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Im Projekt «The Circle» erschliessen 75 vernetzte Anlagen über 6500 Lautsprecher. Bild: Siemens Schweiz AG

Sicherheit durch rasche Evakuation

Moderne Brandmeldesysteme sind in der Lage, Brände sehr früh zu erkennen und so den durch ein Brandereignis entstehenden Schaden zu minimieren. Doch was passiert, wenn der Brand erkannt worden ist? Wie kann gewährleistet werden, dass die Personen sich so schnell alsmöglich aus der Gefahrenzone begeben?

Die Alarmierung über Töne oder Warnhörner ist gerade in öffentlich zugänglichen Gebäuden nicht ideal, da diese meistens ignoriert oder falsch interpretiert werden. Der dadurch entstehende Zeitverlust kann im Ernstfall gravierende Folgen haben. Je nach Gebäude oder Anwendung macht daher eine Sprachalarmierung nicht nur Sinn, sondern schützt im Ernstfall Leben.

Die Umsetzung hängt dabei stark vom Gebäudetypen ab. Bei kleineren Gebäuden mit wenigen Personen können zum Beispiel akustische Alarmgeber über die Brandmeldeanlage angesteuert werden, um Sprachsignale in die Bereiche auszusenden. Eine solche Lösung ist möglich mit den Alarmgeräten AD18 von Siemens, die einfach in die Ringleitung der Brandmelder implementiert werden können.

Bei grösseren, öffentlich zugänglichen Bereichen mit vielen Personen führt einer Sprachalarmierung allerdings zu wesentlich mehr Sicherheit und Flexibilität. Über Lautsprecher werden klare, der Situation angepasste und bei Bedarf mehrsprachige Texte abgespielt. Dies führt nicht nur zu einer massgeblich schnelleren Selbstrettung der Personen, sondern vereinfacht auch den Einsatz der Blaulichtorganisationen bei einem Ereignis. Im Normalbetrieb kann die Anlage zudem auch für Komfortfunktionen wie Hintergrundmusik eingesetzt werden. In der Praxis werden die beiden Systeme Brandmeldeanlage (BMA) und Sprachalarmanlage (SAA) auch gerne kombiniert, wodurch ein Nutzen aus Synergien erreicht wird. Die SAA kann zum Beispiel komplexe, öffentliche Bereiche beschallen, wobei die BMA in den kleineren Bereichen über Alarmgeber alarmiert. Zudem kann die SAA dabei Alarmierungen der BMA übernehmen und macht zusätzliche Alarmierungseinheiten überflüssig.

Kombination der Systeme am Beispiel Hotel

In einem Hotel gibt es verschiedene Herausforderungen, die bezüglich des technischen Brandschutzes zu bewältigen sind. Einige davon sind viele abschliessbare Zimmer, hohe Schalldämmung, wechselnde Personenbelegungen oder viele internationale Gäste. Die Anforderungen der Alarmierung sind je nach Bereich unterschiedlich; in den Zimmern herrscht in der Regel eine eher ruhige Atmosphäre, wobei in Bereichen wie Bar oder Restaurant eher eine akustisch komplexere Situation vorhanden ist.

In diesem Beispiel wäre eine gute Lösung, wenn in den öffentlichen Zonen eine SAA mit Lautsprecher und bei Bedarf optischen Alarmierungsmitteln eingesetzt wird. In den Gästezimmern könnten Alarmgeber der BMA eingesetzt werden. Durch die Vernetzung der beiden Systeme ist gewährleistet, dass die Alarmierung flächendeckend und an das Ereignis angepasst erfolgt. Zudem lassen sich dadurch doppelte Installationen von beiden Systemen verhindern, was zur Kostenoptimierung beitragen kann. Die Lautsprecher können zudem für Komfortfunktionen wie Hintergrundmusik oder lokale Durchsagen verwendet werden.

Sicherheit erfordert Qualität

In beiden Gewerken ist vor Kurzem eine neue SES-Richtlinie erschienen, welche in der Schweiz als «Stand der Technik» Papiere gilt. Darin wird detailliert beschrieben, wann welches System wie umzusetzen ist. Auch auf den Zusammenhang zwischen BMA und SAA wird eingegangen. Die SES-Richtlinie Brandmeldeanlagen (BMA) definiert die Planung, den Einbau und den Betrieb von Alarmierungen resp. der gesamten BMA. Die Grundlage für die interne Alarmierung bildet dabei das Brandschutz- und Alarmierungskonzept (Evakuationskonzept). Die Vorgaben aus der SES-Richtlinie BMA definieren die Anzahl, Positio-nierung und Lautstärkeeinstellung akustischer Alarmierungsgeräte für die interne Alarmierung. Diese muss so gewählt werden, dass punktuell kein unnötig hoher Schallpegel erreicht wird, um Personen nicht zu gefährden, aber auch eindeutig als Alarmierung erkannt wird.

