Sanitär

Grundlegendes zur Sanitärtechnik:

Die Sanitärtechnik befasst sich als Teilbereich der Haustechnik mit technischen Installationen der Gas- und Wasserversorgung sowie der Abwasserentsorgung, einschliesslich der daran angeschlossenen Einrichtungsgegenstände in Bädern, Dusch- und Toilettenanlagen.

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Stefan Kötzsch: «Man muss sehen, dass sich die Schweiz mit dieser Regulierung sehr viel Zeit gelassen hat.» (Bilder: zVg)

Bei fehlendem hydraulischem Abgleich werden kritische Kennwerte - hier die Rücklauftemperatur von ≥ 55 Grad Celsius - unterschritten.

Solches «Trinkwasser» lässt nicht nur Installateuren alle Haare zu Berge stehen.

«An der Trinkwasserhygiene kommt niemand vorbei»

Mit der Richtlinie W3/E4 ist das Regelwerk für Trinkwasserinstallationen vorerst komplett. Was bedeuten die neuen Vorgaben für den Unterhalt und die Kontrolle von Installationen? Und weshalb sollten sich Planer und Installateure lieber heute als morgen damit beschäftigen? Ein Gespräch mit Stefan Kötzsch.

Stefan Kötzsch, der grosse Begriff in der W3/E4 heisst «risikobasierte Selbstkontrolle». Beginnen wir mit dem ersten Teil dieses Konzepts: Wie viel wissen Gebäudebetreiber überhaupt, wenn es um Risiken bezüglich des Trinkwassers geht?

Die meisten wissen, dass beim Trinkwasser auch mal etwas schief gehen könnte. Doch es fehlen die zeitlichen und finanziellen Ressourcen. Deshalb wird das Thema häufig heruntergespielt und in der Schublade versenkt. «Es wird schon nichts passieren», scheint da die Devise zu sein. Tatsächlich sind Trinkwassersysteme sehr gutmütig. Es müssen viele problematische Faktoren zusammenkommen, bis ein gesundheitliches Problem entsteht. Doch wenn ein System erst einmal gekippt ist, wird man mikrobiologische Probleme nur sehr schwer wieder los.

Bereits die W3/E3 wurde von manchen Branchenverbänden, aber auch vom Hauseigentümerverband, kritisiert. Die E4 mit ihren detaillierten Ausführungen stösst zum Teil ebenfalls auf Kritik. Wird das Trinkwasser überreguliert?

Nein, das finde ich nicht. Man muss sehen, dass sich die Schweiz mit dieser Regulierung sehr viel Zeit gelassen hat. Unsere Nachbarländer sind hier schon viel früher aktiv geworden, und letztlich ist das neue Regelwerk eine Folge des rechtlichen Nachvollzugs. Das revidierte Lebensmittelgesetz (LMG) wurde bereits 2017 in Kraft gesetzt. Die rechtlichen Vorgaben waren also vorhanden, aber keine Rahmenbedingungen für deren Einhaltung.  Mit der W3/E3 und der W3/E4 wurden gewissermassen die Leitplanken nachgeliefert, damit die Ansprüche des LMG und von dessen Verordnungen umgesetzt werden können. Natürlich werden diese beiden Richtlinien aufgrund der Erfahrungen in der Praxis auch wieder überarbeitet und angepasst werden.

In der W3/E3 wurde die «risikobasierte Selbstkontrolle» etabliert. Das heisst, die Gebäudebetreiber stehen in der Pflicht, ihre Installationen selber angemessen zu unterhalten und zu prüfen. Mit der W3/E4 wird diese Selbstkontrolle nun auf über 80 Seiten ausformuliert. Müssen diese Empfehlungen allesamt eingehalten werden?

