Hygiene

(Foto: Emanuel Niederhauser)

(Foto: Emanuel Niederhauser)

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Betrachtungen und Analysen zur Luft- und Wasserhygiene

Am 27. Januar 2017 trafen sich über 230 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Hotel Schweizerhof in Luzern, um die aktuellsten Erkenntnisse zur Luft- und Wasserhygiene zu erörtern. Die Hygienetagung hat damit zum vierten Mal den Stand der Technik beleuchtet und zeugt von der erfolgreichen Kooperation des SWKI und VDI.

Bereits in seinen einleitenden Worten hielt OK-Präsident Benno Zurfluh fest: «Das steigende Interesse von Seiten Bauherrschaften und dem Facility-Management bekräftigt uns darin, dass das Thema «Hygiene» immer wichtiger wird.» Tatsächlich sei die Tagung noch nie so früh ausgebucht gewesen. Diesen Faden spann David Burkhardt im direkten Anschluss weiter und analysierte die Frage, welche Qualifikationen das Instandhaltungspersonal aufweisen muss. Burkhardts Fazit: «Es ist nun die Aufgabe der einzelnen Branchenverbände, die Verbindung zwischen den europäischen Standards (EQR) und den nationalen Standards (NQR) zu schaffen.»

Lufthygiene

Das Stichwort «Lufthygiene» löst oftmals als Reaktion aus: Aufpassen bei Luftbefeuchtung! Das beinahe 20-jährige BFE-Merkblatt wurde kürzlich erneuert. Adrian Grossenbacher erläuterte das Merkblatt und hielt fest: «In den meisten Fällen ist die aktive Befeuchtung nicht notwendig.» Ist hingegen die Notwendigkeit der aktiven Befeuchtung nachgewiesen, so sollte diese korrekt erfolgen.
Auf eine besondere Erfolgsgeschichte zum Thema Lufthygiene kann der VDI zurückblicken. Mit seiner Richtlinienreihe VDI 6022 prägt und dokumentiert er seit 1998 den Stand der Technik.

Der Vorsitzende von Blatt 1, Andreas Winkens, stellte an der Hygienetagung erstmalig den Gründruck der VDI 6022 Blatt 1 vor. Viele praktische Erfahrungen und Entwicklungen seien mit Hilfe der Fachkollegen des SWKI im Rahmen dieser dritten Überarbeitung eingeflossen. Er hielt dabei nochmals explizit fest: «Ich erachte eine Erstinspektion für selbstverständlich.» Abklatschproben für die Beurteilung der Zuluft-Qualität zu verwenden, sei eine untaugliche Methode. «Luftmessungen bilden hier den Stand der Technik, das ist allgemein anerkannt», so Winkens. Er rief eindringlich zur Einreichung von Stellungnahmen auf, was noch bis zum 30. April 2017 möglich ist.

Bereits 2013 wurde anlässlich der 2. Hygienetagung die Wichtigkeit der verwendeten Filterklasse für die Hygiene der RLT-Anlagen festgehalten. Arnold Brunner, Obmann der SWKI VA101-01 und Leiter des Richtlinienausschusses VDI 3803 Blatt 4, schuf mit seiner Einschätzung der neuen Prüfnorm ISO 16890-1 eine Basis des Verständnisses der neuen Begriffe. Die Auswirkungen der Ablösung der alten Prüfnorm EN 779 hat weitreichenden Einfluss auf die bestehenden Regelwerke. «Die Experten-Arbeitsgruppe Luftfiltration hat deshalb einen «Übersetzungsschlüssel» vorgeschlagen», so Brunner, der aktiv daran mitgewirkt hat, mit den Kollegen vom VDI diesen Schlüssel zu erarbeiten.

Markus Maurer leitete sein Referat zum Betreiben und Instandhalten von RLT-Anlagen mit der nüchternen Feststellung ein: «Wenn Sie heute ein Auto kaufen, dann erhalten Sie automatisch ein dickes Serviceheft mitgeliefert.» Dies sei im Kontext von RLT-Anlagen heute leider nicht üblich. Hier schliesst die in Aussicht gestellte Richtlinienreihe SWKI BT104 «Betreiben und Instandhalten von gebäudetechnischen Anlagen» eine wichtige Lücke. Erstmalig werde für Planung, Erstellung, die Eigentümer und das Facility- oder Gebäude-Management ein in sich geschlossenes Dokument erarbeitet, welches ergänzt durch eine Web-Applikation die direkte Erarbeitung von Instandhaltungsplänen ermöglicht, so Maurer.

