Lüftungstechnik

Tief einatmen am Arbeitsplatz – eine Wohltat?

Die meisten Menschen verbringen fast den ganzen Tag in geschlossenen Räumen. In vielen gewerblich genutzten Liegenschaften und je länger je mehr auch im Wohnungsbau wird der Luftaustausch durch eine Lüftungs- oder Klimaanlage sichergestellt. In der Richtlinie SWKI VA 104-01 (oder VDI 6022) wird die Qualität der Zuluft geregelt – für den Nutzer ist jedoch vor allem die Qualität der Raumluft massgebend.>

3000 Messreihen von gewerblich genutzten Räumen in der Schweiz durch die GOAG General Optimizing AG bestätigen:

Die Sauerstoffversorgung am Arbeitsplatz ist dank Lüftungsanlagen sehr gut.

Die Luft in Räumen ist, je nach gemessenen Parameter, bis zu 98 % aller Fälle besser als die natürliche Aussenluft (Voraussetzung: ordentlich instand gehaltene Lüftungsanlagen).

Gute Filter sind entscheidend: die Feinstaub-Konzentration der gefährlichen lungengängigen Partikel wird durch die Filtrierung in der Lüftungsanlage je nach Abscheidegrad um 35 % bis 95 % reduziert

Eine Fensteröffnung

bringt im Normalfall eine Verschlechterung der Raumluftqualität. Warum? Eine Lüftungsanlage saugt Aussenluft an, reinigt, wärmt (kühlt, befeuchtet) diese wirkungsvoll und leitet sie als hygienisch einwandfreies Lebensmittel in den Raum. Dabei wird durch Wärmerückgewinnung der Energiebedarf stark reduziert. Voraussetzung ist, dass die Anlagen auf dem aktuellen Stand der Technik und ordnungsgemäss instand gehalten sind.

Die durchgeführten Messungen

und deren Auswertungen nach verschiedenen Gesichtspunkten zeigen klar auf, dass die Raumluftqualität in Räumen, die mit einer Raumlufttechnischen (RLT) Anlage belüftet werden, signifikant besser ist als in der Aussenluft. Die inspizierten RLT-Anlagen sind mehrheitlich sauber und weisen wenig Mängel auf – dies entgegen der üblichen Vorurteile.

Empfehlung

Der Nutzer hat ein Anrecht auf gute Raumluft. Arbeitgeber, Eigentümer und Betreiber obliegt die Verantwortung, dies dauernd sicherzustellen. Dafür eignen sich periodische Inspektionen nach SWKI VA104-01 oder VDI 6022 Blatt 1. Wenn wirklich einmal bedenkliche Luftwerte gemessen werden, lohnt es sich, die Ursache zu suchen und rasch zu beheben. Dies ist in den meisten Fällen möglich und lohnt sich für alle.

CO2-Messungen – genügend Sauerstoff

Der Mensch verbrennt Sauerstoff und gibt über sein Stoffwechselsystem CO2 an die Raumluft ab. Die Aussenluft hat in der Regel einen Wert unter 500 Parts per Million (ppm). Ein gut belüfteter Raum sollte 1000 ppm nicht überschreiten.

Im Normalfall liefert eine Lüftungsanlage genug frische Luft, um den Raum mit Sauerstoff zu versorgen. Kritisch ist es jedoch in Räumen mit intensiver Nutzung wie Sitzungszimmer, Schulräumen und in unbewachten Räumen, die nicht mechanisch belüftet sind (vgl. Abb.1).

Empfehlung:
– gut geplante und gebaute Lüftungsanlagen mit genügender Luftversorgung vorsehen
– Wartungen und Inspektionen regelmässig durchführen
– Fenster öffnen zulassen
– Luftverschlechterung aufzeigen. 

Raumluft besser als Aussenluft

Über 3000 Messungen in gewerblich genutzten Räumen mit Lüftungsanlagen bestätigen: Die Qualität der Zuluft einer Lüftungsanlage ist bis auf wenige Ausnahmen wesentlich besser als in der natürlichen Aussenluft (Ausnahmen sind schlecht gewartete Anlagen, Problemfälle in Räumen).

Bisherige Richtlinien verlangen, dass die Zuluft nicht schlechter ist als die Aussenluft. Die Messungen zeigen, dass über Filter die Luft von Pollen, Staub und Keimen stark gereinigt wird. Auch die Raumluft ist insgesamt besser als die Aussenluft. Dies ist vor allem für Allergiker, Kinder, ältere Personen und Betagte sehr entlastend. Deshalb ist Vorsicht beim Öffnen der Fenster geboten (vgl. Abb. 2).

Empfehlung: Die bisherigen SWKI-Richtlinien gehen nicht auf Vorgaben für Raumluft ein. Im Blatt drei der VDI 6022 (Raumlufttechnik, Raumluftqualität) werden einige wichtige Parameter der Raumluftqualität erwähnt, die Gesamtkeime und die Schimmelpilze fehlen jedoch. Basierend auf bisherigen Erfahrungen werden folgende Grenzwerte empfohlen:

– 200 KBE für Schimmelpilze
– 500 KBE für Gesamtkeime.

