Photovoltaik

Der verheerende Hagelzug vom Juni 2021 richtete im Kanton Luzern enorme Schäden an. Im ganzen Jahr wurden 18 000 Schadenfälle gemeldet, sechsmal so viele wie in einem durchschnittlichen Jahr. (Bilder: M. Staub, A. Renggli)

Die massiven Hagelkörner zerschmetterten die alten Kollektoren.

Den Schadenfall für die Sanierung genutzt: André und Esther Egli (Bauherrschaft) sowie Adrian Renggli (Installateur) vor dem sanierten Dach, das nun Strom und Wärme liefert.

Hagelschäden bei Solaranlagen

Photovoltaik- und Solarthermieanlagen können von starken Hagelzügen innert Minuten beschädigt oder zerstört werden. Das zeigen die Erfahrungen aus Wolhusen LU vom letzten Juni. Wie können die Anlagen besser ausgelegt werden? Und welche Chancen ergeben sich, wenn die Anlage nicht nur wiederhergestellt, sondern erweitert und optimiert wird?

Im Juni 2021 zerstörte ein Hagelzug in Wolhusen LU zahlreiche Dächer, Photovoltaik- und Solarthermieanlagen. Zu den Betroffenen gehört auch die Familie Egli. Sie bewohnt ein Einfamilienhaus aus den frühen 1980er-Jahren im Sedelboden-Quartier. Auf dem alten Dach war eine rund 15jährige Solarthermieanlage montiert. Dann kam der 27. Juni. Esther und André Egli standen in der Küche, als plötzlich die ersten pingpongballgrossen Hagelkörner niedergingen. Knappe zehn Minuten später war der Spuk vorbei. Die Dächer im ganzen Quartier waren verwüstet, die Gärten übersät mit Scherben von Scheiben, Ziegeln und Photovoltaikanlagen.

Dramatische Szenen

Ein befreundeter Dachdecker konnte Eglis Dach wenige Stunden später provisorisch mit Blachen abdecken. Doch die Probleme reichten tiefer: Neben den Ziegeln war auch die Unterdachfolie durch den massiven Hagelsturm zerstört worden. Somit stand eine grössere Dachsanierung im Raum. «Wir hatten uns schon vorher Gedanken gemacht, welche Arbeiten beim Haus anstehen. Das Dach war ein Thema. In einigen Jahren möchten wir zudem auf ein Elektrofahrzeug umsteigen und die bestehende Ölheizung mit einer Wärmepumpe ersetzen», berichtet André Egli.

Diese Ideen diskutierten Eglis mit Adrian Renggli. Der Geschäftsführer der Gebäudetechnik- und Solarfirma Jost Renggli AG wohnt im selben Quartier. Das Steildach wurde im Zug der Dachsanierung aufgedämmt und mit einer neuen Unterdachfolie versehen und die Energieeffizienz der Gebäudehülle damit deutlich verbessert. Die neuen Dachfenster sind etwas grösser und bringen damit auch mehr Licht in die Räume. «Da wir für den Ersatz der thermischen Solaranlage ohnehin auf das Dach mussten und die Eigenstromproduktion ein Thema ist, war es sehr naheliegend, auch gleich eine Photovoltaik-Anlage zu installieren», sagt Renggli.

Anstelle der alten Solarthermieanlage mit einem Jahresertrag von ungefähr 9500 kWh wurden unterhalb der Firstkante 10 neue Aufdach-Kollektoren installiert. Deren Jahresertrag erreicht ungefähr 11 000 kWh. Ergänzt werden sie durch 20 Photovoltaik-Module mit einer Jahresertrag von gut 10 300 kWh. Als zweiter Ausbauschritt ist eine PV-Anlage für das Garagengebäude neben dem Haus vorgesehen. Auf dessen Flachdach können mit einer Ost-West-Anlage zusätzlich ungefähr 6800 kWh Strom pro Jahr erzeugt werden.

Umstieg erleichtert

Den Solarstrom vom eigenen Dach nutzt die Familie Egli für den Eigenverbrauch, Überschüsse werden ins Netz eingespeist. In der Zwischensaison dient die Solarthermie der Heizungsunterstützung, im Sommer wird sie mehrheitlich für die Poolheizung genutzt. Wenn auch das Garagendach mit einer PV-Anlage ausgerüstet wird, steht genügend Strom für die Dekarbonisierung bereit. So können Eglis vom Verbrenner- auf ein Elektrofahrzeug umsteigen und die bestehende Ölheizung mit einer Wärmepumpe ersetzen. Die Schäden an Dach, Fenstern und der alten Solarthermieanlage übernimmt die Gebäudeversicherung Luzern. Auch die neue PV-Anlage ist dort versichert.

