Fassadensysteme

Eine Skulptur aus gewölbten und fein gemusterten Dreiecken weist in die 3D-Zukunft des Bauens. (Bilder. Manuel Fischer)

Streckmetall-Strukturen motivierten Künstler zu eigenwilligen Kreationen.

Multitasking ist kein leeres Versprechen bei der neuesten Jorns-Doppelbiegemaschine.

Perforierte Elemente aus Witterungstauglichen HPL-Platten bietet fast unbegrenzte Möglichkeiten der Fassadengestaltung mit rund hundert Standardperforationen und rund 3000 wählbaren Farbtönen.

Elmar Schilter, Geschäftsführer Prefa Schweiz Vertriebs AG, mit zackigem Oberflächenprofil.

Unübersehbar war auch dieses Mal der imposante Park Maschinen zum Biegen, Spalten, Scheren, Abkanten und Stanzen von Metallblechen.

Swissbau 2020

Materialvielfalt für die Gebäudehülle

Allgemein bietet die Gebäudehülle genügend Anlass, Neues zu wagen, sowohl bei den Materialien als auch bei den Produktionsverfahren. Allerdings brauchte es an der diesjährigen Swissbau 2020 etwas Spürsinn, neue oder verbesserte Produkte zu entdecken.

Für die Profis der Gebäudehülle war auch dieses Mal der imposante Park Maschinen zum Biegen, Spalten, Scheren, Abkanten und Stanzen von Metallblechen unübersehbar und insbesondere deren digitale Vernetzung untereinander. Die Swissbau-Messeleitung organisierte so genannte «Guided Tours» zum Thema «Digitale Innovationen». Die Firma Gesacon als «Satellite Partner» des Swissbau Innovation Lab ergriff somit die Gelegenheit, die fortschreitende Digitalisierung des Spenglerhandwerks ins Rampenlicht u rücken. Am Stand der Gebrüder Spiegel AG machte Gesacon-Geschäftsleiter Luigi Greco das Ineinandergreifen industrieller Produktion mit moderner Informations- und Kommunikationstechnik erlebbar und greifbar.
Gesacon bietet Beratung, Installation, Schulung und Support der modularen Bendex-Blechbearbeitungs-Software an mit dem Ziel, die ganze Wertschöpfungskette beim Blech zu optimieren – vom Entwurf eines Blechs auf dem Tablet bis zum mehrfach bearbeiteten Bauteil, das passgenau am Bau eingefügt wird.

Doppelbiegemaschinen 4.0

Auch die Blechbearbeitungsmaschinen selbst unterliegen quasi einer ständigen Innovation. Im Sinne eines effizienten Chargenprozesses verfügt die neueste Variante des Thalmann TD-Doppelbieger über eine integrierte Vorrichtung für den automatischen, seitlichen Blecheinzug. Damit können Bleche im Einzeleinzug, ab Stapel oder von einer vorgelagerten Längs- oder Querteilanlage kommend in die Maschine eingezogen werden. Die Vorrichtung ermöglicht ein präzises Ablegen der Ware. Hinzu kommt die Zeitersparnis: Sobald ein Blech fertig gebogen und entnommen worden ist, beginnt das Laden der nächsten Bleche.
Auch Mitbewerber Jorns, ebenfalls ein Schweizer Maschinenbauer, machte auf sich aufmerksam. Eine grosse Anzahl komplizierter Biegeprofile lassen sich dank der Jorns Doppelbiegemaschine JDB ohne Drehen und Wenden herstellen. Damit das Material in allen erdenklichen Positionen bearbeitet werden kann, verfügt die Maschine über mehrere Klemmfinger-Paare und Saugknöpfe. Mehrere Profile können gleichzeitig parallel, konisch gebogen werden und zwar so, dass sie sogar noch ineinander steckbar sind. Alles hoch präzise!