Das ist nicht die Idee. Die zwei Richtlinien sind gewissermassen ein Werkzeugkoffer für Planer, Installateure und Betreiber. Sie unterscheiden klar zwischen verschiedenen Gebäude- und Nutzungstypen. Ein Spital mit Intensivpflegestation wird anders bewertet als ein reguläres Altersheim oder eine Schule. Das heisst, je nach Objekttyp benötigt man andere Werkzeuge und muss andere Auflagen erfüllen. Viele Massnahmen hängen zudem stark von der Planung, der Ausführung und dem Alter der Installation ab. Es kann sein, dass ich bei einem Objekt mit weniger Checks und Massnahmen durchkomme, bei einem anderen Objekt aber viel genauer hinschauen muss. Die W3/E4 deckt naturgemäss alle möglichen Fälle ab, und deshalb fällt sie auch etwas umfangreicher aus.

Die Diskussion um Trinkwasserhygiene ist seit Jahren stark auf Legionellen fokussiert. Wie viel Schaden richten diese an?

Derzeit werden pro Jahr ungefähr 500 bis 600 Fälle von Legionellose gemeldet. Das sind Fälle mit einem schweren Verlauf. Rund 10 Prozent der Patienten, die mit dieser Diagnose hospitalisiert werden, sterben daran. Und nicht wenige, die einen schweren Verlauf durchgemacht haben, leiden an Langzeitfolgen. Man weiss aber mittlerweile, dass die Dunkelziffer der schweren Verläufe deutlich höher ist. So werden längst nicht alle Fälle aufgedeckt. Besonders bei Einzelfallerkrankungen, die ca. 90 Prozent der Fälle ausmachen, müssen Diagnostik und Rückverfolgung noch zulegen. Zudem ist das Pontiac-Fieber zu bedenken, dies ist die milde Verlaufsform einer Legionellen-Infektion. Die Betroffenen entwickeln keine atypische Lungenentzündung, in der Regel sind sie für «nur» zwei bis drei Tage mit Grippesymptomen ausser Gefecht.

Was sich nach Grippe anfühlt, kann also eine Erkrankung aufgrund der Legionellen sein?

Ja, und man geht davon aus, dass diese Krankheitsfälle infolge der Fehltage der Betroffenen einen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten. Laut Schätzungen tritt das Pontiac-Fieber ungefähr 10 bis 100 Mal häufiger auf als der schwere Verlauf der Legionellose. Das Pontiac-Fieber zu diagnostizieren, ist allerdings sehr kompliziert, aufwendig und teuer, deshalb wird es kaum gemacht.

Damit sich Legionellen in der Trinkwasserinstallation möglichst schwer vermehren können, unternimmt man seit einigen Jahren grosse Anstrengungen. Werden damit «nur» Legionellen bekämpft, oder wird die Hygiene insgesamt verbessert?

Es braucht viele Puzzleteile, damit sich Legionellen zusammen mit den Amöben, die den Legionellen als Brutstätte dienen, vermehren können. Viele dieser Puzzlesteine begünstigen auch das Wachstum von anderen Pathogenen. Zu den bekannten Sorgenkindern im Trinkwasser gehören zum Beispiel Pseudomonas aerugionosa, nicht tuberkulöse Mykobakterien oder Acinetobacter baumannii. Dazu kommen noch diverse Pilze, Protozoen und Viren. Diese Pathogene haben unterschiedliche Besiedlungsstrategien und Infektionsmechanismen. Sie unterliegen aber gewissen Wachstumsbedingungen und Symbiosen. Wenn die Rahmenbedingungen nach den anerkannten Regeln der Technik eingehalten werden, kann man deshalb auch das Risiko des Auftretens anderer Krankheitserreger minimieren.

Trotzdem fällt es vielen Leuten schwer zu akzeptieren, dass das vielgerühmte Schweizer Trinkwasser nicht perfekt ist. «An unserem Wasser ist noch keiner gestorben», heisst es zuweilen.

