Zwei Arbeitsschritte: Oben das mit einem Strahlverfahren vorbereitete, blanke Metallrohr.

Zwei Arbeitsschritte: Links das mit einem Strahlverfahren vorbereitete, blanke Metallrohr. Rechts: nach Aufbringen der Epoxidharzschicht.

Unten: nach Aufbringen der Epoxidharzschicht.

Problematische Oberfläche nach einer Rohrinnensanierung mit Epoxidharz.

Problematische Oberfläche nach einer Rohrinnensanierung mit Epoxidharz.

Rohrinnensanierung mit Epoxidharz: Mustervereinbarung des Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfaches (SVGW)

Sicheres Sanieren mit Epoxidharz

Epoxidharz kommt seit den 80er-Jahren bei Sanierungen von Trinkwasserleitungen zum Einsatz. Weil dabei bei Hausinstallationen immer wieder Probleme auftreten, rät der Schweizerische Verein des Gas- und Wasserfaches (SVGW) ausdrücklich von einer Rohrinnensanierung mit Epoxidharz ab. Wird sie trotzdem eingesetzt, soll eine neue Mustervereinbarung des Vereins dafür sorgen, rechtliche Sicherheit vor ungenügenden Rohrinnensanierungen mit Epoxidharz zu garantieren.

Theoretisch ist die Sanierung alter Leitungen mit Epoxidharz eine ideale Lösung. Die alten Leitungen müssen nicht herausgebrochen werden. Das bedeutet keinen Eingriff in die Gebäudesubstanz, einen kleineren finanziellen Aufwand und meistens auch weniger Probleme wegen Nutzungs- und Eigentumsverhältnissen. Nicht zu vergessen gilt es natürlich auch, dass die Leitung wieder dicht und vor Korrosion durchs Wasser geschützt ist.

Zu viel Dreck bei der Polizei
So weit die Theorie. Etwas anders sieht es in der Praxis für das Verfahren der Rohrinnensanierung mit Epoxidharz aus, das 1987 von einem Schweizer Ingenieur zum Patent angemeldet wurde. Mit der Zunahme an Sanierungen kam es zu mehreren Beanstandungen. So zeigte letztes Jahr die Sendung «Einstein» das Beispiel des Polizeikommandos Aargau, bei dem sich die Wasserqualität nach einer Rohrinnensanierung so verschlechtert hatte, dass später zusätzlich Spülautomaten eingebaut werden mussten.

Doch nicht nur das Wasser bei der Polizei erlitt eine Trübung. Eine 2008 publizierte Untersuchung, ebenfalls aus dem Kanton Aargau, ergab, dass in 34 Gebäuden mit Epoxidharz beschichteten Leitungen nur in 13 Fällen das Wasser einwandfrei war. Die häufigsten Mängel waren eine bakteriologische Verkeimung, Fremdgeruch oder chemische Fremdstoffe. Besonders ausgeprägt war die Beeinträchtigung des Wassers nach mehrstündiger Standzeit in der Leitung. Nach einigen Minuten Vorlaufzeit kam in den meisten beanstandeten Fällen wieder einwandfreies Wasser aus den Leitungen. Vereinzelt bestand die Verkeimung aber weiterhin. Obwohl die Untersuchung klare Hinweise auf mangelhafte Sanierungen gab, konnten die Autoren aufgrund der Daten keine Beurteilung des Gesundheitsrisikos vornehmen. Ebenfalls unklar blieb, wie weit neben den festgestellten groben Mängeln auch Spuren problematischer Substanzen vorhanden sind.

Massnahme des Bundes: Information
Die Sanierungsproblematik entging auch dem Bund nicht. 2012 versandte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) das «Informationsschreiben Nr. 165 betreffend die Rohrinnensanierung von Trinkwasserleitungen in Hausinstallationen mittels Epoxidharzen.» Darin wird darauf hingewiesen, dass Epoxidharzbeschichtungen in Trinkwasserleitungen im rechtlichen Sinne Bedarfsgegenstände sind und unter das Lebensmittelrecht fallen. Sie dürfen also nur Stoffe abgeben, die gesundheitlich unbedenklich und technisch unvermeidbar sind sowie keine Veränderung der Zusammensetzung oder der Wahrnehmung der Lebensmittel herbeiführen. Das Schreiben verweist auch auf Positivlisten von Materialien, die sich für Beschichtungen von Trinkwasserleitungen eignen. Es wird zudem darauf hingewiesen, dass nicht nur dem Material, sondern auch dem Verfahren spezielle Beachtung zu schenken ist. Es wird jedoch auch erwähnt, dass es in der Schweiz keine etablierte Prüfung gibt, welche die Tauglichkeit eines Verfahrens garantiert.

