Am Eingang der Grossbaustelle, …

… und mit Hygienestand. (Bilder: zVG)

Hygiene auf Baustellen

VSSH-Umfrage betreffend Baustellentoiletten

Seit Ende 2015 sind Regeln betreffend Toiletten und Handwaschgelegenheiten auf Baustellen vom Bund genau definiert. Trotzdem wurde bis zum Ausbruch der Krise oft zu wenig darauf geachtet. Die VSSH will sich dafür einsetzen, dass auch nach der Pandemie die Baustellen ordnungsgemäss organisiert sind und genügend saubere Toiletten bereitgestellt werden.

Seit gut zehn Jahren wird die mangelhafte Hygiene auf Baustellentoiletten im Vorstand der VSSH immer wieder angesprochen. Dabei wurden die teilweise schlechten Bedingungen bemängelt. Vernachlässigte Reinigung, ungenügende Handwaschmöglichkeiten und fehlendes Toilettenpapier hat schon manch guter Fachkraft im Bauhaupt- und Baunebengewerbe die Lust am Arbeiten vergällt. Oft hörte man auch gerade in der Installationsbranche die Aussage, dass die mangelhaften hygienischen Einrichtungen speziell für Frauen untragbar seien. Oft schon haben Leute, die gerne technische Berufe ergreifen würden, nach den ersten Erfahrungen auf Baustellen dankend abgelehnt.

Die jüngsten Ereignisse rund um die Corona-Pandemie haben dieses Thema wieder aktuell werden lassen. Die Baubranche durfte gottseidank weiterarbeiten, wenn auch mit bestimmten Auflagen und unter verschärfter Kontrolle. Obwohl die Vorschriften gemäss Art. 32 der Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz des Seco seit Dezember 2015 ganz klare Vorgaben über Anzahl, Art und Unterhalt der Toiletten und Waschgelegenheiten auf Baustellen machen, hapert es vielerorts mit der Umsetzung.

Hat sich was verändert?

Hat sich nun mit den jüngsten Ereignissen etwas spürbar verändert? Dieser Frage wollten wir etwas vertieft nachgehen und haben bei unseren Mitgliedern nachgefragt.

Wir haben sechs Fragen gestellt:

  1. Sind auf den Baustellen genügend Toiletten vorhanden?

  2. Entsprechen diese Toiletten gemäss Art. 32 der Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz?

  3. Ist die geforderte Sauberkeit jederzeit gewährleistet?

  4. Wie gut können die Empfehlungen des Merkblatts «Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz - Coronavirus (COVID-19)» des Seco eingehalten werden?

  5. Ist seit der Corona-Pandemie eine spürbare Verbesserung der Hygienemassnahmen auf Baustellen festzustellen?

  6. Weitere Bemerkungen zu diesem Thema?

Aus dem Rücklauf der Antworten lassen sich einige interessante Aussagen zitieren. Die 1. Frage wurde mehrheitlich mit Ja beantwortet. Dabei wurden die grossen Baustellen als durchwegs gut bis sehr gut genannt. Mittlere und kleinere Baustellen haben aber offensichtlich weiterhin ein Manko, genügend Toiletten bereit zu stellen.

Die Antworten auf die 2. Frage fielen total unterschiedlich aus. Der Artikel 32 der Verordnung 2 zum Arbeitsgesetz des Staatssekretariats für Wirtschaft Seco wird offensichtlich bei vielen Baustellen als ungenügend taxiert. Ein Mitglied schätzt die Einhaltung der Anforderungen auf 15 Baustellen, die aktuell von ihm betreut werden, bei rund einem Drittel.