Aluminium und Hochpresslaminate

Von Belang für die Gestaltung von Fassaden, Terrassen und Dächern ist auch die wachsende Anzahl vorgefertigter Bauteile aus diversen Materialien, die das Arbeitsleben von Fassadenbauern und/oder Spenglern vereinfachen sollen.
Hier hervorstechende Beispiele herauszupicken ist ein Akt der Willkür: Am Stand des Aluminiumprodukteherstellers Prefag war das scharfkantige Zickzack-Profil aus stranggepresstem Aluminium mit eloxidierter Schutzoberfläche zu betasten, das allseitig verlegt werden kann und mit ordentlichem Abstand elegant aussieht. In der Schweiz wurden die Elemente erstmals für die Verkleidung eines Mehrfamilienhauses in einem Walliser Dorf eingesetzt. Die hinterlüftete Fassade aus solchen Elementen macht nicht nur eine effiziente Wärmedämmung möglich. Das colorbeschichtete feingliedrige Profil (Zackenabstand 40 mm, Profilhöhe 22 mm) löst offenbar beeindruckende vibrierende Effekte aus: Je nachdem, wie das Licht auf das Blech fällt, wechseln die Farben zwischen Schwarz und Gold.
Es lohnte sich auch, die wachsende Vielfalt gestalterischen Möglichkeiten von Elementen aus nichtmetallenen Werkstoffen zu entdecken, welche an der Fassade sicher fixiert werden müssen. Die Firma Bruag aus Güttingen am Bodensee machte mit witterungstaugliches Hochdruck-Schichtdruckpressstoff-Platten (HPL) auf sich aufmerksam. «Die Zeiten des Minimalismus in der Architektur sind vorbei», verkündet die Produktbroschüre des Unternehmens etwas grossspurig. Der Werkstoff des Typs Cellon gilt als mechanisch robust, kratz-, schlag und stossfest und feuchtigkeitsbeständig. Der «Räbeliechtli»-ähnliche Bruag-Pavillon an der Swissbau sorgte für Aufmerksamkeit. Das Produkteprogramm perforierter Fassaden bietet fast unbegrenzte Möglichkeiten der Fassadengestaltung mit rund hundert Standardperforationen und rund 3000 wählbaren Farbtönen. Extrawünsche sind möglich.

Glasfaserbeton

Eine raffinierte, mannshohe Skulptur aus gekrümmten Schalen aus Glasfaserbeton lud Neugierige auf den Stand der Stahlton Bauteile AG. Die Oberflächen der Schalen wiesen überaus feine und gleichmässige Musterungen auf. Stahlton-CEO Ernst Gisin nahm sich die Zeit, den Fragenden auf die Möglichkeiten moderner additiver Fertigung – sprich 3D-Druck – hinzuweisen und diesen dennoch etwas im Ungewissen zu lassen, wie so etwas bewerkstelligt wird. «Ein Forschungsprojekt unseres Unternehmens zusammen mit der ETH.» Man erhofft sich, mit der neuen Technologie zukünftige Geschäftsfelder des Unternehmens zu erschliessen. Das bestehende Sortiment aus Fassadenprofilen und Gurtensimselementen in diversen Geometrien und Farben ermöglicht dem Fassadenplaner die Möglichkeit, mit solchen Elementen individuelle Akzente zu setzen. Auch das Produkteprogramm für Fensterbänke und Brüstungsabdeckungen aus diesem Material wird beständig erweitert.

Dachablauf fürs Regenwasser

In Anbetracht der Vielseitigkeit der Baumesse waren Neuheiten, welche auch die Spengler interessieren könnten, auch an Orten anzutreffen, wo man es nicht erwartete, so etwa in der Halle 2 (Bad, Sanitär, Küche). So präsentierte Schaco ihren eigens entwickelten Swiss-Unico-Retentionseinlauf. Eine Antwort auf den Wunsch kommunaler Versorger, dass das Regenwasser auf den Dächern kontrolliert aufgestaut, zurückgehalten und gedrosselt abgeleitet wird. Das Kluge an der Innovation: Erstmals ist es möglich, die Abflussmenge individuell (von 0,0 bis 4,8 l/s) einzustellen. Hierzu wird ein innerer drehbarer Ring in die gewünschte Position gebracht und fixiert.
Die Vielfalt an Nützlichem war zwar immer noch da. Doch nicht unerwähnt bleiben muss der Hinweis, dass Grosshändler und Hersteller breiter Sortimente für den Spenglerbedarf heuer mit Abwesenheit glänzten.