Wie sieht die Dachsanierung inklusive PV-Anlage eigentlich aus finanzieller Sicht aus? André Egli, ausgebildeter Treuhänder, lacht kurz und sagt: «Wir haben das nicht bis auf den letzten Franken durchgerechnet. Ich werde oft nach der Amortisation dieser Anlage gefragt. Doch den eigenen Strom zu produzieren und zu nutzen, ist auch eine gelebte Haltung. Wir möchten dies aus persönlichem Antrieb machen, auch wenn wir die mathematisch korrekte Amortisationsrechnung nicht gemacht haben.»

Esther Egli ergänzt: «So wie früher wird es nicht funktionieren. Für uns ist es klar, dass wir etwas zur Zukunft beitragen wollen.» Auch wenn die Schlussabrechnung noch aussteht, ist eines klar: Mit ihrer Dachsanierung haben Eglis nicht nur das Beste aus einer unglücklichen Situation herausgeholt, sondern auch langfristig den Wert ihrer Immobilie gesteigert.

Kontrolle ist besser

Nach extremen Hagelereignissen ist die Zerstörung von PV-Modulen oder Solarkollektoren offensichtlich. Jedoch lohnt sich das genaue Hinschauen auch dann, wenn die Anlage scheinbar noch in Ordnung ist. «Nach einem starken Unwetter sollte eine Sichtkontrolle durchgeführt und die Anzeige beim Wechselrichter geprüft werden», sagt Peter Toggweiler, Vorstandsmitglied bei Swissolar und PV-Experte bei Basler & Hofmann. Wenn keine sichtbaren Schäden vorhanden seien, könne man davon ausgehen, dass die Anlage keinen Schaden davongetragen habe.

Für die Sichtkontrolle kommen neben der klassischen Dachbegehung, bei der selbstverständlich die Sicherheitsmassnahmen gegen Absturzgefahren einzuhalten sind, seit einigen Jahren auch Drohnen in Frage. Gerade im Zusammenhang mit Wärmebildern (Thermografien) sei diese Option interessant, sagt Toggweiler: «Mit der Thermografie lassen sich viele Probleme feststellen, die von blossem Auge oft unsichtbar sind. Dazu gehören Installationsfehler wie etwa fehlerhafte Steckerverbindungen, aber auch Schäden an den Solarzellen. So kommt man etwa Überhitzungen auf die Spur, die aus Schäden an einzelnen Solarzellen resultieren, etwa infolge Kontaktfehlern, Degradation oder Mikrorissen.»

Zahlen fehlen

Überkantonale Daten oder Statistiken zu Unwetterschäden sind derzeit nicht vorhanden. In der Regel haben Gebäudeversicherungen nur relativ einfache Übersichten der Schäden in ihrem Versicherungsgebiet. Um das Problem besser erfassen und die Anlagen zielgerichtet verbessern zu können, wäre eine bessere Datenlage sicherlich wünschenswert. «Die Schadenereignisse für 2021 müssen noch genauer untersucht werden. Wir möchten zum Beispiel wissen, wie gross die Schäden insgesamt sind und wie häufig solche Ereignisse bisher stattfanden, respektive in Zukunft zu erwarten sind», sagt Peter Toggweiler. Aufgrund dieser Erkenntnisse müsse man allenfalls die Anforderungen an die Hagelfestigkeit der Solarmodule anpassen.

«Swissolar hat schon verschiedentlich vorgeschlagen, bessere Fehler- und Schadenstatistiken zu erheben. In Zusammenhang mit den starken Unwettern im letzten Sommer wird das neu besprochen», sagt Geschäftsführer David Stickelberger. Die Erfahrungen mit der Versicherungsdeckung seien gut, auch bezüglich des Unwettersommers 2021: «Wenn eine Anlage gemäss dem Stand der Technik gebaut wurde, übernehmen die Gebäudeversicherungen die Schäden durch ausserordentliche Ereignisse.» Eine wichtige Bedingung ist allerdings den meisten nicht bekannt: Die PV- oder Solarthermie-Anlage muss separat angemeldet werden, erst dann wird sie von der Gebäudeversicherung gedeckt.