Damit diese eindeutig als solche erkannt werden kann, sollte der Schallpegel der akustischen Alarmierung im Raum ca. 10 dB(A) über dem Grundschallpegel des Raumes liegen. Der Schallpegel darf maximal 118 dB(A) in einem Meter Abstand betragen. Ein Mindestschallpegel von ca. 65 dB(A) sollte überall dort erreicht werden, wo es erforderlich ist, dass der Alarmierungston gehört wird. Selbstverständlich kann die akustische Alarmierung einer BMA auch durch eine normenkonforme Sprachalarmierungsanlage ersetzt werden.

Optische Alarmierung gewinnt an Bedeutung

Falls der Grundschallpegel in Räumen höher als 85 dB(A) beträgt, muss zusätzlich zur akustischen eine optische Alarmierung installiert werden. Es ist zu beachten, dass sich heute viele Personen mit Kopfhörern bewegen und auf akustische Signale nicht reagieren können. Aus diesem Grund sowie für Personen mit Hörbehinderung empfiehlt der SES-Verband, zusätzlich zur akustischen- eine optische Alarmierung zu installieren. Die SES-Richtlinie für Sprachalarmanlagen (SAA) und elektroakustische Notfallwarnsysteme (ENS) beschreibt die Planung, den Einbau sowie den Betrieb von Evakuierungsanlagen. Gerade bezüglich der Planung von Systemen gibt es einige Faktoren, welche zu beachten sind und sich deutlich von anderen Gewerken unterscheiden. Die Raumakustik, der Störschallpegel (Umgebungslärm) und die akustischen Eigenschaften der eingesetzten Geräte sind Schlüsselfaktoren, damit bei einem Ereignis die getätigten Durchsagen in die Zonen auch gut verstanden werden. Nur so kann eine schnelle Selbstrettung erfolgen.

Dank der Unternehmensgrösse sowie der vielfältigen Produkte und Dienstleistungen ist Siemens Schweiz mit seinen kompetenten Fachpersonen in der Lage, auch komplexe Projekte umzusetzen. Mit dem Sprachalarm- und Beschallungssystem Novigo erfüllt Siemens alle aktuellen Normen. Ausserdem ist das System als voll digitales, vernetzbares und modulares System praktisch uneingeschränkt erweiterbar. Ein gutes Beispiel für die Flexibilität ist das Projekt «The Circle», wo 75 vernetzte Anlagen über 6500 Lautsprecher erschliessen.

Durch das neue Kompakt-Sprachalarmierungssystem «Core» von Siemens ist zudem eine kostenoptimierte Lösung auf dem Markt erhältlich, welche die Dezentralisierung von Anlagestandorten stark vereinfacht und dadurch auch den Erschliessungsaufwand der Peripherie massgeblich mindern kann. Diese Lösung ist nicht nur für kleine Anwendungen interessant, sondern auch für grosse komplexe Gebäude.

Ganzheitliche Lösungen

Am Anfang jeder spezifischen Alarmierungs- und Evakuierungslösung steht eine partnerschaftliche Herangehensweise. Denn die Auslegung eines Systems, das den individuellen Kundenanforderungen entspricht, braucht Erfahrung des Lieferanten. Siemens Schweiz verbindet für seine Kunden das Wissen eines globalen Partners mit dem Know-how für den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes. In enger Zusammenarbeit mit den Kunden trägt Siemens Schweiz dazu bei, den langfristigen Nutzen der Investitionen zu maximieren. Die Brandschutzlösungen von Siemens können auf Gebäude jeder Grösse zugeschnitten werden, von klein und einfach bis gross und komplex. Sie funktionieren zuverlässig und integriert in die zentrale Überwachung des übergeordneten Gefahren- oder Gebäudemanagementsystems, um im Brandfall schnell und präzise zu handeln sowie Mensch und Eigentum zu schützen.

 

 

Autor

* Christian Gschwend ist Produktmanager Sprachalarmanlagen und Gaswarnanlagen

bei Siemens Schweiz.