Auf die Sauberkeit in Frage 3 angesprochen, ist ein ganzer Strauss von Antworten zurückgekommen. Wiederum werden WC’s und Waschgelegenheiten bei grossen Baustellen als besser gewartet wahrgenommen. Es wird berichtet, dass zusätzliches Personal ausschliesslich für die konstante Reinigung der Toiletten da ist. Da ist die Sauberkeit gewährleistet. Viele berichten aber, dass anderorts die Sauberkeit ungenügend ist. Es wird auch vermerkt, dass die Benutzer der Anlagen nicht die notwendige Selbstdisziplin aufbringen. Offensichtlich fehlt es nach wie vor an der Sensibilisierung einzelner Mitarbeiter, genügend Aufmerksamkeit auf ihre «Hinterlassenschaften» aufzubringen. Aber auch ungenügend bereitgestelltes Schutzmaterial und Desinfektionsmittel werden genannt.

Wiederum sind bei der Frage 4 markante Differenzen in Bezug auf die Baustellengrösse auszumachen. Die Empfehlungen des Seco betreffend COVID-19 scheinen allerorts bekannt zu sein. Auch werde von der Bauleitung noch speziell darauf aufmerksam gemacht. Doch praktisch kann gerade die zentrale Forderung der Distanzregel nicht immer eingehalten werden. Es gibt Arbeiten im Bauhaupt- und auch im Baunebengewerbe, die ein Monteur nicht alleine machen kann. Doch auch solche Aufgaben können mit entsprechender Voraussicht richtig angegangen und risikoarm gemeistert werden. Grossmehrheitlich ist aber das Feedback positiv, obwohl die Arbeiten mühsamer und auch zeitaufwendiger sind. Bemängelt wird, dass von Seiten der Bauleitung wegen der Covid-Massnahmen wohl die Einhaltung der Verhaltensregeln verlangt wird, jedoch kein entsprechend angepasstes Terminprogramm vorgelegt wird.

Die Antworten auf die Frage 5 bestätigen eine spürbare Verbesserung der Hygienemassnahmen. Der Kommentar «Definitiv gezwungenermassen haben sich die Hygienemassnahmen verbessert; nun ist es eher so, wie ich mir das eigentlich immer vorgestellt habe» bringt es auf den Punkt.

Bei den weiteren Bemerkungen ist der Ruf nach der sofortigen Wiedereröffnung aller Betriebe unüberhörbar. Doch wird auch festgestellt, dass sich da und dort ein «gemütliches Corona-Tempo» einzuschleichen scheint, das effizientes Arbeiten verhindert. Es werden auch Befürchtungen geäussert, dass nach der Krise wieder der alte Schlendrian aufkommt. Nur ein Toi Toi aufstellen war schon früher eine Zumutung. Ein Mitglied schreibt, dass wohl kaum ein Bauherr, Architekt oder Fachplaner an seinem Arbeitsplatz sich mit so einem Toi Toi zufriedengeben würde.

Zusammenfassung:

Die Corona-Krise hat viel Schaden und menschliches Leid verursacht. Doch wie hat Gerhard Polt gesagt: «Kein Schaden, wo nicht auch ein Nutzen dabei ist». Für die Einhaltung der vorgeschriebenen Hygieneanforderungen auf Baustellen hat die Krise bewiesenermassen eine positive Auswirkung. Endlich werden die minimalen und gesetzlich vorgeschriebenen Standards weitgehend eingehalten. Dass dabei noch eine Differenz zwischen urbanen und ländlichen Regionen genauso wie zwischen Gross- und Kleinbaustellen vorhanden ist, sollte mit der Zeit aber verschwinden.

Wenn nicht wir als Sanitärfachleute auf Missstände aufmerksam machen und Wasseranschlüsse nur gemäss den allgemein anerkannten Regeln der Technik unter spezieller Berücksichtigung der Hygiene auch bei Baustelleneinrichtungen vornehmen, wer sonst soll es dann tun? Lediglich eine gemietete Toilettenbox ohne die notwendigen Reinigungs- und Unterhaltsarbeiten sicherzustellen, ist nicht tragbar, schon gar nicht für uns Sanitärler. Auch müssen sämtliche Bauarbeiter aller Gewerke immer wieder darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie durch ihr Verhalten mitverantwortlich sind für das Wohl aller Leute auf dem Bau. Angefangen beim Spatenstich bis zur Übergabe an die Bauherrschaft.

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