Warmwasser im Wandel der Zeit – wie ist es heute?

Warmes Wasser jederzeit in ausreichender Menge und bester Qualität zur Verfügung zu haben, ist für uns heute selbstverständlich; und wehe es steht einmal nicht zur Verfügung. Ganz soweit bis in die Ära mit dem Holzzuber in der Küche wollen wir aber nicht zurückschauen. Für den Installateur wird es erst spannend mit den leitungsintegrierten Warmwasser-Erzeugern.>

Aus meiner Lehrzeit kann ich mich noch gut an die vielen Mehrfamilienhäuser-Umbauten erinnern, bei denen jede Wohnung noch einen eigenen 50- bis 100-Liter-Boiler über der Badewanne hängen hatte, bevor wir sie auf eine zentrale Warmwasserversorgung umgebaut haben. Die Badewannen-Boiler waren vermutlich der nächste Schritt in der Weiterentwicklung der Wohnungsversorgung. Jede Wohnung machte das notwendige Warmwasser (WW) direkt selber – und wenn das Warmwasser mal nicht für jeden Bewohner reichte, haben dessen Mitbewohner einfach zu viel verbraucht. Die Verbraucher-Kleingruppe regelte das – in der Familie – selber. Das Verständnis war vorhanden und man arrangierte sich entsprechend.

Grosszügige Heizleistung

Mit den zentralen Warmwasserversorgungen änderte sich das Verständnis: Warmwasser sollte für einen immer zur Verfügung stehen - egal, ob der Nachbar unten, oben oder nebenan schon geduscht hatte oder nicht. Die zentralen Warmwasserbereitungen ab der Öl- oder Gasheizung wurden somit einfach mit ausreichend Leistung erstellt und alle waren zufrieden. Die Heizleistung war damals grosszügig vorhanden, wiesen doch die Gebäude seinerzeit einen erheblichen Heizenergiebedarf auf.

Wesentlich verändertes Umfeld

Die Warmwasser-Thematik steht heute in einem wesentlich veränderten Umfeld. Die Gebäude verfügen alle über eine gute bis sehr gute und insbesondere vollständige Wärmedämmung mit entsprechend kleinem Heizleistungsbedarf. Das Warmwasser ist heute an jedem Apparateanschluss vorhanden (ausser bei den WCs – und sogar die Waschmaschinen haben heute einen Warmwasseranschluss). So stieg der WW-Verbrauch und der dazu erforderliche Energieverbrauch in der gleichen Periode deutlich an. In den 2000er-Jahren wandelte sich das Badezimmer vom Funktionsraum zur privaten Wellnessoase, und Regenbrausen mit einem schon fast «unanständigen» Wasserverbrauch verbreiteten sich epidemisch. Als Gegenreaktion hat sich inzwischen die Energie-Etikette auch bei den Sanitärarmaturen durchgesetzt, und die Hersteller haben Regenbrausen im Angebot, die nicht mehr Wasserdurchsatz haben als eine Standard-Dusche. 

Werte von einst stimmen nicht mehr

Wir Planer und Installateure nehmen für die Auslegung der Warmwasserbereitungen häufig zwei Standard-Werke zur Hand: das «Kurz und Bündig» oder das SI-Handbuch mit den Verbrauchsangaben und Summenliniendiagrammen. Wir tun das im Wissen, dass die Tabellen, die unsere Sanitärgurus um Bösch und Co. einst definierten, heute als solche nicht mehr stimmen, das Resultat aber tauglich ist. Tauglich insofern, dass keine Klagen kommen: Der Warmwasserverbrauch ist trotz der Spararmaturen heute grösser, die Belegungsdichte pro Wohnung jedoch kleiner als früher und mit dem Wandel zur 24h-Gesellschaft verteilt sich der Warmwasserverbrauch gleichmässiger.

Mit unserem neuen Vorstandsmitglied Andreas Bopp haben wir neue Kontakte und Möglichkeiten geknüpft. Die Stadt Zürich als Immobilienbesitzer und -betreiber hat ein gutes Monitoring ihres grossen Liegenschafts-Portfolios – sprich zeichnet die Wasserverbräuche (KW und WW) standardisiert auf. Mit diesen Grundlagen möchten wir verschiedene Liegenschaftskategorien genauer analysieren und auswerten. Das Ziel ist eine Win-Win-Situation: Das SI-Handbuch erhält jetzt aktuelle Auswertungen, und die Stadt Zürich kann auf diesen Erkenntnissen basierend spezifische Planungsvorgaben für Ersatz und Neubauten definieren. 

Messwerte in Relation zu Rahmenbedingungen stellen

Mit der reinen mathematischen/statistischen Auswertung der Messwerte ist es jedoch nicht getan. Vielmehr ist es erforderlich, die Messwerte in Relation zu den jeweiligen Rahmenbedingungen zu stellen und daraus einen spezifischen Warmwasserverbrauch zu generieren (vgl. Grafik). Die Einflussfaktoren zu identifizieren, ist grundlegend, deren Stärke einzuschätzen, entscheidend: Aufgrund der Faktor-Summe besteht die Möglichkeit, dass sich plus/minus abweichende Stärke-Einschätzungen wieder aufheben resp. sich nur kleine Abweichungen ergeben. Womit der Bogen nun bereits wieder gespannt werden könnte zur aktuellen Ausgangslage: Die Berechnungsgrundlagen sind zwar nicht richtig, das Resultat ist aber trotzdem nicht falsch. 

Durchschnitts- vs. Spitzenverbrauch?

Wir sind gespannt auf die Ergebnisse der Auswertungen, insbesondere auf den Vergleich des Durchschnitts- und des Spitzenverbrauchs. Die persönliche Einschätzung ist, dass Warmwasserbereitungen im Normalbetrieb 50 Prozent oder mehr Reserven aufweisen, aber an wenigen Spitzentagen pro Jahr doch fast ans Limit kommen. Eine Bestätigung dieser These würde für zwei weitere Diskussionen die Grundlage liefern:

1. Ist es zumutbar, dass zum Beispiel Mieter an wenigen Stunden pro Jahr nicht mit den gewohnten 37 °C duschen können?
2. Führt der Warmwasser-Einbruch zu einem hygienischen «Super-GAU» im WW-Verteil-system (Zusammenbruch der thermischen 60 °C-Desinfektions-Barriere im Speicher mit Ausbreitung der Keimkolonien aus dem Speichersumpf ins Verteilnetz)? 

Spannende Ergebnisse zu erwarten

Ein Ausblick ist dennoch zu wagen: Die Erkenntnisse aus den Auswertungen dürfen nicht mehr als allgemeingültig angenommen werden, sondern dienen nunmehr der Plausibilisierung der mit dem Bauherrn/ Auftraggeber gemeinsam definierten Annahmen und Verbrauchswerte in der «Nutzungsvereinbarung Warmwasser».

Freuen wir uns also auf die Ergebnisse und die damit verbundenen Fachdiskussionen im p+i sowie an spannende À-Jour-Veranstaltungen der VSSH zur Thematik! 

*Ex-Vorstandsmitglied der VSSH und Projektleiter des SI-Handbuchs

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