichzeitig beobachten wir permanent die aktuellen Trends in den Bereichen Wohnen, Architektur und Lifestyle. Seit vielen Jahren arbeiten wir mit renommierten Industriedesignern und Consumer Agenturen aus den Bereichen Badezimmer, Küche und Armaturen zusammen, um rechtzeitig neue Trends und Tendenzen zu erkennen.

Auch die digitale Kommunikation gewinnt in diesem Kontext immer mehr an Bedeutung: Im vergangenen Jahr haben wir beispielsweise eine grosse Web-Umfrage gemacht und dadurch von unseren Kunden wichtige Anregungen und Inspirationen erhalten. Sobald die Idee dann für einen neuen Heizkörper feststeht, geht die Entwicklung bis zum fertigen Design-Heizkörper relativ schnell.

Wo sehen Sie den klassischen Heizkörper in 10, 20 Jahren?

Wir gehen davon aus, dass Heizkörper auch in 20 Jahren noch eine wichtige Rolle spielen. Wenn wir den Heizkörper als reine Wärmeabgabequelle betrachten, wird er allerdings nicht an Bedeutung gewinnen. Wenn wir den Heizkörper aber stattdessen als Bestandteil der Innenarchitektur betrachten, gepaart mit erhöhtem Komfortanspruch und optimalem Raumklima, wird der Heizkörper – meiner Meinung nach – an Bedeutung gewinnen.