Aus dem Verband – Die Zukunft der Kälteberufe

Totalrevision Bildungserlasse

Die Bildungsverordnungen und Bildungspläne der Kälteberufe werden einer Totalrevision unterzogen. Die Bildungspläne werden verstärkt nach Handlungskompetenzen respektive Tätigkeiten gegliedert und formuliert. Für Lernende und Ausbildner werden die Dokumente so verständlicher und klarer.

Folgende wichtigen Änderungen zeichnen sich ab:

Kältesystem-Monteur/-innen EFZ

In den Bildungsplan aufgenommen werden sollen:

  • Die Ausbildung für die «Eingeschränkte Elektro-Anschlussbewilligung NIV Art. 15 Abs. 4». Die Integration der ESTI-­Prüfung nach Art. 15 wird nicht möglich sein. Sogar ausgebildete Elektroinstallateure und -installateurinnen EFZ können diese Prüfung erst mit drei Jahren Berufserfahrung absolvieren.
    Auswirkung: Der heutige 4-tägige ­überbetriebliche Kurs «Elektrotechnische Arbeiten» wird um zwei Tage erweitert.
  • Die Ausbildung für das Arbeiten mit persönlicher Schutzausrüstung Personenschutz gegen Absturz PSAgA. Auswirkung: Der Kurs soll an einem ­zusätzlichen ÜK-Tag im ersten Lehrjahr absolviert werden.
  • Die «Flüssiggas-Ausbildung» gemäss EKAS 6517. Bei dieser gesetzlich vorgeschriebenen Praxisschulung geht es um den sicheren Umgang mit brenn­baren Kältemitteln der Sicherheitsklassen A2, A2L und A3. Auswirkung: Die Ausbildung inklusive Kompetenznachweis soll Ende des zweiten Lehrjahrs integriert werden. Hierfür sind zwei zusätzliche ÜK-Tage geplant.

Aufgrund der Integration obiger Ausbildungen in die Berufslehre ist mit insgesamt 5 zusätzlichen ÜK-Tagen zu rechnen (heute total 28 Tage, in Zukunft total 33 Tage). Die zuständige Arbeitsgruppe ist der Überzeugung, dass mit diesen Massnahmen die Berufslehre aufgewertet und vor allem auch die Betriebe entlastet werden können. 

Hartlöterprüfung

Aufgrund der sehr unterschiedlichen betrieblichen Zertifizierungsanforderungen wird es nicht möglich sein, eine Hartlöterprüfung in die EFZ-Ausbildung zu integrieren, mit welcher einer deutlichen Mehrheit der Betriebe ein Dienst erwiesen werden kann. Zudem ist die Gültigkeitsdauer der Zertifikate problematisch. Aus reglementarischen und organisatorischen Gründen müsste die Hartlöterprüfung im 7. Semester stattfinden. Nach Abschluss der Berufslehre und der Rekrutenschule ist die dreijährige Gültigkeitsdauer des Diploms bereits weitgehend abgelaufen. Aus diesen Gründen beschloss die Arbeitsgruppe nach langen Abklärungen und intensiven Diskussionen, die Hartlöterprüfung wie bisher den Betrieben zu überlassen. Der SVK prüft, ob mit einer Wegleitung/Checkliste den Firmen der Prozess für die Betriebszertifizierung erleichtert werden kann.

Abschlussprüfung Kältesystem-Monteur/-innen EFZ

Die Anpassung der Abschlussprüfung bei den Kältesystem-Monteuren und -Monteurinnen ist die wesentlichste Änderung, welche sich derzeit abzeichnet. Geplant ist die Abkehr von der Abschlussprüfung in den Betrieben (IPA) hin zu einer zentral durchgeführten Abschlussprüfung mit einer vorgegebenen, dreitägigen praktischen Arbeit (VPA). Mit diesem Wechsel wird die heutige Teilprüfung wegfallen, respektive in die Schlussprüfung verschoben werden. 

