Lüftungstechnik

David Burkhardt (rechts) wünscht sich an nächster Weiterbildung für direkte Gespräche mehr Zeit, wie zum Beispiel an der Hygienetagung. (Bilder: Emanuel Niederhauser)

Beim Arbeiten in der Küche können Brände in der Lüftungsanlage ausgelöst werden.

Das Interesse an der Weiterbildung «Brandschutz in lufttechnischen Anlagen» war gross, schon zum ersten Kurs hatten sich 22 Fachleute angemeldet.

Weiterbildung bei energiecluster.ch

Brandschutz in lufttechnischen Anlagen

Von September bis Dezember 2019 wurde die Weiterbildung «Brandschutz in lufttechnischen Anlagen» aufgeteilt auf sieben Kurstage durchgeführt. Das Angebot wurde von David Burkhardt (ADZ) und Frank Kalvelage (energie-cluster.ch) in Zusammenarbeit mit suissetec, SWKI, Isolsuisse und weiteren Organisationen erarbeitet. Wir befragten David Burkhardt über die ersten Erfahrungen.

Schon sind 6 Kurstage vorbei: konnten die Informationen den Teilnehmenden bis jetzt erfolgreich vermittelt werden und wie ist das Interesse?

David Burkhardt: Es ist tatsächlich bereits der 6. Kurstag. Als wir den Stoff zum «Brandschutz» entwickelten, hatten einige von uns Zweifel, ob überhaupt jemand solange wieder in die Schule gehen würde. Aber das Interesse war und ist riesig. Bei der ersten Durchführung stellen wir sogar fest, dass das komplexe Thema «Brandschutz in lufttechnischen Anlagen» problemlos noch mehr Zeit beanspruchen dürfte. Wir können den Stoff zwar erfolgreich vermitteln, aber auftauchende Fragen aus Zeitgründen nur teilweise beantworten. Heute Nachmittag erhalten die Teilnehmenden bereits die Aufgaben der Schlussarbeit, die Teilnehmenden müssen in den nächsten drei Wochen ein Brandschutzkonzept mit dem Fokus auf lufttechnische Anlagen erarbeiten.

Wie viele Personen machen die Weiterbildung?

Es haben sich total 22 Personen angemeldet, vier davon sind Frauen, das ist die maximal mögliche Teilnehmerzahl, man will ja zusammen Lösungen erarbeiten, Projektpläne diskutieren, das geht nicht mit mehr Personen, sonst gäbe es nur noch Referate. Gespräche und spezielle Diskussionen wären unmöglich.

Wie beurteilen Sie persönlich den Wissensstand, die grundsätzliche Ausbildung der Teilnehmenden vor der Weiterbildung?

Die Voraussetzung war ja eine Tätigkeit in der Lüftungsbranche, sei es im Bereich Planung, Installation, Instandhaltung oder es war schon ein VKF-Titel als Bandschutzfachmann oder -experte vorhanden. Die VKF-Fachpersonen konnten etwas später einsteigen, ihnen wurden die Grundlagentage erlassen, da das Wissen um Fluchtwege und Brandabschnitte bereits nachweislich vorhanden ist.

Wäre eine Teilnahme auch für einfache Feuerwehrleute möglich gewesen?

Nein, weil lufttechnische Anlagen generell nicht dem organisatorischen Brandschutz dienen, die Feuerwehrleute haben ihre eigenen spezifischen Weiterbildungen. Die bereits VKF-zertifizierten Fachpersonen müssen periodisch gewisse Fortbildungstage absolvieren, damit ihr Zertifikat weiter gültig ist. Diejenigen, die bei uns mitmachen, nutzen unseren Kurs auch, um dies zu erfüllen.

Es nehmen verschiedene Berufsgruppen teil. Machte sich dies bemerkbar, zum Beispiel bei verschieden gelagertem Fachwissen/Grundwissen? Konnten diesbezüglich generell Rückschlüsse gezogen werden für berufsspezifische Ausbildungen?

Wir haben die Kursgrundlagen aus Sicht der Lüftungstechnik entwickelt. Unsere Fachleute müssen ja nicht alle baulichen Details kennen, welche Bodenbeläge vorhanden sind usw. Aber sie müssen wissen, wo die Fluchtwege und die Brandabschnitte sind, welche Anforderungen an die jeweilige Zentrale gestellt werden und welche Feuerwiderstände eingehalten werden müssen. Ich unterrichte Brandschutz in der Gebäudetechnik seit 15 Jahren an der Hochschule Luzern, und es zeigt sich immer wieder, dass gerade Gebäudetechniker vor allem bei den Grundlagen ein Problem haben. Das heisst, sie wissen oft nicht, wo die Brandabschnitte und die Fluchtwege sind oder wie die brandschutztechnische Materialisierung aussieht.

Da braucht es eigentlich eine Art zusätzliche Materialkunde?

Ja, gerade für Planer, denn sie sind für die Submission der Aufträge zuständig. Es gab Anfragen, ob man die Grundlagenmodule überspringen und erst einsteigen könne, wenn das Thema Lüftung direkt angegangen werde, aber das konnten wir aus den genannten Gründen nicht zulassen. Die meisten kannten die technischen Details der Lüftungsanlagen auf den Baustellen, aber sie hatten wenig Kenntnis von den Grundlagen.

Oft merkt man erst während eines Kurses Verbesserungsmöglichkeiten? Hat sich das Modulsystem und die Weiterbildung über drei Monate bewährt?

Aus Erfahrungen an der Hochschule Luzern wissen wir, dass es bei neuen Weiterbildungskursen mehrere Durchläufe braucht, um ein optimales Konzept zu erreichen. Das haben wir bei diesem Kurs auch gemerkt. Ein administratives Problem ist technischer Art. Wir führen einen reinen Laptopkurs durch. Es gibt praktisch kein Papier, das bedingt z. B. genügend Steckdosen, stabiles WLAN und entsprechend grosse Räume mit Tischen, auf denen Pläne ausgebreitet werden können. Ein Folgekurs wird voraussichtlich zudem einen halben Tag länger dauern, wir hatten zum Beispiel zu wenig Zeit, abgegebene Modulprüfungen ausführlich zu besprechen.

Demzufolge sind weitere solche Weiterbildungen geplant?

Absolut, einerseits ist das Interesse sehr gross. Zum anderen hat die Entwicklung dieses Kurses viel Arbeit und Zeit benötigt, deren Kosten mit dem Pilotkurs noch nicht eingespielt werden konnten. Und jedes Jahr rücken immer wieder Fachleute der Lüftungsbranche nach, die geschult werden müssen.  


Von den 22 Studierenden haben 14 die Projektarbeiten in Zweiergruppen absolviert und erfolgreich abgeschlossen. Bei der Schlussumfrage haben alle Teilnehmenden bestätigt, dass sie den Kurs weiterempfehlen würden. Die detaillierten Rückmeldungen zum Pilotkurs werden zurzeit ausgewertet und bei der Planung des Folgekurses berücksichtigt (Durchführung im 1. Halbjahr 2020).