Lanzarote ist mit einem jährlichen Niederschlag von etwa 109 mm pro Quadratmeter die trockenste Insel der Kanarischen Inseln. @A. Widmer

Lanzarote – Wasserversorgung als Herausforderung

In der Schweiz ist anhaltender Regen so bekannt wie unbeliebt und schon mancher Anlass fiel dadurch buchstäblich ins Wasser. Im Mittelland beträgt die durchschnittliche Niederschlagsmenge 1000 bis 1500 Millimeter pro Jahr und die Feuerwehr muss manchmal nicht zum Löschen, sondern zum Abpumpen von Hochwasser ausrücken. Wassermangel kennen wir praktisch nicht. Es gibt jedoch Orte auf der Erde, wo genügend Wasser nicht selbstverständlich ist. Ein solcher Ort ist das Ferienparadies Lanzarote.

 

Lanzarote ist mit einem jährlichen Niederschlag von etwa 109 mm pro Quadratmeter die trockenste Insel der Kanarischen Inseln. Regen fällt hauptsächlich während der Wintermonate und ist zudem ungleichmässig verteilt. Im relativ feuchten Norden Lanzarotes fällt eine jährliche Niederschlagsmenge von etwa 270 mm/m². Die meisten Menschen leben jedoch im Süden und im Osten der Insel, wo auch die grossen Touristenorte wie Puerto del Carmen oder Costa Teguise liegen. Um es vorwegzunehmen – die Wassererzeugung- und -verteilung ist eine grosse Herausforderung auf Lanzarote.

Lange Trockenperioden und immer kleiner werdende Grundwasservorkommen haben schon in der Vergangenheit von den Bewohnern kreative Lösungen zur Wasserspeicherung verlangt. So wurde Regenwasser an Hängen auf grossen befestigten Flächen gesammelt und in Zisternen bei den Häusern gelagert. Etwa die Hälfte des Wasserbedarfs konnte noch durch einen Grundwasser führenden Stollen in einem der Gebirge entnommen werden. Aber es ändert den Umstand nicht, dass Lanzarote eine sehr trockene Insel ist. So trocken, dass hier unter natürlichen Umständen niemals 140000 Menschen leben könnten. Geschweige denn, dass jährlich 2 Mio. Touristen mit Trinkwasser versorgt oder Freizeit-Paradiese wie Golfplätze bewässert werden könnten.

Entsalzung von Meerwasser unumgänglich

Durch den aufkommenden Tourismus der letzten Jahre und den stets steigenden Bedarf erreichte die Versorgung mit Trinkwasser neue Dimensionen. Zeitweise musste Wasser regelmässig mit Tankschiffen von den Nachbarinseln Gran Canaria und Teneriffa eingeführt werden. Mitte der 1960er-Jahre wurde eine Meerwasserentsalzungsanlage in Arrecife gebaut und versorgt seither die Insel mit dem kostbaren Nass. Heute decken die Anlagen der Inalsa S.A. (Insular de Aguas de Lanzarote S.A.) in Arrecife rund 90% des Wasserbedarfs der Insel, wobei immer noch nicht alle Kommunen rund um die Uhr mit Wasser versorgt werden. Für einen Schweizer sind das schier unglaubliche Zustände. Es gibt auch noch dezentrale Meerwasser-Aufbereitungsanlagen in Touristenzentren wie Puerto del Carmen oder Playa Blanca.

Hoher Energiebedarf

Der Energiebedarf für die Herstellung von Trinkwasser aus Meerwasser ist sehr hoch und ist unter ökologischen Gesichtspunkten äusserst fraglich. Gemäss Angaben der Inalsa verbraucht die Aufbereitungsanlage bei Arrecife rund 300000 kWh elektrischen Strom pro Tag, die durch ein mit Erdöl betriebenes thermisches Kraftwerk bereitgestellt werden. Die Regierung ist dabei, Lizenzen für die Inbetriebnahme von drei Windparks auf Lanzarote zu erteilen. Schon seit Jahren bemüht sich der Wasserversorger Inalsa darum, diese Projekte voranzutreiben.

