Gruppenbild mit den drei Interviewpartnern: Daniel Schneider (Leiter Marketing- und Produktmanagement), Beat Loretz (Leiter Marketing & Verkauf und Mitglied GL) und Stephan Schmitter (Leiter Training und Kundenhaus Optinauta).

Die UP-Box für die einfache thermische Trennung auf der Etage war eine der viel beachteten Neuheiten an der Swissbau. Mit dem Web-Konfigurator kann sie perfekt auf die Einbausituation abgestimmt werden.

Innovationen für die Trinkwasserversorgung

Die Trinkwasserinstallation von Nussbaum

Die Nussbaum-Trinkwasserinstallation ist eine W3- und SIA-385/1+2-konforme, optimierte Gesamtlösung aus einer Hand, bei der alle Systeme und Produkte aufeinander abgestimmt sind.

Wie es dazu kam, welchen Wandel die Lösung erlebte und welchen neuen Herausforderungen sie ausgesetzt ist, erläutern Beat Loretz, Daniel Schneider und Stephan Schmitter.

Die Nussbaum-Trinkwasserinstallation gilt in der Sanitärtechnik als das Musterbeispiel einer Gesamtlösung. Was macht sie so einzigartig?

Beat Loretz: Nussbaum deckt als Hersteller ein Gesamtpaket für die Trinkwasserinstallation mit schnittstellenfreien Übergängen vom Keller bis zur Etage ab. Diese Konstellation ist einzigartig. Zuverlässigkeit, Montagefreundlichkeit und Langlebigkeit zählen zu den besonderen Eigenschaften.
 
Stephan Schmitter: Die Erfolgsgeschichte dauert nun schon länger als 30 Jahre, was selbst ungewöhnlich ist. Edelstahl im Keller und in der Steigzone, Kunststoff auf der Etage mit Schweizer Einlegetechnik sowie auf die Installa¬tionssysteme abgestimmte Armaturen sind zum Referenzwert in der Trinkwasserinstallation und zum Markenzeichen von Nussbaum geworden.

Daniel Schneider: Einfach fliessendes Wasser im Gebäude zu haben, genügt uns nicht. Uns geht es darum, das lebensnotwendige Gut optimiert nach allen massgeblichen Kriterien wie Hygiene, Menge, Temperatur oder Druck den Nutzern zugänglich zu machen, so dass maximaler Kalt- und Warmwasserkomfort resultiert. Nussbaum ist auf dem Schweizer Markt der einzige Hersteller, der ein durchgängig druckverlust-optimiertes Verteilsystem anbietet.

Im Jahre 1989 wurde die Paketlösung aus der Taufe gehoben. Wie hat der Markt auf die Innovation reagiert?

Daniel Schneider: Ich habe die ganze Entwicklung hautnah miterlebt, wurde ich doch Ende 1988 von Nussbaum für die Einführung von Optipress eingestellt. Natürlich gab es anfänglich skeptische Stimmen, so etwa die Ansicht, dass Edelstahl aus Preisgründen nur in Luxusobjekten eingesetzt werden könnte oder der Dichtring zu wenig beständig wäre. Aus damaliger Sicht war es schlicht unvorstellbar, dass in nicht allzu ferner Zukunft in der haustechnischen Trinkwasserverteilung Edelstahl bzw. Optipress-Aquaplus erste Wahl im Keller und in der Steigzone sein würde.

Beat Loretz: Mit der Einführung von Optipress hat in der Trinkwasserinstal¬lation ein radikaler Umbruch stattgefunden, und zwar in der Form, dass sich das Verhältnis zwischen Arbeit und Material in Richtung Letzterem verschob. Arbeit hatte sich überproportional verteuert, was einem Paradigmenwechsel Vorschub leistete. Ein höherer Materialaufwand musste aber zwangsläufig mit einer schnelleren Verarbeitung kompensiert werden. Dank der Presstechnik wurde dies möglich. Die Steigerung der Arbeitseffizienz geht weiter und erschliesst heute neue Bereiche bzw. Dienstleistungen wie die Vorfabrikation, Konfektionierung oder die Inanspruchnahme spezialisierter Leistungspartner.

Stephan Schmitter: Dass damals die Presstechnik in der Heizungsbranche schon bekannt war, dürfte in Mischbetrieben deren Übernahme auf den Sanitärbereich erleichtert haben. Für den Erfolg der Presstechnik war das Presswerkzeug selbst ganz entscheidend. Es musste handlich und zuverläs¬sig sein. Nussbaum hat mit der Einführung von hydraulischen anstelle von elektromechanischen Presswerkzeugen eine neue Ära eröffnet und im Laufe der Jahre die Presstechnik perfektioniert. Von DN 15 bis DN 100 kann jede Verbindung mit dem gleichen Presswerkzeug hergestellt werden. Lange Akku-Laufzeiten verbessern die Wirtschaftlichkeit in der Ausführung weiter.

Im Laufe der Jahre sind eine Reihe von Innovationen dazugekommen. Welches waren aus Ihrer Sicht die bedeutendsten?

Beat Loretz: Ein Trinkwassersystem über 30 Jahre hinweg auf Wachstums¬kurs zu halten, ist ohne intensive Pflege nicht denkbar. Für mich war die Einführung des nickelfreien Edelstahlrohrs 1.4521 von besonderer Bedeutung, die zum richtigen Zeitpunkt kam, als die Nickelpreise durch die Decke schossen. Eine neue Dimension in der druckverlust-optimierten Trinkwasserverteilung auf der Etage markierte die Lancierung des Steckverbinders Optiflex-Profix mit Fittingtyp A und werkzeugloser Verbindungstechnik.