Feinstaubkonzentration in der Raumluft

Feinstaub ist eins der grossen Probleme des 21. Jahrhunderts. Gemäss dem Max-Planck-Institut für Chemie auf der Grundlage von Daten aus dem Jahr 2010 rechnen die Forscher, dass in Europa pro Jahr 380000 erwachsene Menschen aufgrund der Schadstoffbelastung in der Luft frühzeitig sterben (Hinweis auf EFA-Blatt unter svlw.ch).

Deshalb sollte etwas gegen den Feinstaub in Aufenthaltsräumen unternommen und gute Filter bezüglich Hygiene und Energie ausgewählt werden. Ein Vergleich unserer Feinstaubmessungen Aus-
senluft und Raumluft bestätigt, dass es in der Raumluft bei einer Lüftungsanlage mit F7-Luftfiltern ca. 40 % weniger und bei einer Lüftungsanlage mit besseren F7-
und F9-Filtern ca. 85 % weniger lungengängige Feinstaubpartikel hat. Hinweis: Die neue ISO 16890 verlangt spätestens ab Juni 2018 auch in der Schweiz eine Filterklasse ePM1 > 50 % (vgl. Abb. 3).

Entscheidend für Feinstaubmessungen im Raum ist die Qualität der Filtermedien in der Lüftungsanlage. Die einzelnen Messungen bestätigen eine direkte Korrelation (Ausnahmen sind defekte Filter oder grosse Feinstaubquellen wie z. B. alte Laserdrucker).

Empfehlung: Die Lüftungsanlagen sollen wo immer möglich mit der Filterklasse ISO ePM1 ≥ 85 % (alte Bezeichnung F9) ausgerüstet werden. Dabei sollte man auch Elektrofilter nicht ausser Acht lassen, diese entsprechen in etwa der Filterklasse E10. Ein weiterer Vorteil von Raumluft mit wenig Feinstaubpartikeln ist, dass bei trockener Luft viel weniger Irritationen der Schleimhäute auftreten – im Optimalfall können Befeuchtungsanlagen ausser Betrieb genommen werden (Hinweis: Merkblatt Luftbefeuchtung vom Bundesamt für Energie, Bezugsquelle www.bundespublikationen.admin.ch, Artikel-Nr. 805.162.1D).

Auswertungen im Vergleich

Schimmelpilze und Gesamtkeime in der Zuluft

Bereits ISO ePM1 ≥ 50 % Luftfilter (alte Bezeichnung F7) minimieren die Keime und die Schimmelpilze in der Zuluft drastisch. In den Abbildungen 4 + 5 werden über 2500 Aussenluftmessungen mit direkt dazugehörenden Raumluftmessungen verglichen (die Diagramme wurden bei 1000 Koloniebildenden Einheiten KBE beschnitten).

Gemäss SWKI VA104-01 darf eine Lüftungsanlage die Zuluft gegenüber der Aussenluft nicht verschlechtern.

Eine erhöhte Gesamtkeimzahl in der Zuluft deutet auf eine Mess-ungenauigkeit durch Vermischung mit der Raumluft hin oder auf eine Verschmutzung des Zuluftkanalsystems.

Bei Schimmelpilzen in der Zuluft muss deren Ursache gesucht und beseitigt werden.

Schimmelpilze und Gesamtkeime in der Raumluft

Wir leben die meiste Zeit in Räumen. Deshalb ist es wichtig, ob wir uns in den Räumen wohlfühlen und dass uns die Luft nicht krankmacht. Temperatur, Feuchte, CO2, Zug, Licht, Lärm und weitere Parameter sind in der Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz geregelt – die mikrobiologische Luftqualität als solches jedoch nicht. Die Abbildungen 6 + 7 zeigen die Verteilung von Gesamtkeimen und Schimmelpilzen in der Raumluft von 3000 Messungen. Alle Messungen wurden vom akkreditierten Labor Bioexam in Luzern ausgewertet.

Bei Werten von über 500 KBE Gesamtkeime wird davon ausgegangen, dass der Raum durch die Lüftungsanlage nicht genügend durchspült ist.

Bei Werten von über 200 KBE Schimmelpilze ist davon auszugehen, dass die Lüftungsanlage entweder nicht sinngemäss betrieben wird (Fensterlüftung) oder dass es eine Quelle von Schimmelpilzen im Raum gibt.

Empfehlung:
– Begleiterscheinung einer hohen Keimbelastung im Raum ist oft ein Kratzen oder Husten der Nutzer. Deshalb ist bei mehr als 500 KBE Gesamtkeime in der Raumluft zu prüfen, ob eine Verbesserung durch die Verlängerung der Betriebszeiten oder durch die Erhöhung der Zuluftrate erreicht werden kann. Die Raumluftqualität kann allenfalls auch mit einem geeigneten Luftreinigungsgerät verbessert werden.
– Schimmelpilze gehören nicht in die Raumluft. Ein hohes Vorkommen an Schimmelpilzen in der Raumluft deutet entweder auf Lüften mit dem Fenster hin oder die Quelle der Schimmelpilze liegt im Raum. Im zweiten Fall sind die entsprechenden Massnahmen von Spezialisten rasch einzuleiten.

 

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