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Arno Del Curto erklärte, wie erfolgreiches Teamleading funktioniert (zVg).

Online-Premiere für den  eco2friendly-Day

Seit 10 Jahren gibt der bekannte eco2friendly-Anlass inspirierende Denkanstösse und präsentiert innovative Lösungen für die Elektro-Branche.  Im Juni fand der Event im KKL coronabedingt ohne Publikum vor Ort statt und wurde stattdessen live via Internet ausgestrahlt. Ein Rückblick.

«Es ist Zeit, auf den Punkt zu kommen», forderte Pascal Grolimund, Verantwortlicher für das Programm eco2friendly, bei seiner Begrüssung. «Es ist Zeit für konkrete Lösungen der Energiefrage. Zeit aber auch, sich damit auseinanderzusetzen, wie wir unsere eigene Energie am besten verwenden.» Aktuelle Themen auf den Punkt zu bringen, dafür ist der Branchenanlass seit Jahren bekannt. Mit 40 Leadingpartnern und rund 700 Partnern aus der Elektrobranche sowie namhaften Referent*innen griff der eco2friendly-Day wieder auf, was die Branchen bewegt. Die vielfältigen, inspirierenden Beiträge waren aber für einmal nicht in gewohnt geselliger Runde, sondern von überall aus virtuell erlebbar,  und die Teilnehmenden können sie auch weiterhin jederzeit online «nachschauen». Durch das Programm führte der unter anderem durch die Sketch-Show «Edelmais & Co.» bekannte Comedian Sven Furrer. Für Kurzweil sorgte auch die A-cappella-Band Bliss, die mit einer erfrischenden Kombination aus Gesang und Comedy das Publikum zum Staunen und Lachen brachte.

Neue Technologien nutzen

Den Anfang machte das Referat von Patrick Kutschera, Geschäftsführer von Energie Schweiz. Er sprach darüber, wie «Netto Null» bis 2050 erreicht werden kann. Dreissig Jahre seien eine lange Zeit, doch wenn nicht heute die ersten Schritte in diese Richtung getan würden, sei das Ziel nur sehr schwer zu erreichen. «Viele dazu benötigten Technologien sind bereits vorhanden. Nun gilt es, Hemmnisse zu eliminieren wie zum Beispiel die Komplexität.» Als treffendes Beispiel hierfür stellte er das digitale System «Make Heat Simple» vor, mit dem einfach und effizient die Heizung der Ferienwohnung bedient werden kann. 

Ebenfalls über neue Technologien sprach Unternehmerin Sunnie J. Groeneveld. Sie zeigte auf, wie die Digitalisierung sinnvoll angegangen werden kann. Am wichtigsten sei, digitale Technologien nicht als «Naturkatastrophe», die über einen hereinbricht, zu betrachten, sondern als kontinuierlichen Wandel, bei dem es gilt, dasjenige mit Unternehmungslust und Freude umsetzen, was einen weiterbringt. Deshalb sei es wichtig, auch die Mitarbeitenden für die Digitalisierung und deren Chancen zu begeistern.

Ressourcenschonende Lösungen

Ein Beispiel dafür, wie komfortables Leben und Arbeiten beinahe emissionsfrei möglich sind, stellte der Leiter strategisches Arealmanagement bei Zug Estates, Martin Jöri, vor. Das etwa 100 000 m2 grosse Areal der Suurstoffi in Rotkreuz verfügt über eine CO2-freie Wärme- und Kälteversorgung sowie der Möglichkeit zur Mobilität ohne CO2-Ausstoss für alle Mietparteien. Das System besteht aus dynamischen Erdspeichern, Solarwärme, Solarstrom und einem Anergienetz. Obwohl diese clevere Lösung von einem gut zusammenspielenden Team umgesetzt worden war, liess es sich Martin Jöri nicht nehmen, auch aufzuzeigen, was in einem solchen Entwicklungsprozess verbessert wer-den könnte: «Das Betriebswissen muss sehr früh in die Planung einfliessen, damit teure Nachträge vermieden werden. Ich vermisse immer noch eine integrale Sicht und das ganzheitliche Denken.»

