Gebäudesysteme

Zwei Giganten spannen zusammen

Seit vielen Jahren arbeiten Siemens und Lonza in verschiedenen Bereichen zusammen. Für den Ibex® Solutions Biopark Visp liefert Siemens etwa Produkte für die Mittel- und Niederspannung. In der Planung für Verfahrenstechnik sowie Automatisierung setzt Lonza auf die Software-Lösung Comos.

Das Wallis ist nicht nur ein touristisches Juwel mit Matterhorn, Gletschern und malerischen Weinterrassen. Der Bergkanton ist auch ein industrielles Powerhouse. In Visp liegt dessen Herzstück: der Hauptproduktionsort von Lonza, einer der grössten Arbeitgeber des Kantons. 1897 in Gampel als Elektrizitätswerk gegründet, startete das Unternehmen 1907 mit dem Umzug nach Visp und der Umstellung auf Düngemittelproduktion seinen beeindruckenden Aufstieg zum Chemie- und Pharmariesen. Heute ist Lonza ein globaler Zulieferer für die Pharmaindustrie mit Werken etwa in Tschechien, China, Singapur und den USA. Visp ist jedoch immer der grösste Unternehmensstandort geblieben – und wird nun noch einmal kräftig erweitert.

Denn mit dem 2017 begonnenen Biopark Ibex Solutions in Visp plant Lonza auf 100 000 Quadratmeter fünf zusätzliche Gebäude. Die zusätzliche Infrastruktur soll es unter anderem Start-ups ermöglichen, den ganzen Produktmanagement-Zyklus für neue Arzneimittel am Standort Visp abzuwickeln – von der Entwicklung über die Tests der klinischen Phasen mit kleinen Produktionsmengen bis hin zur Herstellung im grossen Massstab. Damit setzt Lonza seine Transformation zum Biotech-Dienstleister fort. Für das Generationenprojekt Ibex Solutions liefert Siemens – als langjähriger Partner von Lonza im Bereich Elektrizität-Lösungen und Produkte im Bereich Mittel- und Niederspannung. «Lonza hatte eigens für Ibex Solutions spezielle technische Anforderungen definiert, die wir mit unserem Produkt- und Lösungsportfolio gut abdecken konnten», erklärt Martin Liniger, Key Account Manager bei Siemens Smart Infrastructure.

Seit 2018 hat Siemens Smart Infrastructure eine breite Palette an Produkten in der Mittel- und Niederspannung nach Visp geliefert und montiert – darunter ein Leistungstransformator, 50 Mittelspannungsfelder, Dutzende Niederspannungsverteiler sowie über 1000 Meter Stromschienen. Roger Holzer, Head Energy bei Lonza in Visp, lobt die bisherige Zusammenarbeit mit Siemens Smart Infrastructure. «Siemens bietet ein sehr gutes Gesamtpaket an. Sie erfüllen zum einen unsere speziellen Anforderungen an die Verteilungen und bieten zum anderen das gesamte Produktportfolio an, das wir beim Grossprojekt Ibex Solutions benötigen», sagt er. «Tauchen Probleme auf, können wir unsere Anliegen jederzeit ansprechen und finden gemeinsam Lösungen.»

Engineering-Software made in Wallis

Doch nicht nur in der Elektrizität spannen Siemens und Lonza zusammen. Auch in den Bereichen Verfahrenstechnik und Automatisation verbindet die beiden Firmen eine langjährige Partnerschaft – und eine Software, für deren Entwicklung der Pharmakonzern entscheidende Impulse gab. Die Rede ist von Comos. Die Plattform ermöglicht die zentrale Sammlung relevanter Planungsinformationen für den Bau, aber auch für die Erweiterung und Modernisierung von Produktionsanlagen. «Comos erlaubt es Ingenieuren sowie Planern, alle notwendigen Informationen in einer einzigen Software-Lösung zu bündeln», erklärt Philipp Fisler, General Manager für Comos bei Siemens Digital Industries. Daten aus Verfahrenstechnik sowie Steuer-, Mess- und Regeltechnik werden auf der Plattform zusammengeführt und können von allen Teilnehmern – weltweit und in Echtzeit – eingesehen werden.

