Lüftungskonzept

(Foto: Minergie)

Doch, man darf die Fenster öffnen!

Moderne Gebäude mit Komfortlüftung schaffen gute Voraussetzungen für komfortables Wohnen oder Arbeiten in einem behaglichen Raumklima. Leider wird das Märchen immer noch weitererzählt, wonach man in einer Wohnung mit automatischer Lufterneuerung die Fenster nicht öffnen dürfe.

Die wichtigsten Bedingungen für ein komfortables Innenraumklima werden speziell in Minergie-Bauten konsequent umgesetzt:

Verbesserte Wärmedämmung: Alle Aussenbauteile wie Wände, Boden und Dachflächen sind sehr gut gegen Wärmeverluste gedämmt. Dadurch bleiben die inneren Oberflächen der Zimmerwände warm. Das garantiert ein behagliches Raumklima, ohne dass die Lufttemperatur auf 22 °C aufgeheizt wird.

Dichte Bauhülle: Dadurch weniger Energieverluste, keine Zugserscheinungen.

Systematische Lufterneuerung: Die Komfortlüftung garantiert einen kontinuierlichen Luftwechsel ohne Zugserscheinungen in allen Räumen. Die angenehme Folge: weniger Gerüche, weniger Feuchte, Schutz vor Pollen und Lärm sowie tiefe Schadstoffbelastung.

Die CO2-Konzentration (steigt an durch die Atmung der Bewohner) in der Raumluft bleibt auch bei hoher Personenbelegung und geschlossenen Fenstern im optimal tiefen Bereich. Dank der mechanischen Lüftung mit Wärmerückgewinnung (WRG) geht im Winter massiv weniger Wärme verloren (10 – 15 % weniger Raumwärmebedarf) als bei einem Lüftungskonzept mit manueller Fensterlüftung.

Der Weg der Luft
Aussenluft wird an einem unbelasteten Ort angesaugt und über Filter in das Lüftungsgerät geleitet. Von dort gelangt die Luft über Schalldämpfer in die Wohn- und Schlafräume. Die Luftöffnungen sind in den Wänden, Decken oder Fussböden sichtbar. Die belastete Luft verlässt die Wohnung über Öffnungen in Küche und Bad und wird zum Lüftungsgerät zurückgeführt, dort durch den WRG-Wärmetauscher geleitet und dann als Fortluft aus dem Gebäude geblasen. In der Wohnung ergibt sich also eine Luftströmung von den Wohn- und Schlafräumen zu den stärker belasteten Räumen wie WC, Bad und Küche.

Oft noch Verzicht auf Komfortlüftung trotz Vorteilen für die Bewohner
Die Komfortlüftung (Kontrollierte Wohnraumlüftung) ist ein Segen für die Bewohner. In den Wohnräumen macht sich nie mehr «abgestandene Luft» bemerkbar. Trotzdem wird bei Gebäudeerneuerungen und auch Neubauten noch zu oft auf eine automatische Lüftung verzichtet. Wegen falscher Vorstellungen. Man befürchtet störende Geräusche, lästige Zugserscheinungen. Fakt ist: Wenn der Fachplaner nach den heutigen Regeln das Kanalsystem und das Lüftungsgerät korrekt dimensioniert, die Ein- und Auslassstellen geschickt platziert und die Ventilator-Betriebsstufen optimal wählt, dann treten keine störenden Geräusche oder Zugserscheinungen auf. Zu hohe relative Feuchte (Schimmelpilz-Risiko) wegen der dichten Gebäudehülle wird zuverlässig verhindert. Wenn die Raumluft im Winter allzu trocken wird, schafft in den meisten Fällen eine optimal tiefe Lüftungsstufe Abhilfe.

Abschreckende Vorstellung ist falsch
Immer noch glauben viele Leute, auch Architekten und somit Rat suchende Bauherrschaften, dass man in einer Wohnung mit automatischer Lufterneuerung die Fenster nicht öffnen darf oder nicht öffnen soll. Diese Mär hält sich hartnäckig, teils wohl wegen der früheren schlechten Erfahrungen mit nicht optimalen Klimaanlagen. Dem Nichtfachmann ist offenbar der Unterschied zu einer reinen Lüftungsanlage zu wenig bekannt. Dass man in den eigenen vier Wänden die Fenster geschlossen lassen muss; das ist wohl die schlimmste und abschreckendste Vorstellung, die dazu führt, dass man auf eine mechanische Lüftung verzichtet. Fakt ist hier: Die Komfortlüftung übernimmt die Lufterneuerung. Das Öffnen von Fenstern ist zwar unnötig, aber durchaus erlaubt, beispielsweise um den sinnlichen Bezug nach draussen zu verbessern: Vogelgezwitscher als angenehme Geräuschkulisse ist also möglich. Die Komfortlüftung kann im Sommer ausgeschaltet werden, sofern die Wirkung von Lärmschutz, Pollenfilter oder Mückenschutz nicht wichtig ist. Dann müssen jedoch die Bewohner mit regelmässigem Öffnen der Fenster frische Luft in die Wohnung holen. Täglich mindestens 3-mal, besser 5-mal, sollte man dann die Fenster öffnen. Aber auch bei laufender Lüftung können gezielt Fenster geöffnet werden, wenn das der Wunsch der Bewohner ist, etwa nachts im Schlafzimmer. Oft wird dann ein Mückengitter im Fensterrahmen montiert.

Im Winter: ja, bitte Fenster zu
In der Heizperiode ist es natürlich sinnvoll, die Fenster im Normalfall geschlossen zu halten. Sonst wird die beabsichtigte Wirkung der raffinierten Wärmerückgewinnung (WRG) im Komfortlüftungsgerät geschmälert. Und das dauernd geöffnete Kippfenster ist künftig auch im modernen Gebäude mit Komfortlüftung definitiv nicht erwünscht.

Den vollständigen Artikel gibt es auch als PDF zum downloaden.

(Quelle: Minergie-Merkblatt "Jetzt wohnen Sie in einem Minergie-Haus")