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Bild. Rüdiger Sellin.

Steht die Schweiz bald still?

Die Sicherheit der Stromversorgung sollte in einem dicht besiedelten Land wie der Schweiz an oberster Stelle stehen. Denn ein mehrtägiger Stromausfall hätte schnell katastrophale Auswirkungen. Unsere Politiker und Stromversorger erkennen den Handlungsbedarf aber erst jetzt.

Glaubt man den Prognosen der Stromversorger, so wird es im nächsten Winter zu einer Versorgungslücke bei der Schweizer Stromversorgung kommen. Der Grund: Im Nachbarland Frankreich sind von 56 Atomkraftwerken volle 50 % entweder in Revision oder aufgrund von Mängeln nicht betriebsfähig. Bei 12 (28) Anlagen seien die Mängel «plötzlich festgestellt» und die Anlagen abgeschaltet worden. Ähnlich plötzlich erfährt man aus den Medien, dass die Schweiz während des Winterhalbjahrs bis zu 55 % Atomstrom aus Frankreich bezieht. Doch wie konnte es nur so weit kommen, wo sich die Schweiz doch gerne als unabhängige Insel in Europa positioniert?

 

Der Fukushima-Effekt…

Einerseits besteht sicher ein jahrzehntelanger Gewöhnungseffekt, der durch Äusserungen einiger Kraftwerksbetreiber verstärkt wurde. So hiess es bisher stets, dass die Landesversorgung mit Strom gesichert sei und kein Anlass zur Sorge bestehe. Andererseits wird beim Thema Energiepolitik seit Jahrzehnten viel diskutiert und gestritten statt gehandelt. So bestand schon in den 80er Jahren eine breite Front gegen Atomkraftwerke (AKW), die durch medienwirksame Aktionen und Demos immer wieder auf sich aufmerksam machte.

Diese gut organisierte Minderheit hat spätestens seit dem Unfall in Fukushima/Japan im März 2011 jedoch Mehrheiten hinter sich geschart, die sogar den bürgerlichen Block in den Parlamenten aufweichte. Besonders deutlich zeigte sich das am Beispiel des AKWs Mühleberg, das dank Demos sowie mehr oder weniger harmlosen Störungen nicht nur Strom, sondern auch negative PR erzeugte. Immer wieder wurde revidiert, nachgebessert und seitens den Bernischen Kraftwerken (BKW) viel Geld investiert. Spätestens nach Fukushima war auch den angeblich so trägen Bernern bald einmal klar, dass Mühleberg als erstes Schweizer AKW vom Netz gehen muss – gerade auch mit Blick auf die Wählerstimmen.

 

…am Beispiel Mühleberg

Zwar hätte auch Mühleberg nach Vorbild ausländischer AKWs weiterhin Strom produzieren können. Denn die BKW scheuten keinen Aufwand, um es betriebsfähig zu halten. Mit Unterstützung bürgerlicher Politiker wurden trotz des grossen politischen Widerstands immer wieder Millionenbeträge investiert. Aber immer neue und kostspielige Auflagen der Behörden liessen die Wirtschaftlichkeit schrumpfen. Und auch politisch war Mühleberg nicht mehr haltbar. Nur wenige bürgerliche Exponenten haben das sofort realisiert. Den ganzen Beitrag lesen Sie im nächsten ET Elektrotechnik vom 23.09.2022.