Einige Prüfungsteile, wie beispielsweise «Fertigen von Rohrleitungen und Montieren von Komponenten», sollen für alle Kandidaten identisch sein. Andere Prüfungsteile, wie zum Beispiel «Inbetriebsetzen und Einregulieren von Kältesystemen», sind auf die Schwerpunkte (Gewerbe, Industrie, Klima, WP) abzustimmen, indem die Kandidaten und Kandidatinnen an entsprechend unterschiedlichen «Kältetrainern» arbeiten. Die Berufsbildungskommission ist der Überzeugung, dass mit dieser Form:

  • Faire und vergleichbare Prüfungen möglich sind.
  • Die Belastung der Betriebe reduziert werden kann.
  • Die Prüfungsorganisation vereinfacht wird.
  • Die Prüfungen planbarer werden und der Aufwand für die Experten sinkt.

Kältesystem-Planer/-innen EFZ

Auch die Ausbildung zum Kältesystem-Planer oder zur -Planerin erfährt Anpassungen, wenn auch etwas weniger umfangreich.

Bezüglich Abschlussprüfung besteht bei den Planern kein Handlungsbedarf. Die IPA wird beibehalten. Sie ist bei den Planern gut etabliert und auch deutlich einfacher zu planen und organisieren.

Die Bildungsziele bleiben weitgehend unverändert. Die Struktur des Bildungsplans wird aber verstärkt den Arbeitsabläufen und dem SIA-Planungsprozess angeglichen. Zudem sollen die Themen «Elektroschema», «Messungen und Einstellungen» sowie «Schnittstellen» verstärkt geschult werden. Dies hat Auswirkungen auf die überbetrieblichen Kurse (ÜK). Derzeit besuchen die Planer und die Monteure denselben Elektrotechnik-ÜK. Künftig soll für die Planer ein eigener Elektrotechnikkurs mit den Schwerpunkten «Elektroschema erstellen» 4 Tage und «Elektrotableau verdrahten» 2 Tage geschaffen werden. Heute besuchen die Planer denselben Hydraulikkurs wie die Monteure. Dieser ÜK soll durch den planerspezifischen Labor-ÜK ersetzt werden. Im Fokus dieses neuen dreitägigen Kurses stehen die Themen «Kältetechnische Messungen und Einstellungen» und «Messungen und Einstellungen an hydraulischen Systemen».

Diese Anpassungen haben zur Folge, dass die Anzahl ÜK-Tage von bisher total 10 Tagen auf neu 12 Tage erhöht wird.

Die zuständige Arbeitsgruppe ist überzeugt, dass die Lernenden und die Betriebe durch diese Anpassungen einen grossen Mehrwert erhalten.

Kältemontage-Praktiker/-innen EBA

Die Ausbildung und auch das Qualifikationsverfahren zum Kältemontage-Praktiker oder zur -Praktikerin erfährt kaum Anpassungen. Bei den Praktikern stehen auch künftig die Handlungskompetenzen «Rohrleitungen und Komponenten montieren» und «Rohrleitungen und Komponenten dichtschliessend verbinden» im Zentrum der Ausbildung. Geplant ist, dass sie dieselben ÜK besuchen wie bisher sowie zusätzlich den Arbeitssicherheitskurs «Arbeiten mit persönlicher Schutzausrüstung Personenschutz gegen Absturz PSAgA».

Das Qualifikationsverfahren soll weiterhin aus einer praktischen Arbeit (VPA) und einer schriftlichen Berufskenntnisprüfung bestehen. Auf die mündliche Prüfung wird verzichtet. 

Anhörung der Branche, weiteres Vorgehen

Die nun im Entwurf vorliegenden Bildungsverordnungen und Bildungspläne wurden durch Kältefachleute und Behördenvertreter/-innen entwickelt. In einem nächsten Schritt erhält nun die Branche das Wort. Voraussichtlich Anfang Mai werden alle Akteure der Kältebranche gebeten, innerhalb einer Frist von 4 Wochen die Bildungserlasse zu prüfen und zu kommentieren. Parallel werden die Entwürfe von den verschiedenen Bundesämtern geprüft. Ziel ist, dass Ende Jahr die Bildungserlasse bereinigt sind. Im Jahr 2020 gilt es dann, alle begleitenden Dokumente und Reglemente zu entwickeln und zu verabschieden, beispielsweise die Prüfungswegleitungen und die Schullehrpläne, so dass die neuen Bildungserlasse dann anfangs 2021 in Kraft gesetzt werden können. Im Sommer 2021 sollen die ersten Lernenden nach den neuen gesetzlichen Grundlagen die Ausbildung beginnen. Die ersten Qualifikationsverfahren gemäss den neuen Regelungen werden im Jahr 2025 stattfinden.

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