Ja, diese Perfektion steckt in den Köpfen. Die Qualität des Schweizer Trinkwassers ist tatsächlich sehr hoch und der Grund dafür sind die öffentlichen Versorger mit ihrer täglichen Arbeit. Doch wir dürfen die Gebäudeverteilung nicht aus der Pflicht entlassen. Die Sanitärbranche sowie die Eigentümer und Betreiber müssen ihren Teil beitragen, um die Trinkwasserqualität zu erhalten. Denn wie jedes Lebensmittel, wird auch Trinkwasser bei unsachgemässer Behandlung schlecht.

Wann zum Beispiel?

Legionellen sind Teil der natürlichen Trinkwassermikrobiologie, treffen aber erst in unseren technischen wasserführenden Systemen am Ende des Verteilprozesses auf stark wachstumsfördernde Bedingungen. Ich meine damit nicht nur Trinkwasserinstallationen. Unter anderem sind da noch Autowaschanlagen, Gartenbewässerungen, Rückkühlwerke (Nassabscheider), Kühltürme, Luftbefeuchter, Whirlpools oder Zimmerspringbrunnen zu erwähnen.

Wie häufig sind denn die Problemfälle bei wasserführenden Systemen?

Ich gehe davon aus, dass zirka 30 bis 40 Prozent der Gebäude-Trinkwasserverteilsysteme in der Schweiz mit Legionellen kontaminiert sind. Der Grossteil der Systeme wird aber nur einen leichten bis moderaten Befall aufweisen. Schätzungsweise 10 Prozent aller Systeme werden hingegen einen massiven Kontaminationsgrad erreichen. Fast immer ist nur ein Teilbereich der Installation betroffen, aber nicht das ganze System.

Warum hört man über diese doch zahlreichen Fälle so wenig?

Das liegt auch daran, dass viele Betreiber mangels Kontrolle gar nicht wissen, dass ihr System ein Problem hat. Und wenn ein Problem bekannt wird, versucht man es, möglichst lange totzuschweigen. Spätestens wenn die kantonalen Behörden aufgrund von Infektionsfällen oder Kontrolluntersuchungen aktiv werden und Massnahmen verhängen, die bis zu einem Duschverbot reichen können, eskaliert die Situation. Wir kümmern uns mehrheitlich um die wirklich schweren Fälle. Häufig wurden da schon einige Ressourcen «verbrannt», leider meistens ohne Sanierungserfolg. Aktuell betreuen wir schweizweit ca. 25 Liegenschaften.

Ruft man Sie immer erst, wenn das Haus schon brennt?

Leider ist das meistens so. Aktuell haben wir nur wenige Präventionsaufträge. Die Beratung in Problemfällen bindet unheimlich viele Ressourcen. Bei schweren Fällen kann die Sanierung gerne mal bis zu 12 Monate in Anspruch nehmen, und auch ein Teil- oder Vollersatz des Leitungssystems kann vorkommen. Wie andere Akteure in der Gesundheitsbranche kämpfen auch wir mit dem berühmten Präventionsparadox. Das heisst: Wir können nicht beweisen, dass durch unsere Herangehensweise ein Problem vermieden wurde. Denn wenn man präventiv handelt, tritt dieses Problem ja nicht ein. Doch ob wir nun von der Planung, dem Bau oder dem Betrieb reden – der Aufwand an Zeit, Geld und Nerven für eine Qualitätssicherung respektive eine Selbstkontrolle ist immer weit geringer als der Aufwand zur Eliminierung eines Problems.

Zur Selbstkontrolle gehört auch die Probenentnahme. Wie klar sind hier die Abläufe?

Die Behandlung der Probe im Labor ist geregelt. Dafür gibt es ISO-Normen und eine klare Methodik. Doch die Entnahme der Probe im Gebäude und der Weg dieser Probe bis zum Labor sind in der Schweiz völlig uneinheitlich. Praktisch jedes Labor hat eigene Vorgaben, wo die Probe entnommen wird, ob man nur Warmwasser, nur Kaltwasser oder aber Mischwasser entnimmt. Auch das Verwurfsvolumen oder die Qualifikation des Probennehmers sind nicht definiert. Diesbezüglich haben wir in der Schweiz Zustände wie im Wilden Westen. Man muss bedenken, dass unsachgemäss erhobene Proben zu kostspieligen Fehlentscheiden führen können oder den Nutzer in falscher Sicherheit wiegen. Noch 2021 wird die W3/E4 deshalb ein empfehlendes Zusatzdokument erhalten, in dem die Probenentnahme und der Umgang mit Proben ganz klar und nachvollziehbar erläutert werden.