Wasserhygiene

Zweifellos wird Trinkwasser als das wichtigste Lebensmittel für den Menschen betrachtet. Mit der Verabschiedung des neuen Lebensmittelgesetzes im Jahr 2014 gilt es nun auch als Gebrauchsgegenstand und es wurde um Höchstwerte für mikrobiologische Parameter ergänzt. Denn das Auftreten der diagnostizierten Fälle von Legionellose nimmt in der Schweiz seit Jahren kontinuierlich zu – von jährlich etwa einem Fall in den 1990ern hin zu ungefähr vier Fällen pro 100’000 Einwohnern und Jahr im laufenden Jahrzehnt. Pierre Studer analysierte in seinem Beitrag die Höchstwerte für Legionellen in öffentlichen Bädern und im Duschwasser öffentlicher Gebäude: «Längerfristig sollten diese Bestimmungen bewirken, dass das Auftreten von Legionellosen zurückgeht.»

Der Mikrobiologe Frederik Hammes beleuchtete in seinem Referat die Messtechnik für Trinkwasser und unterzog die Aussagekraft der Resultate einer kritischen Würdigung. «Gemessen werden lediglich die im Wasser gelösten Organismen – 99 Prozent der Bakterien in Trinkwassersystemen befinden sich jedoch im Biofilm.» Das Ziel müsse deshalb sein, die gesamte Menge Mikroorganismen zu begrenzen und die Ausbreitung von Krankheitserregern zu verhindern. Dafür werden verlässliche Messmethoden benötigt, wobei Hammes hinzufügt, dass die seit dem späten 19. Jahrhundert verwendete Plattierung weniger als 0,1 Prozent der Trinkwasserbakterien detektiert. Hammes in seinem Schlussvotum: «Hygiene muss als system- und nicht als organismusorientiertes Konzept verstanden werden.»
Ähnlich kritische Hinweise zur Messtechnik bei der repräsentativen Bestimmung der Luftqualität wurden auch von Reto Coutalides im Einführungsreferat zur Podiumsdiskussion gemacht.

Als Spezialist des Gas- und Wasserfaches griff Cosimo Sandre die Voten seiner Vorredner auf und führte aus, worauf für eine hygienisch einwandfreie Inbetriebnahme von Trinkwassersystemen geachtet werden muss. So sollte bei der Befüllung der Anlage ein Filter verwendet werden, das die Erstbesiedelung verringert und es müssen saubere Pumpen und trinkwassertaugliche Schläuche verwendet werden. Aktuell diskutiert die Arbeitsgruppe «Strategie Hygiene in Trinkwasserhausinstallationen» geeignete Verfahren, welche auch auf Herausforderungen der realen Bauabläufe und Stagnationsphasen Antworten liefern sollen.

Eine umfassende Analyse der möglichen Quellen von Wasser-Aerosolen bot Irina Nüesch vom Amt für Verbraucherschutz des Kantons Aargau. «Was die Lebensmittelhygiene für das Verdauungssystem, ist die Lufthygiene für die Lunge», führte Nüesch aus. Dabei sind Wassertröpfchen mit einer Grösse unter fünf Mikrometern entscheidend. Heikel sind Situationen, in denen man sich unbewusst exponiert (wie z. B. im Tropenhaus oder einem Hammam). «Es ist deshalb speziell auf eine hygienegerechte Planung zu achten, so dass optimale Voraussetzungen für den sicheren Betrieb geschaffen werden», so Nüesch. Die von ihr diesbezüglich präsentierten Aspekte von Planung und Betrieb weisen faszinierende Parallelen zu den Strategien der VDI 6022 auf und sind im Tagungsband dokumentiert.

Weitere Informationen

Alle Vorträge und die Dokumentation des Tagungsbandes zur Hygienetagung 2017 sind unter folgendem Link publiziert: www.swki.ch/hygienetagung2017. Die 5. Schweizer Hygienetagung findet am 25. Januar 2019 statt.