Alle drei Parks zusammengenommen erfordern eine Investition von 30 Mio. Euro. Zurzeit werden die Gutachten zu den Umweltauswirkungen der Windkraftanlagen bearbeitet. Die drei Anlagen, die aus je vier Windrädern bestehen werden, sind jeweils für eine Leistung von 9,2 Megawatt ausgelegt und sollen im Gebiet Zonzamas auf Grundstücken der Gemeinden Arrecife, San Bartolomé und Teguise errichtet werden. In der Nähe des Mirador del Valle liegt der Parque Eólico de Lanzarote. Im gepflegten Park befindet sich eine Windenergieanlage mit 48 Rotoren mit einer jährlichen Gesamtleistung von 12 Mio. kWh. Ob das gesamte Vorhaben realisiert werden kann, ist gemäss Inalsa ungewiss.

Trinkwasserversorgung auf Lanzarote

Gemäss Angaben der Inalsa verlassen 58000 Kubikmeter Trinkwasser die Meerwasserentsalzungsanlage in Arrecife. Durch die hügelige Topografie wird das Wasser in ein Depot bei Maneje gepumpt und von dort nochmals 180 m höher nach San Bartolomé. Von diesem am höchsten gelegenen Punkt wird das Wasser durch ein Verteilnetz in die Tanks der einzelnen Dörfer gepumpt.

Auf Lanzarote gibt es mehrere Pumpstationen, denn das Wasser muss ja auch in den Norden der Insel geliefert werden. Wie bereits erwähnt, fliesst nicht ununterbrochen Wasser durch das Rohrleitungssystem. Nur Arrecife, Puerto del Carmen, Costa Teguise und Playa Blanca bekommen täglich vierundzwanzig Stunden lang Wasser. Die meisten anderen Orte der Insel werden nur tagsüber versorgt und abgelegene Gegenden bekommen sogar nur zweimal wöchentlich Wasser. Das durch Entsalzung gewonnene Wasser gilt als trinkbar, es empfiehlt sich jedoch, wie die Einheimischen das Wasser in grossen Behältern im Supermarkt zu besorgen. Die Auflagen der zuständigen Behörde für die regelmässige Qualitätskontrolle sind hoch, denn eine einwandfreie Wasserqualität muss jederzeit garantiert sein.
Als unabhängiges übergeordnetes Organ führt auch die kanarische Gesundheitsbehörde regelmässig Analysen durch.

Undichtes Wasserverteilnetz

Während sehr heissen Sommern ist es schon vorgekommen, dass in abgelegenen Ortschaften plötzlich kein Wasser mehr floss. Das Problem liegt gemäss Inalsa in der fehlenden Speicherkapazität im Landesinnern der Vulkaninsel. Doch liegt es auch an den Wasserspeichern und Rohrleitungen, die teilweise in bedenklichem Zustand sind. Ein Augenschein bestätigte, dass mehr finanzielle Mittel für die Instandhaltung und Sanierung der Wasserspeicher und Rohrleitungen eingesetzt werden müssten.

Gemäss Spezialisten gehen durch veraltete Rohrleitungen und immer wieder auftretende Rohrbrüche im Verteilnetz etwa ein Drittel des eingespeisten Trinkwassers verloren. Der Verlust von Trinkwasser durch Leckagen in Leitungssystemen ist auch in der Schweiz ein Thema, aber längst nicht so gravierend. Der nationale Durchschnitt liegt bei rund 14%.

Durch diese marode Infrastruktur sind auf Lanzarote insgesamt nur etwa 110000 Kubikmeter Wasser als Vorrat verfügbar. Mit anderen Worten, wenn aufgrund eines Ereignisses kein Erdöl mehr für die Stromerzeugung nach Lanzarote geliefert werden könnte, würde das Wasser für Inselbevölkerung und Touristen für maximal zwei Tage reichen. Im Durchschnitt verbraucht jeder Tourist auf Lanzarote pro Tag etwa 215 Liter Wasser, die Einheimischen hingegen begnügen sich mit nur 130 Litern.

