Internet of Things

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Blockade total

Bis 2019 konnten die Schweizer Mobilfunk-Netzbetreiber darauf vertrauen, dass Aufrüstungen bestehender Standorte mehr oder weniger unbürokratisch genehmigt werden.

Das lag auch bei 5G nahe, nutzt es doch Frequenzbänder und Übertragungsverfahren, welche der Vorgängergeneration 4G/LTE ähneln. Denn 5G ist deren Weiterentwicklung und nutzt ähnliche Modulationsverfahren, geht aber weitaus effizienter mit Frequenzen und elektrischer Energie um als bisher.Nun werden Bauanträge für 5G-Sender insbesondere in der Westschweiz, seit 2020 leider auch in der Deutschschweiz gar nicht bearbeitet oder sistiert, oft mit fadenscheinigen Begründungen. Die Bauvorsteher der jeweiligen Gemeinden fürchten den Widerstand der oftmals gut organisierten Bevölkerung und deren entsprechende Quittung bei den nächsten Gemeinderats-wahlen. Also fasst man das heisse Eisen 5G gar nicht erst an und verweist auf Vorgaben vom Bund.

Ende Februar 2021 hat das Bundesamt für Wald, Umwelt und Landwirtschaft (BUWAL) endlich eine Ausführungsbestimmung erlassen, wie mit adaptiven Antennen umzugehen ist. Diese sind bei 5G ein Novum und passen ihre Abstrahlcharakteristik jeweils an den Nutzer und dessen Anforderungen an.Seit über 20 Jahren wird der Mobilfunkausbau durch Einsprachen von Vereinen begleitet, welche nicht zwingend vor Ort sein müssen. Dies hat bei 5G eine neue Dimension eingenommen, auch dank der Verbreitung von Verschwörungstheorien auf Social-Media-Kanälen. Im Kontakt mit Mobilfunkgegnern fällt auf, dass praktisch alle Gegner ein Smartphone nutzen und mehrheitlich keine technische Ausbildung absolviert haben. Und sie argumentieren mit Fakten, welche keine sind, so die häufig vorgebrachte «flächendeckende Verstrahlung der Schweiz mit hochenergetischen Millimeterwellen».

Diese nutzen jedoch Frequenzen ab 60 GHz, womit man weder in Gebäude eindringen kann noch vernünftige Reichweiten erzielen kann – ausser man stellt Zehntausende Sender mit extrem hoher Sendeleistung auf, was aber völlig unrealistisch ist und für die Betreiber gar nicht rentieren würde. Ausgerechnet mit solchen Szenarien argumentieren aber die Strahlenschutzverbände und 5G-Gegner, und die Tages- und Boulevardpresse greift sie dankbar auf. Dass diese Frequenzen noch gar nicht versteigert und somit gar nicht verfügbar sind, wird verschwiegen.Leider wird der Bau von 5G auch durch Beschädigungen immer wieder eingebremst. So wurde Mitte März ein Sunrise 5G-Sender im Thuner Strättligwald in Brand gesetzt, wobei der Täter gefasst wurde. Leider häufen sich ähnliche Fälle besonders im Kanton Bern. Seit Ende 2018 wurden 5G-Anlagen in Burgdorf, Langenthal, Grosshöchstetten, Thun und Kiesen beschädigt oder zerstört.

Auch Fahrzeuge und Gebäude der Provider werden beschädigt sowie Servicetechniker oder Shop-Mitarbeitende bedroht. Seit Ausbruch der Pandemie haben sich solche Vorgänge verschärft und dienen wohl auch als Ablassventil für Frust gegen Corona-Massnahmen.Somit scheitert eine sachliche Diskussion meist an den Fakten, welche der 5G-Gegner nicht verstehen kann oder einfach nicht zur Kenntnis nehmen will. Unter der Überschrift «Wie Kantone und Gemeinden den 5G-Ausbau blockieren», schrieb die NZZ am 2.2.2021: «Bis zu zwei Jahre dauert es oft, bis Baugesuche für Mobilfunkanlagen behandelt werden – wenn überhaupt. Das liegt nicht nur an den Einsprachen. Teilweise verstauben die Gesuche in der Schublade.» Lokale oder nationale Politiker wagen sich – immer mit Blick aufs Wahlvolk – kaum aufs potenzielle Glatteis. Respekt vor Politikern, die es trotzdem tun (chance5g.ch/5g-polarisiert-wird-aber-von-links-bis-rechts-unterstützt-warum).

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