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Trends in der Gebäudeautomation

Nach Corona wird vieles nicht wie vorher sein. Alle Branchen werden sich die Frage stellen müssen, was die Welt von morgen braucht. Drei renommierte Unternehmen aus der Gebäudeautomationsbranche geben Antworten.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Nachfrage im Bereich der Gebäudeautomation? Wurde sie durch die Pandemie-Situation beeinflusst?

Stefan Kienert, Leiter Marketing & Entwicklung, Mitglied der Geschäftsleitung, Zidatech AG: DieNachfrage bei der Gebäudeautomation ist – unabhängig von den Auswirkungen von Covid-19 – weiterhin steigend. Die grössten Herausforderungen bestehen hier, nach der Pandemie, jedoch bei der Bauteilebeschaffung der elektronischen Komponenten. Die Schliessung vieler Chip-Hersteller und die grosse weltweite Nachfrage an «Wafern» haben die Knappheit zusätzlich verschärft («Wafer» werden in der Halbleiterfertigung für die Mikrochip Herstellung benötigt).

Raul Bonade; Director Product Marketing, Business Development, Schneider Electric /Feller AG:  Im Segment Büro- und Gewerbegebäude ist die Nachfrage nach unseren EcoStruxure-Gebäudemanagementlösungen und den dazugehörenden Hardwarekomponenten weiterhin auf sehr gutem Niveau. Auch im Bereich Homeautomation (Wiser by Feller, zeptrion und KNX) zeigt sich ein positiver Trend mit viel Dynamik. Der negative Effekt der Pandemie war auf wenige Monate im 2020 beschränkt.

Marcel Neff. Segmentleiter Wohn-/Gewerbebau, Hager AG: Das Bedürfnis nach mehr Komfort und Sicherheit sowie erhöhte Energieeffizienz haben nicht erst seit dem Beginn der Coronapandemie zugenommen. Jedoch hat gerade das Arbeiten im Homeoffice dazu geführt, dass die Nachfrage nach Gebäudeautomation in den eigenen vier Wänden noch mehr gestiegen ist. Dieser Trend und die daraus resultierenden Chancen für unsere Branche sehen wir dementsprechend als sehr positiv an. Es zeigt sich immer mehr, dass die Zukunft elektrisch ist.

Mit welchen Produkten und Lösungen werden Sie der Nachfrage gerecht?

St. Kienert: Durch unsere Möglichkeiten, die Kunden bei der Projektierung, der Inbetriebnahme und dem späteren Unterhalt zu unterstützen, wird die Umsetzung für den Auftraggeber flexibler und die Vollkosten planbarer. Unser Innoxel Smart Living System hat sich seit über 20 Jahren im Markt bewährt. Auf sich kurzfristig verändernde Marktsituationen können wir aufgrund unserer kurzen Entscheidungswege, flexiblen Lieferzeiten sowie bestehenden Sicherheitslagern schnell reagieren.

R. Bonade: Im Wohnbereich hat die kürzlich eingeführte Lösung Wiser by Feller die Aufmerksamkeit des Marktes erregt, und die Nachfrage ist sehr ermutigend. Darüber hinaus verbleiben KNX-Lösungen für High-End-Wohnanwendungen auf einem sehr hohen Niveau. In den Büro- und Gewerbegebäuden gewinnt die Akzeptanz von Raumcontrollern wie dem frei programmierbaren Schneider Electric SpaceLogic RP-C Controller trotz des Pandemie-Effekts an Fahrt. Energiemanagement-Lösungen wie EcoStruxure Power Monitoring Expert werden ebenfalls zu einem integralen Bestandteil der BMS-Lösungen, die wir auf dem Markt einsetzen – zum Beispiel in den Fällen, in denen Energieeffizienz an erster Stelle steht wie im stark wachsenden Segment der Rechenzentren in der Schweiz.

M. Neff: Mit den neuen domovea-expert- und domovea-basic-Servern, die seit 2020 verfügbar sind, hat Hager die Grundsteine für das Smarthome lanciert. Mit diesen zwei Lösungen verbinden wir innovative Technik in einem kompakten Baustein. Hager hat während der Entwicklungsphase wieder viele Kunden nach deren Bedürfnissen befragt. domovea deckt eben genau diese Bedürfnisse ab, indem wir besonders auf die Einfachheit der Inbetriebnahme und Installation geachtet haben. Zudem bietet domovea eine Smarthome-Lösung auf dem neusten Stand der Technik, Optik und Usability. Hager setzt dabei weiterhin auf den weltweiten KNX-Standard und führt zudem IP- und IoT-Komponenten mit der KNX-Welt zusammen. Für unsere Kunden ist dies ein wichtiges Argument gegenüber proprietären und in sich geschlossenen Systemen.

Welche Trends zeichnen sich in der Gebäudeautomation ab?

St. Kienert: Wir unterscheiden hier den Wohn- und Zweckbau. Beim Wohnbau besteht vor allem eine Nachfrage bei der Infrastruktursicherheit mit Monitoring und Zutrittssystemen mit neuen Technologien (z. B. mit Bluetooth). Im Bereich Zweckbau ist vor allem das Energiemanagement ein Thema. Durch eine Visualisierung das «Energiebewusstsein» fördern sowie auch das Messen und Verrechnen.

R. Bonade: Es gibt einen starken Trend zu analytischen Werkzeugen für innovatives Immobilienmanagement und Facility Management. Dieser Trend betrifft verschiedene Aspekte des Lebenszyklus von Immobilien. So wollen Unternehmen beispielsweise besser einschätzen können, wie das Gebäude genutzt wird, möchten das Arbeiten optimieren und den Mitarbeitern Flexibilität und Komfort bieten können – ein Trend, der stark von der Homeoffice-Welle angetrieben wird, die im Jahr 2020 begann. Diese Veränderungen betreffen Gebäudeeigentümer, -nutzer und -dienstleister. In solchen Unternehmen sind innovative Gebäudemanagementsysteme nun auch ein Thema für die Personalverantwortlichen.

M. Neff: Es werden sich neue Chancen und Geschäftsfelder bieten, die wir als Branche angehen und nutzen sollten. Ein wichtiger Treiber hierbei ist das Energy Management rund um die E-Mobility, die neue Anforderungen, Bedürfnisse und Wünsche weckt, die es zu erfüllen gilt. Nebst dem Energy Management wird auch die Frage der Connectivity im Bereich von Mehrfamilienhäusern immer stärker im Fokus von Investoren stehen. Investoren verlangen zudem eine Langlebigkeit und einen damit verbundenen Investitionsschutz, der uns wieder zu KNX führt. Wir werden also noch mehr gefordert und müssen uns dabei noch besser auf die Kundenbedürfnisse fokussieren. ■

 

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