Fassadensysteme

Das schweizweit erste mit Schafwolle isolierte und nach Minergie-P®-Eco-Standard zertifizierte Haus in Thun (Screenshot: Google Streetview)
(Bild: Rainer Sturm, www.pixelio.de)
(Bild: Rainer Sturm, www.pixelio.de)
Das schweizweit erste mit Schafwolle isolierte und nach Minergie-P®-Eco-Standard zertifizierte Haus in Thun (Screenshot: Google Streetview)
Norelem

Gebäudedämmung: Dank Schafwolle zum Minergie-P-Eco-Standard

Schafwolle lässt sich ohne Probleme neben der Verarbeitung zu Strickerzeugnissen auch als ökologischer Dämmstoff einsetzen. Mehr noch: Die Wolle stellt alle anderen Isolier-Materialien in den Schatten, wenn es um die Energie-, Öko- und Gesundheitswerte geht. Denn Schafswolle ist ein reines Naturprodukt und damit bestens geeignet, um Gebäude energieeffizient und umweltfreundlich zu dämmen. Wie zum Beispiel bei einem neuen Wohn- und Geschäftshaus in Thun, dem schweizweit ersten Gebäude mit einer solchen Isolation - das obendrein spielend den Minergie-P®-Eco-Standard einhält. Darüber berichtet die Zeitschrift «natürlich leben» in ihrer November-Ausgabe ab Seite 24.

 

 

Zwar wird die Schafwolle schon länger als Dämmmaterial eingesetzt, es war aber bislang immer schwierig, die normalen Vliese zu verlegen. Inzwischen gibt es geformte Dämmplatten, welche die Schafwolle enthalten und somit einfacher eingesetzt werden können.

 

Verprasste Agrarsubventionen in der Schweiz?

 

Doch wenn man hört, dass nach dem Schafescheren die wertvolle Wolle schlicht verbrannt wird, weil es offenkundig am einfachsten ist, dann könnte man sich schon fragen, ob hier nicht Agrarsubventionen verprasst werden? Es heisst aus Fachkreisen immer wieder, dass die Bauern bei einem Verkauf der Wolle kaum noch etwas bekommen. Gerade einmal einen Franken pro Tier, während allein schon die Schur selbst fünf bis sieben Franken kostet. Ein Grossteil des möglichen Ertrages aus den fast 1,1 Millionen Franken Primär-Subventionen für die Schafzucht (im Jahr 2008, Quelle: Agrarbericht des BLW) scheint somit im wahrsten Sinne des Wortes einfach verbrannt zu werden.

 

Schafwolle ist als Dämmmaterial teurer aber umweltfreundlicherSchafzüchter und Architekten gleichermassen haben aber das Problem der Wollverbrennung – wenn auch jeder auf seine Weise – erkannt. Die einen aus eher idealistischen Gründen, weil sie es für verwerflich halten, ein solches Naturprodukt einfach zu entsorgen – die anderen, weil sie eben genau dieses Naturprodukt aufgrund seiner Einfachheit schätzen und wiederverwerten wollen. Bevor die Wolle aber zum Dämmen eingesetzt werden kann, muss sie zunächst gewaschen werden. Und dies geschieht derzeit in Belgien oder Österreich. Das treibt den Preis unweigerlich nach oben.

 

Dennoch lässt die Schafwolle alle anderen Dämmstoffe im Schatten stehen. Denn bei der Herstellung der Dämmplatten wird zehnmal weniger CO₂ ausgestossen, als beispielsweise bei der Produktion von Steinwolle. Und auch sonst – so der Artikel in der Zeitschrift «natürlich leben» – sorgt Schafwolle für ein weitaus angenehmeres Raumklima, als künstliche Dämmstoffe.

 

Mit Schafwolle von 4000 Schafen zum Minergie-P®-Eco-Standard

 

Auf diese gute Eigenschaft schwört auch Architekt Heribert Binz. Er hat in Thun das erste mit Schafwolle gedämmte und nach dem Minergie-P®-Eco-Standard zertifizierte Wohn- und Geschäftshaus errichtet. Dafür wurde Wolle von fast 4000 Schafen verwendet. Der dreigeschossige Holzbau in der Kyburgstrasse hat 40 cm dicke Dämmschichten und auf dem Dach eine Photovoltaik-Anlage zur Stromproduktion. Und trotz der Mehrkosten ist Architekt Binz davon überzeugt, dass die Dämmqualitäten der Schafwolle gegenüber den künstlichen Produkten unschlagbar sind und auch in Zukunft «selbst mit modernster Produktionstechnik nie erreicht werden».

Weiterführende Informationen

 

 

Geographische Position des Minergie-P®-Eco-Hauses in Thun (Google Streetview)


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