Für die meisten Planer und Installateure dürfte der Umgang mit Proben Neuland sein. Wie kommt man zu den nötigen Informationen?

Für die Beprobung sind in der Regel weder Planer noch Installateur zuständig, sondern der Probennehmer. Er weiss, was er zu tun hat und ist unabhängig. Natürlich können auch Installateure Proben nehmen, wenn sie entsprechend geschult sind. Seit drei Jahren gibt es an der HSLU den Weiterbildungskurs «Trinkwasserhygiene im Gebäude». Das ist eine tolle Grundlage, die ich allen empfehlen kann, die sich ins Thema Trinkwasserhygiene einarbeiten wollen. Seit 2021 gibt es zudem den Weiterbildungskurs «Probenahme Legionellen», der von Franziska Rölli, HSLU, entwickelt und geleitet wird. Hier lernt man ganz spezifisch, was man bei der Probenahme beachten muss. Weitere Kurse mit unterschiedlichen Inhalten werden sicherlich folgen.

Also quasi ein CAS Trinkwasserhygiene?

Nein, wir werden kein CAS entwickeln, damit alle Interessierten nach wie vor freien Zugang haben. In Zusammenarbeit mit HSLU, Suissetec und der Schweizerischen Technischen Fachschule in Winterthur entwickeln wir gerade das Kursangebot weiter. Die Idee lautet: Hilfe zur Selbsthilfe. Wer sich in der Trinkwasserhygiene weiterbilden will oder muss, erhält so eine ideale Unterstützung.

Wird die Trinkwasserhygiene damit zum neuen Leitthema für die Branche?

Die Trinkwasserhygiene war schon immer das Leitthema, nur wurde das nicht bemerkt. Wer sich mit Trinkwasser beschäftigt, ob nun als Installateur oder als Facility Manager, kann sich diesem Thema gar nicht entziehen. Das Regelwerk ist da, nun sollte es umgesetzt werden. Ich betone aber immer wieder, dass die Sanitärbranche damit auch neue Geschäftsmöglichkeiten erhält. Der Beratungs- und Lösungsbedarf der Endkunden wird zunehmen, und die Fachkompetenz sowie das Fachwissen müssen mitwachsen. Wir alle wollen und brauchen einwandfreies Trinkwasser. Die Sanitärplaner und Installateure können sich hier profilieren und erst noch ihren Beruf aufwerten.

Sanitärtechnische Installationen

Sanitärtechnische Installationen (von Sanitas: lateinisch für Gesundheit) dienen überwiegend der Hygiene und der Gesundheit des Menschen und spielen somit insbesondere in Schwimmbädern, Saunen, Grossküchen und Betrieben der Lebensmittelwirtschaft eine wichtige Rolle. Neben der Ver- und Entsorgung von Trinkwasser in Wohngebäuden und Arbeitsstätten, werden besonders in Landwirtschaft und Industrie auch Nutzwasser-Anlagen installiert.

Was genau sind Sanitärobjekte:

Sanitärobjekte und Armaturen wie Mischbatterien werden täglich verwendet.

Zu den Sanitärobjekten zählen Waschbecken, Bidets, WC-Becken, Dusch-WCs, Urinale, Badewannen oder Duschtassen. Viele davon werden traditionell aus Keramik bzw. Porzellan gefertigt und als Sanitärkeramiken bezeichnet. Nicht zu den Keramiken zählen Ausgussbecken, Bade- und Duschwannen, da diese oft aus emailliertem Stahlblech oder aus Acryl hergestellt sind.

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