Markt-News

Der Service an Heizungsanlagen bleibt ein wichtiges Standbein des Tagesgeschäfts. Zugleich werden digitale Fernüberwachungsdienste in Zukunft immer wichtiger.

Meier Tobler macht wieder Gewinn

Die Gebäudetechnik-Grosshandelsfirma machte 2019 einen Gewinn. Trotz einem Cyberschockerlebnis im vergangenen Jahr schaut Meier Tobler zuversichtlich in die Zukunft, dank neuen Handelsformaten, Fernwartungstools und Verkaufshilfen für Sanierungsobjekte.

Mit Schaudern blickt die Meier Tobler Group auf das vergangene Jahr zurück. Nicht nur hatte das Unternehmen mit den anderswo sattsam bekannten Problemen der Integration zweier IT-Systeme aus früher selbständigen Firmen zu kämpfen. Kaum war diese Baustelle einigermassen behoben, war das Unternehmen Ende Juli 2019 mit einer bösartigen Cyberattacke auf die IT-Infrastruktur konfrontiert.
Der gezielte kriminelle Angriff hatte deutliche Auswirkungen auf das Tagesgeschäft und hinterliess Spuren beim Umsatz und beim Gewinn. Zwar griffen die vorbereiteten Notfallprozedere und innert kurzer Zeit wurde eine provisorische Infrastruktur aufgebaut. Dennoch liess sich ein vorübergehender Unterbruch bei den Auslieferungen nicht verhindern. Das hatte eine unmittelbare Umsatzeinbusse im Handelsgeschäft von rund 5 Mio. Franken zur Folge. Ganz zu schweigen vom Imageschaden, wie CEO Martin Kaufmann schilderte: «Die Kunden erwarteten von uns eine wie gewohnt hohe Dienstleistungsqualität, die wir nicht mehr erbringen konnten.»
Die direkten Sonderkosten zur Bewältigung der Attacke beziffert das Unternehmen auf eine runde Million Franken. In der Zwischenzeit hat Meier Tobler die IT-Infrastruktur nach modernsten Sicherheitskriterien neu aufgebaut.

Neue Formate im Handel

Das Handelsgeschäft von Meier Tobler entwickelte sich vor allem dank der im Rahmen der Multichannel-Strategie neu eingeführten Dienstleistungen stabil. Auf breite Resonanz stiess der Marché-Lieferservice, mit dem sich Kunden Artikel innert zwei Stunden per Kurier auf die Baustelle liefern lassen können. Ebenfalls gut angelaufen ist ein neuer Service namens «marché@work». Mit dieser neuartigen Dienstleistung bewirtschaftet Meier Tobler die Nachschublogistik für Selbst-bedienungsregale für Montage- und Verbrauchsmaterial direkt bei der Werkstatt ihrer Kunden. Das Marché-Netzwerk wurde durch den Ende Mai 2019 eröffneten Marché in Bulle (FR) auf 47 Standorte erweitert.
Das Tüpfelchen aufs i beim Handelsgeschäft ist ein Multichannel-Abholmarkt für ausgewiesene Kunden, der in Wallisellen am 27. März 2020 eröffnen und 7 x 24 Stunden während der Woche offen haben wird.

Wärmeerzeugung

In der Wärmeerzeugung musste Meier Tobler im Geschäftsjahr 2019 einen deutlichen Umsatzrückgang verzeichnen. Dieser Geschäftsbereich war von den IT-Problemen besonders betroffen. Die Dienstleistungsqualität war aufgrund von verzögerten Offertstellungen, einem nicht verfügbaren CRM-System und weiterer Beeinträchtigungen teilweise stark reduziert. Hinzu kommt, dass der Fokus auf das wichtige Wärmeerzeugungs-Geschäft als Folge der fusionsbedingten Verbreiterung der Produktpalette teilweise verloren ging. Das Massnahmenpaket ist aufgegleist: Die Bildung regionaler Kundenteams verbessert die Kundenansprache und verkürzt die Durchlaufzeiten für Angebote und Aufträge in Kombination mit einem Bonusprogramm für Installateure.
Meier Tobler will sich Wärmeerzeugungs-Geschäft verstärkt als Spezialist für Wärmepumpen positionieren. Interessant in diesem Zusammenhang ist der so genannte «Konfigurator», eine digital basierte Sanierungsanalyse für Endkunden. Es handelt sich um eine neuartige Verkaufshilfe. Mit Hilfe dieses Tools lassen sich Richtofferten erstellen, die sich im konkreten Gespräch zwischen Installateuren und Endkunden konkretisieren lassen.

Servicegeschäft

Im Service-Geschäft entwickelte sich der Umsatz gewohnt stabil. Es braucht Innovationen in diesem Bereich. Denn im Gleichschritt mit dem Ersatz fossiler und im Betrieb zuweilen serviceintensiven Wärmeerzeugern zu alternativen, weniger wartungsintensiven Heizsystemen wie Wärmepumpen braucht es neue kundenfreundliche Dienstleistungspakete.
Hervorzuheben ist das im Rahmen der Digitalisierungsinitiative entwickelte Angebot «smart-guard» zur Fernüberwachung von Wärmepumpen, das mit dem «Swiss Industry 4.0 Award 2019» ausgezeichnet wurde. Inzwischen werden rund 1800 Anlagen fernüberwacht. Gut jede dritte Intervention an Geräten erfolgt mittlerweile ferngesteuert.

Projektgeschäft, allgemeine Zahlen

Erfreulich entwickelte sich das Projektgeschäft. Meier Tobler konnte eine hocheffiziente Grosswärmepumpe für die Firma Geoclima in Bern liefern. Ebenso erwähnenswert ist die Lieferung einer Absorptions-Wärmepumpe für das sich ausbreitende Fernwärmenetz im Limmattal.
Meier Tobler weist für das Geschäftsjahr 2019 für das fortgeführte Geschäft einen Nettoumsatz von CHF 496,1 Mio. Franken aus. Das sind 5,3 % weniger als im Vorjahr.
Der EBIT (Gewinn vor Zinsen und Steuern) aus dem fortgeführten Geschäft liegt bei 11,0 Mio. Franken, ein Plus von 9.8 % gegenüber dem Vorjahr. Meier Tobler schliesst das Geschäftsjahr 2019 im fortgeführten Geschäft mit einem Reingewinn von 1,3 Mio. Franken ab. Im Vorjahr wurde noch ein Verlust von 3,7 Mio. Franken ausgewiesen.