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Schweizer Domizile denken mit

Unsere Welt wird immer vernetzter und smarte Produkte beeinflussen mehr und mehr unsere Lebensrealität. Auch in Schweizer Wohnungen und Häusern werden sie immer dominanter. Die wichtigsten Trends hierbei sind Sensoren, Sprachsteuerung, Stimmung und Sicherheit, Roboter und Kompatibilität.

 

Die Digitalisierung schreitet auch in der Schweiz immer weiter voran und smarte Produkte werden bei der Bevölkerung immer beliebter. Die Universitäten Luzern und St. Gallen haben aus diesem Anlass unlängst den «Smart Products Report 2020» (www.presseportal.ch) veröffentlicht. Aus diesem geht hervor, dass bereits 72 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer smarte Geräte verwenden. Darüber hinaus hätten 59 Prozent der Befragten angegeben, sich vorstellen zu können, in den nächsten zwölf Monaten ein smartes Produkt anzuschaffen. Diese Geräte, die unser Leben einfacher und komfortabler machen sollen, erhalten unter dem Stichwort «Smart Home» mehr und mehr Einzug in unser Zuhause. Sie erlauben Nutzern, ihr Zuhause völlig neu zu organisieren und zu koordinieren. Die wichtigsten Trends in diesem Bereich sind laut Swissbau Sensoren, Sprachsteuerung, Stimmung und Sicherheit, Roboter und Kompatibilität (www.swissbau.ch).

Vernetzte Geräte

Ein zentraler Begriff, wenn es um das Thema Smart Home geht, ist das Internet of Things (IoT). Vernetzte Geräte werden Teil des IoT. Damit die Geräte sich vernetzen können, müssen sie mit Sensoren ausgestattet sein. Diese Sensoren erheben dann eine Menge Daten, wie etwa die Raumtemperatur oder die Luftqualität, ob sich jemand im Haus befindet und wie viel Energie verbraucht wird. Anhand dieser Daten soll das Haus von seinen Bewohnern lernen und sich an deren Bedürfnisse anpassen. Ein weiterer Trend seien Sprachassistenten wie Siri und Alexa. Mit diesen Künstlichen Intelligenzen (KI) liessen sich alle angeschlossenen Geräte bequem über die Stimme bedienen. Ein weiterer Vorteil von intelligentem Wohnen seien sich selbst regulierende Beleuchtungssysteme. Sie sorgten für eine gemütlichere Atmosphäre. Darüber hinaus machten sie das Zuhause aber auch sicherer, indem sie sich selbst einschalteten, sobald es draussen dunkel wird. 
Roboter, die simple Aufgaben wie Kaffeekochen ausführen, seien heute schon im Einsatz. Bis die Technik soweit sei, uns einen Roboter-Butler für komplexe Aufgaben zur Verfügung zu stellen, dürfte es allerdings noch eine Weile dauern. Eine grosse Schwachstelle des vernetzten Wohnens sei nach wie vor die Kompatibilität. Noch immer seien viele Geräte von verschiedenen Anbietern nicht kompatibel. Steuerung und Installation würden so unnötig erschwert.

Bauen und Wohnen 2030

Smarte Beleuchtungssysteme und intelligente Kühlschränke sind zwar beeindruckend, doch die wahre Revolution finde im Hintergrund statt und bewirke einen regelrechten Strukturwandel. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Gottlieb Duttweiler Institute (GDI), die von Raiffeisen Schweiz in Auftrag gegeben wurde (www.gdi.ch). Die Studie habe gezeigt, dass Anbieter sich uneinig seien, wie die Digitalisierung die Bau- und Immobilienbranche beeinflussen werde. Viele Akteure stünden digitalen Tools auch nach wie vor kritisch gegenüber. Sie hielten sie für störungsanfällig und zu unzuverlässig in Sachen Datensicherheit. Der Wandel werde aber kommen. Die Autoren der Studie haben daher einige Trends für das Jahr 2030 prognostiziert. 

Fortschritt, aber bitte diskret

Einer der Trends ginge hin zu digitalen Dienstleistungen, die sich bis 2030 noch mehr zu den automatisierten Infrastrukturen gesellen sollen. Mit modernen Plugand-Play-Geräten würde statt aufwendiger Nachrüstung nur noch eine Internetverbindung benötigt. Vernetztes Wohnen könnte so zu einem neuen Standard werden. Auch der Bau und die Planung würden sich dank digitaler Planungstools, virtueller 3-D-Modelle und Baurobotern verändern. Des Weiteren sei davon auszugehen, dass die Technologie, je weiter sie fortschreite, diskret in den Hintergrund rücke. Konsumenten wollten keinen Science-Fiction-Haushalt, sondern einen gemütlichen Rückzugsort. 


Effizienz und Wohlbefinden

Die vernetzten Behausungen erheben eine Menge Daten. Bewohner sollten daher darauf achten, dass sie ihre Schnittstellen gut sichern, da sie sich sonst angreifbar machen. Digitale Ökosysteme sollen aber auch viele Vorteile bringen. Zum Beispiel merke das intelligente Haus, wenn mit seinen Bewohnern etwas nicht stimme. Ausserdem liesse sich der Ressourcenverbrauch mit smarten Wohnlösungen effizienter verwalten. Die Studienautoren gehen ausserdem davon aus, dass vernetzte Komfort-Services genauso in den Entscheidungsprozess von Bauherren und Mietern einfliessen werden, wie die Immobilie selbst. Intelligente Kaffeemaschinen, die ihre Kapseln bei Bedarf gleich selbst nachbestellen, könnten also bald zum fixen Inventar unserer Küchen gehören.

 
Kooperationen

Wenn Strom-, Kommunikations-, Inneneinrichtungs- und Softwareunternehmen über ihre Branchengrenzen hinaus miteinander kooperierten, könnten sie smartere Services und Produkte anbieten. Nutzer wollten nicht für jeden Use Case eine andere App verwenden, sondern auf eine Plattform zurückgreifen, die alles kann. Noch finde der Wandel hin zum innovativen Wohnen eher schleichend und im Verborgenen statt. Player aller Branchen täten aber gut daran, sich darauf einzustellen und sich aktiv daran zu beteiligen. Ansonsten liefen sie Gefahr, von der digitalen Revolution überrollt zu werden.