Daniel Schneider: Eine wichtige Wegmarke punkto Sicherheit setzte man mit der SC-Contour, wonach eine unverpresste Verbindung sichtbar undicht ist. Sodann hat man das an sich schon breite Fitting-Sortiment beständig ausgebaut. Neu hinzu kamen weiter Ventile mit direktem Pressanschluss.

Stephan Schmitter: Stichworte für Innovationen jüngeren Datums sind etwa die Stellantriebs-Einheit Easy-Matic oder das Druckmessgeräte-Set P4000 für die Druckprüfung mit Luft. Neu vorgestellt an der Swissbau wurden die UP-Box für die einfache thermische Trennung auf der Etage sowie ein elektroni¬sches Zirkulationsregulierventil als Instrument für Komfort und Trinkwasserhygiene.

Inwiefern ist die Digitalisierung in der Trinkwasserinstallation ein Thema?

Beat Loretz: BIM zum Beispiel hat grosse Auswirkungen auf Planungs- und Bauprozesse, und zwar für alle Partner des digitalen Modells, also auch für den Sanitärbereich inklusive der Trinkwasserinstallation. Und die Zeit drängt, denn für Bund und bundesnahe Betriebe wie Post oder SBB müssen bereits ab 2021 Projekteingaben als BIM-Modelle erfolgen. Auch im privaten Sektor dürfte die Methode in absehbarer Zeit Fuss fassen. Bei Nussbaum ist praktisch das ganze Sortiment digital abrufbar. Im Sinn von Open-BIM (ifc) liegt der Akzent auf der softwareunabhängigen Verwendbarkeit der Produktdaten.

Daniel Schneider: Die eben geschilderte Entwicklung wird sich auf unser Denken, die interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Prozesse auswirken und zu Veränderungen führen, so etwa in den Bereichen Vorfertigung, Kon¬fektionierung und Logistik. Was dies für die HLKSE-Disziplinen bedeuten könnte, lässt sich am Beispiel des Holzbaus vergegenwärtigen, der in dieser Beziehung schon weiter fortgeschritten ist als die restliche Baubranche.

Beat Loretz: Für uns heisst dies etwa, dass wir auftragsspezifisch produzieren und das Material nicht nur rechtzeitig (Just-in-Time, JIT) in der benötigten Menge, sondern auch in der Reihenfolge der benötigten Module anliefern. Was morgens auf die Baustelle kommt, wird abends verbaut sein. In diesem Rhythmus wird der Bauprozess voranschreiten.

Stephan Schmitter: Wird digital geplant, ist dafür der Aufwand tendenziell grösser als nach konventioneller Methode, was unter gegebenen Marktver¬hältnissen eine Kompensation an anderer Stelle bzw. eine höhere Ausführungseffizienz bedingt. Dafür sprechen Erfahrungen, die wir bei Grossprojekten gemacht haben. Nicht allein Bauprozesse werden davon betroffen sein, ebenso die Berufsbilder.

Neben der Qualität spielen heute bei einer Installation auch Faktoren wie Hygiene und Umwelt eine Rolle. Kann Ihre Lösung da auch punkten?

Beat Loretz: Absolut. So haben wir an der Swissbau 2020 das Nussbaum Trinkwasser-Hygienekonzept vorgestellt, das nach neusten Erkenntnissen entwickelt wurde. Es handelt sich um ein dreistufiges Modell mit logischen Teilschritten, die in der Summe zu einer hygienisch einwandfreien Trinkwas¬serqualität führen. Unter die Nachhaltigkeit subsumieren wir ökologische, ökonomische und soziale Aspekte und fördern mit unserem Verhalten, unseren Innovationen, einer klimaschonenden Leistungserstellung und der Kreislaufwirtschaft die Nachhaltigkeit. Dass bei uns neu auch bleifreie Instal¬lationen möglich sind, ist ein weiterer Beleg für dieses Engagement.

Welches sind die Hauptgründe für den dauerhaften Erfolg der Nussbaum-Trinkwasserinstallation?

Daniel Schneider: Ich denke, dass das Gesamtpaket mitsamt den starken Dienstleistungen Plantec, Service und Individual einfach stimmig ist. Weiter haben Innovationen, die teils ihren Ursprung in Rückmeldungen von Planern oder Installateuren hatten, dazu beigetragen, dass der Zuspruch nach wie vor gross, die Wahrnehmung positiv und die Zufriedenheit hoch ist.

Stephan Schmitter: Ohne Zweifel spielt es auch eine Rolle, dass ein wesentlicher Teil des Nussbaum-Sortiments in der Schweiz nach hohen einheimischen Qualitätsmassstäben mit eigenen Produktionsmitteln hergestellt wird. Die Nussbaum Trinkwasserinstallation erfüllt in jeder Hinsicht höchste Anforderungen, reduziert die Komplexität und hat dazu den Vorteil, dass die Anlage, wie umfangreich und vielfältig sie auch sein möge, mit einem Ansprechpartner geplant und ausgeführt werden kann.

Beat Loretz: Wer die Nussbaum-Trinkwasserinstallation unter dem Blickwinkel von Komfort, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit betrachtet, wird im Markt vergeblich nach einer Alternative Ausschau halten, die als Gesamtlösung und eingebettet in die umfassende Nussbaum-Gesamtleistung aus einer Hand so viele überzeugende Vorteile wie unser System aufweist. Als Innovator bzw. Hersteller mit Direktvertrieb können wir unseren Kunden dazu Möglichkeiten bieten, welche die Montageeffizienz nachhaltig verbessern.

Vgl. auch Printausgabe von HK-Gebäudetechnik Nr. 12/19, S. 68-70: Das Nussbaum Trinkwasser-Hygienekonzept, 3-Stufen-Modell: Material, Temperatur, Stagnation. www.nussbaum.ch