Photovoltaik

Es besteht noch viel Potenzial auf Dächern und Fassaden im Bestandesbau für Solarstrom.

Gebäudesanierung im Fokus

Swissbau Focus bietet Fachleuten die Chance, Erkenntnisse und Einschätzungen zu präsentieren. Als roter Faden im Bereich der Gebäudetechnik konnten die Herausforderungen durch die notwendige Erneuerung des Gebäudeparks Schweiz identifiziert werden.

Eigentlich ist die Bezeichnung «Swissbau» irreführend, eher wäre die Fachmesse «SwissErneuerung» zu nennen. Fachleute sind sich einig: Auch bei aller Begeisterung über die moderne Bau- und Gebäudetechnik gilt die Konzentration eigentlich der Erneuerung der Bestandsbauten. Diese machen rund 99 Prozent des Bauwerks Schweiz aus. Und jeder Neubau, der nicht den Anforderungen von 2050 entspricht, also nachhaltig, energieeffizient und erneuerbar konzipiert ist, gehört bereits bei seiner Inbetriebnahme zum alten Eisen des Bestands. Die Mustervorschriften (MuKEn 2014), die in den nächsten Jahren in allen kantonalen Baugesetzen einfliessen sollen, haben diesen Gedanken aufgenommen. Doch für die Energiewende, die im Gebäudebereich vor allem eine Wärmewende bedeutet, braucht es mehr zielführende Erneuerungsprojekte.

Der Ball liegt bei der Wärme

Die winterliche Stromlücke wird zur Wärmelücke, denn noch benötigt die Raumwärme ca. 70 Prozent des Energieverbrauchs der Haushalte. Thermische Sonnenkollektoren können vor allem bei der Trinkwarmwasserbereitung zum Einsatz kommen. Dabei kann man von einer angemessenen Ausrichtungsflexibilität der Kollektorenmontage ausgehen. Mit grösseren Speichern lässt sich ein zusätzlicher Beitrag zur Beheizung leisten. Aber auch saisonale Speicherkonzepte sind seit langem auf dem Markt. Dass solche Systeme (Prinzip Jenni) zur vollständigen Wärmeversorgung (Raumheizung und Warmwasser) Sinn machen können, haben inzwischen sogar Behörden und Fachhochschulen erkannt. Der gross dimensionierte Wasserspeicher wird im Haus integriert oder erdverlegt neben dem Haus platziert, was auch bei einer umfassenden Sanierung denkbar wäre.

Ebenfalls bewusst ist man sich heute, dass der Photovoltaik im Einfamilienhaus-Bereich kein Gefallen gemacht wurde, indem der ZEV (Zusammenschluss zum Eigenverbrauch) zur Anwendungsformel erhoben worden ist. Limitierte Optionen, gesetzliche Hindernisse und zu tiefe Einspeisetarife wirken hemmend. Bei grösseren Mehrfamilienhäusern und Arealen hingegen können bessere Nutzungsmöglichkeiten geschaffen werden. Noch machen Parzellengrenzen zum Nachbarn einige Sorgen, indem die Regelung bisher keine Versorgung über öffentliche Netze vorsieht. Batteriespeicher werden vorzugsweise als Tagesspeicher ausgelegt, also nicht zu leistungsstark gewählt, um so die Verluste niedrig zu halten.

Die Fachwelt ist sich ebenso einig, dass neben den Neubauten auch Sanierungen die Sonnenenergie einbeziehen sollten, auch wenn auf den Dachflächen möglicherweise eine Konkurrenz zwischen Solarwärme und Photovoltaik entstehen könnte. In der Gesamtbetrachtung ergeben sich dann die entscheidenden Argumente für die eine oder andere Technologie, oder sogar für beide. Dies vor allem, wenn auch die Fassadenflächen einbezogen werden.

Gute Luft für gutes Innenraumklima

Gleich bedeutsam ist ein aktiver Luftwechsel, sobald das Gebäude erneuert ist und somit die Hülle dicht gebaut wurde. Komfortlüftungen – beim Minergie-Zertifikat gefordert – tragen einen wichtigen Teil zur Raumluftqualität bei. Weil Einzelraumbelüftungen bei Sanierungen oft nur sehr aufwändig realisiert werden können, lässt Minergie auch Verbundsysteme zu, die mit einem einzigen Einlass die gesamte Wohnung belüften. Die Zimmer werden über die freie Strömung durch offene Türen aus dem Zuluftbereich versorgt. Dadurch entfallen Rohrleitungen in den jeweiligen Räumen. Ausserdem haben die Verantwortlichen erkannt, dass bei Komfortlüftungsanlagen einerseits Verschmutzungen bei der Aussenluftansaugung und in den Rohren nicht zu vernachlässigen sind, anderseits runde Rohre bessere Eigenschaften aufweisen als rechteckige Elemente.

Auch die Lüftungsfrage muss bei Erneuerungsprojekten möglichst frühzeitig gestellt werden, damit geeignete Lösungen gesucht werden können. Weil energetische Sanierungen oft an finanziellen Hürden für die Eigentümer scheitern können, wurde im Entwurf des CO2-Gesetzes die Etablierung eines Fonds zur Überbrückung solcher Situationen angedacht. Denn die Sanierungsrate von kaum mehr als einem Prozent läuft den Energiezielen des Bundes zuwider. Daher müssen technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Massnahmen und Rahmenbedingungen Hand in Hand gehen.

Bauen im Blick auf den Klimawandel

Die plausiblen Klimaszenarien weisen darauf hin, dass sowohl die mittlere Temperatur als auch die Spitzenwerte steigen werden, aber ebenso heftigere Niederschläge und Winde auftreten können. Das Bauen für die Zukunft muss diesen Entwicklungen Rechnung tragen. Der Heizenergiebedarf wird abnehmen, gleichzeitig nimmt die Bedeutung einer Klimatisierung zu. Für die Gebäudetechnik gilt es, die erforderlichen Leistungs- und Energiewerte zu prognostizieren und entsprechend zu planen. Fensteranteil insgesamt, Fensterausrichtung nach Norden, effektive Fensterverschattungen, Speicherfähigkeit und Free-Cooling usw. sind heute Aspekte für die Planung sowohl von Neubauten als auch Erneuerungen. 

www.swissbau.ch