Die Schwierigkeit, ein Verfahren verlässlich zu prüfen, und der Mangel an Produkten, die auf der vom BAG erwähnten Positivliste waren, hatten den SVGW dazu bewogen, die Arbeiten für ein Reglement zu Epoxidharzen abzubrechen. Die Partnerverbände in Deutschland und Österreich, der DVGW und ÖVGW, erliessen aus den gleichen Gründen keine Empfehlungen oder Vorschriften.

Doch auch der Bund tat sich weiterhin schwer. Eine für den Sommer 2013 geplante Verordnung für den Umgang mit Epoxidharzen konnte gemäss einem Bericht «Der NZZ am Sonntag» nicht verabschiedet werden, da noch Unterlagen fehlten. Auch wenn sie nicht von einer gesundheitlichen Gefährdung der Bevölkerung ausgehen, reagierten die Kantonschemiker der Schweiz darauf mit einem Brief an Sanierer und Epoxidharzhersteller. Darin hielten sie fest, dass die Sanierungen nicht immer den Empfehlungen des Bundes entsprechen.

Sanierer sollen für Mängel aufkommen
Aufgrund der unbefriedigenden Situation bei Rohrinnensanierungen mitEpoxidharz hat sich der SVGW entschlossen, von einer anderen Seite her auf eine Verbesserung hinzuwirken. Er hat eine Mustervereinbarung verfasst, die Hauseigentümer, die eine entsprechende Sanierung ihrer Trinkwasser-installationen vornehmen möchten, davor schützt, für allfällige dabei entstandene Schäden aufzukommen.

Die Vereinbarung, die auf dem erwähnten Informationsschreiben des BAG basiert, hält unter anderem fest, dass nur empfohlene Materialen und Verfahren eingesetzt werden dürfen. Weitere wichtige Punkte sind, dass Wasserqualitätsmessungen vor und nach Vollendung der Sanierung durch ein akkreditiertes Labor durchgeführt werden. Die letzte Überprüfung erfolgt dabei erst40 Tage nach Fertigstellung. Die Abnahme der Arbeiten erfolgt erst nacheiner entsprechenden Nachkontrolle.

Sollten Mängel auftreten, ist der Unternehmer verpflichtet, unabhängig vom zeitlichen und finanziellen Aufwand, diese vollständig zu beheben. Lassen sich die Mängel innerhalb von zwei Reparaturen nicht ausmerzen, ist der Unternehmer verpflichtet, durch andere Massnahmen wie beispielsweise durch den Einbau eines Spülautomaten oder den Ersatz der Leitungen dafür zu sorgen, dass wieder qualitativ einwandfreies Trinkwasser aus den Hähnen fliesst. Erfolgt die Reparatur nicht innerhalb von 14 Tagen, kann der Besteller selber eine Mängelbehebung in Auftrag geben. Für alle Reparaturen, auch die einesanderen Unternehmens, muss der Sanierer aufkommen. Der pauschale Werklohn umfasst neben der allfälligen Mängelbehebung auch sämtliche Arbeiten, Lieferungen und Qualitätssicherungen.

Die Vereinbarung hält zudem noch explizit fest, dass der Sanierer sich nicht auf die weniger strenge SIA-Norm «Allgemeine Bedingungen für Bauarbeiten» berufen kann.

Vereinbarung kann Qualität erhöhen
Der SVGW ist überzeugt, dass die Vereinbarung dazu beitragen kann, dass nur noch Unternehmen, welche die Verfahren im Griff haben, Rohrinnensanierungen mit Epoxidharz durchführen werden. Bedingung ist natürlich, dass die Hauseigentümer die Vereinbarung mit den Sanierern abschliessen.

Alle Interessenten können die Vereinbarung als 5-seitige Word-Musterdatei «Rohrinnensanierung von Trinkwasserleitungen» kostenlos beziehen unter:
www.svgw.ch/epoxidharz
Dort findet man das BAG-Informationsschreiben Nr. 165 betreffend die Rohrinnensanierung von Trinkwasserleitungen in Hausinstallationen mittels Epoxidharzen (PDF, 13 Seiten) sowie die informative SRF-Sendung «Einstein» vom 7.2.2013 zum Thema (Video 9 Min.).

SVGW, Schweizerischer Verein
des Gas- und Wasserfaches
8027 Zürich
Tel. 044 288 33 33
info(at)svgw.ch
www.svgw.ch
www.svgw.ch/epoxidharz