Der Weg zu dieser effizienten Software-Lösung war jedoch weit. Das wissen wenige so gut wie Erwin Brunner, der seit 1983 bei Lonza in Visp arbeitet und heute Leiter des dortigen EMR-System-Bereiches ist. «Noch in den 80er-Jahren waren Daten zur Verfahrenstechnik und Prozessautomation vor allem auf Papier vorhanden», erinnert sich Brunner. «Korrekturen waren umständlich, Daten liessen sich nur schwer abgleichen.» Mit der rasanten Entwicklung der Informationstechnologie suchte Lonza – wie andere Player der Schweizer Pharmaindustrie – deshalb nach einer IT-basierten Lösung. In ersten Versuchen nutzte Lonza ein selbstentwickeltes CAE-Programm – ein Computer Aided Engeneering-Tool. Dieses verwaltete zwar Planungsdaten zur Anlagenautomation, konnte sie jedoch grafisch nicht zufriedenstellend abbilden.

Schliesslich ging aus der Zusammenarbeit mehrerer IT-Unternehmen ein Projekt namens «Logocad» hervor, welches die besonders hohen Ansprüche der Pharmaindustrie auch in der Dokumentation ihrer Anlagen erfüllen sollte. «Lonza trieb die Entwicklung voran, indem wir dazu die komplette Dokumentation einer Produktionsanlage zur Verfügung stellten», erzählt Erwin Brunner. «Comos ist deshalb auch ein Stück Walliser Geschichte.» Denn aus dieser Software-Lösung entwickelte sich Ende der 90er-Jahre die erste Comos-Version. Mussten anfangs noch viele Daten aus anderen Plattformen eingespiesen werden, wurde die Software laufend um zusätzliche Module, aber auch um Schnittstellen etwa zu verschiedenen SAP-Modulen erweitert. 2008 kaufte Siemens Comos – und übernahm Lonza als Kunde.

Zuverlässig in Zeiten von Wachstum

«Seither pflegen wir einen guten Kontakt zu Siemens und entwickeln das System gemeinsam weiter», sagt Erwin Brunner. Er schätzt die Software wegen mehrerer Fähigkeiten. «Alle wichtigen Planungs- und Auslegedaten einer Produktionsanlage bis hin zu Sammelkästen und Feldgeräten sind für alle sichtbar in der Plattform gebündelt», sagt Brunner. «Zudem lässt sich diese gut customizen.» Wünscht sich Lonza zusätzliche Anwendungen, kann das Unternehmen diese selbst oder durch externe Spezialisten programmieren lassen. Vor allem aber, betont Brunner, befähige Comos Lonza dazu, gemäss den strengen Richtlinien der «Good Manufacturing Practice», denen Produzenten im Pharma- und Foodbereich verpflichtet sind, zu verfahren. Dazu gehört etwa das Erstellen von Engineering- und Qualifizierungsdokumenten. Letztere gelangen teilweise über eine Schnittstelle in das Dokumentenverwaltungssystem. «Comos ermöglicht uns dadurch z. B. eine exakte Anlagenqualifizierung – also die Überprüfung, dass die Anlage so funktioniert, wie es vorgesehen ist», so Brunner.

Nicht zuletzt sorgt das durch Comos ermöglichte Zusammenspiel verschiedener Gewerke dafür, dass die Planung und Inbetriebnahme von Produktionsanlagen schneller und effizienter vorankommen. «Gerade in einer Zeit des starken Wachstums, in der wir uns befinden, ist es umso wichtiger, dass wir uns auf bewährte Technologiepartner und Werkzeuge verlassen können», sagt Brunner. Comos hat sich so bewährt, dass es seit seinem ersten Einsatz in Visp jedes Mal genutzt wurde, wenn eine Produktionsanlage erweitert oder neu aufgestellt wurde. Auch in Werken im Ausland setzt das Unternehmen die Software deshalb ein. «Lonza ist damit einer unserer ältesten Comos-Kunden», weiss Philipp Fisler von Siemens, der Erwin Brunner regelmässig in Visp besucht und mit ihm neue Anwendungsfelder und Spezifikationen bespricht. Demnächst ist ein grösseres Update der Comos-Software auf eine neue Version geplant. «Das wird ein Technologiesprung», sagt Fisler. Und ein weiterer gemeinsamer Schritt in der Partnerschaft von Siemens und Lonza.