Kooperation statt Konkurrenz forderte auch Roger Altenburger, CEO der Otto Fischer AG. Er stellte das von Otto Fischer initiierte Konzept Build Smart vor, in dem alle Gebäudekomponenten zusammenarbeiten. So entstehe eine interdisziplinäre Gebäudetechnik, die wesentlich mehr Komfort biete – und dies bei geringerem Energieverbrauch. Die Zusammenführung der Disziplinen brauche jedoch eine gute Koordination, und in dieser Rolle sieht Roger Altenburger explizit die Elektrotechniker*innen.

Verantwortungsvoller Umgang mit Energie

Auf den Umgang mit Energie aus einer globalen Perspektive ging der promovierte Historiker Daniele Ganser ein. Aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung nehme der Erdölverbrauch noch immer zu. Dies führe dazu, dass immer aufwendigere Methoden zur Ölförderung genutzt und zudem militärische Konflikte um das Erdöl ausgelöst würden. Beides könne verhindert werden, wenn bedingungslos auf ressourcenschonende Technologien gesetzt würde.

Dass es wichtig ist, einen anderen Umgang mit Energie zu pflegen, zeigte auch ETH-Klimaforscher Reto Knutti eindrücklich auf. Der Mensch sei ein gewichtiger Faktor beim Klimawandel. Um die Erderwärmung zu stoppen, seien die CO2-Emissionen rasch und nachhaltig zu senken. Besonders zentral dabei sei, dass die Bekämpfung des Klimawandels nicht als schädlich für die Wirtschaft angesehen werde. Schliesslich sei das Gegenteil der Fall, weil neue Technologien neue Marktpotenziale eröffneten, argumentierte Reto Knutti.  ❭

Visionäre und Lebenskünstler

Wie immer bot der eco2friendly-Day auch Personen eine Plattform, deren Erfolge Vorbildcharakter haben. So fesselte der wohl grösste Schweizer Band-, Mode- und Werbefotograf Hannes Schmid das Publikum mit seiner spannenden Lebensgeschichte. Als dieser nämlich nach Jahren in Afrika und Asien von einem Freund dazu eingeladen wurde, an einem Konzert zu fotografieren, nahm in die Band – Status Quo – gleich mit auf Tour. So begann eine eindrückliche Karriere, die in der Gründung des Hilfswerks Smiling Gecko mündete. Es verschafft mittellosen Menschen Ausbildung, Arbeit und eine Perspektive.

Einen anderen Weg ging das Best-Ager-Model, die Bestsellerautorin und Podcasterin Greta Silver. Ihr wurde mit 66 Jahren klar, dass das Alter viele neue Möglichkeiten eröffnet, um endlich das zu machen, was zuvor aufgeschoben wurde. Also funktionierte sie den sogenannten Lebensabend zu einem Neufanfang um und betreibt mit viel Erfolg ihren beliebten YouTube-Kanal.

Und auch der erfolgreiche Schweizer Eishockeytrainer Arno Del Curto blickte auf sein bewegtes Leben zurück. Neben Anekdoten aus seiner Aktivzeit erzählte er auch, auf welchen drei Pfeilern sein Erfolg basierte: Leidenschaft, Visionen und Sozialkompetenz. Denn nur, wenn die eigene Leidenschaft an das Team weitergegeben werde, seien grosse Erfolge möglich, ist Del Curto überzeugt. Dazu brauche es allerdings Visionen. Die Sozialkompetenz hingegen entstünde daraus, die Menschen, die mit einem zusammenarbeiten, zu mögen. So könne er Vertrauen aufbauen und sie zu Leistungsträgern formen.

Als sich der inspirierende Event dem Ende zuneigte, wies Pascal Grolimund auf den nächsten eco2friendly-Day am 6. Juni 2023 hin. Er wird sicher in ähnlicher Weise überzeugen – und dann auch wieder mit vielen spannenden Gesprächen vor Ort möglich sein.