UV-beständige Kunststoffe im Freien

Die Oberflächenbeschaffenheit einer Vulkaninsel wie Lanzarote stellt für das Leitungsmaterial wesentlich höhere Anforderungen als hier auf dem Kontinent. Da gibt es vulkanisches Schottergestein, Sandboden und felsigen Boden. Das verwendete Rohrmaterial der älteren Leitungen war aus Stahl oder Weichstahl und später wurden vereinzelt Kupferrohre eingesetzt. Heute werden bei Sanierungen oder neuen Abschnitten meistens Rohre aus Kunststoff eingesetzt.

Leitungen, die sich auf der Oberfläche befinden, sind massiven Witterungseinflüssen ausgesetzt. Daher erfordern diese Anwendungen witterungsbeständige Kunst-
stoffe, die den negativen Einflüssen der UV-Strahlung auf das Erscheinungsbild und die mechanischen Eigenschaften der Kunststoffe widerstehen können.

Witterungsbeständige Kunststoffe sollten UV-beständig sein, da UV-Strahlung besonders starke Auswirkungen auf Werkstoffe haben kann, die im Freien verwendet werden und den Elementen ausgesetzt sind. Die UV-Beständigkeit von Kunststoffen wird meistens durch Zugabe von Additiven wie UV-Stabilisatoren, eine schwarze Einfärbung (Carbon Black) oder eine Schutzbeschichtung (Farbe oder Metallbeschichtung) erreicht. Die ersten Versuche mit Kunststoffrohren verliefen nicht vielversprechend. Das Material veränderte sich unter den harten klimatischen Bedingungen verhältnismässig rasch, wurde spröde und musste ersetzt werden. Die heute verwendeten Rohrqualitäten zeigen jedoch bereits über einen längeren Einsatzzeitraum gute Resultate.

Gewaltige Mengen an Kohlendioxid CO2

Auf Lanzarote wird der fossile Brennstoff Erdöl zu Wasser und das produziert gewaltige Mengen an Kohlendioxid CO2. Gemäss Studien ist auch der Eingriff in die Küstengewässer alarmierend und Flora und Fauna leiden darunter. Die Stromproduktion für die Meerwasserentsalzung wird zwischenzeitlich von Sonne und Windkraft unterstützt, aber auch hier entstehen immer wieder Misstöne. Gegner dieser Projekte finden, dass die Landschaft der Insel zu schade ist für Windräder und Photovoltaik-Freiflächenanlagen.

Man kann es drehen und wenden wie man will, aber der verantwortungsvolle Umgang mit den natürlichen vorhandenen Wasserressourcen sollte im Vordergrund stehen. Wenn die industriellen Voraussetzungen, künstlich bewässerte Landwirtschaft oder Be-
völkerungswachstum mehr Trinkwasser fordern, sollte einer nachhaltigen Raumplanung Priorität eingeräumt werden. Es wäre auch eine Überlegung wert, ob es sinnvoll ist, in trockenen Gebieten wie Lanzarote Golfplätze oder Aquaparks zu unterhalten, die gewaltige Mengen von Wasser benötigen. So schliesst sich der Kreis und Erdöl wird wieder zu Wasser.


Exkurs: Weinanbau auf Lanzarote

Auch an einem trockenen Ort wie Lanzarote lässt sich durchaus Wein anbauen. Die Anbaumethoden sind erwartungsgemäss nicht zu vergleichen mit solchen in der Schweiz. Die Winzer wissen, dass die mächtige Schicht aus Vulkanasche tagsüber die Wärme speichert und in der Nacht Feuchtigkeit aufnimmt. Die Vulkanasche wird im Weinbau zum Wasserspeicher, der die Rebstöcke stets mit Flüssigkeit versorgt. Der poröse Untergrund lässt die Wurzeln der Reben tief in den Boden wachsen. Um die Rebstöcke werden halbkreisförmige kleine Mauern aus Lavasteinen gebaut. Das hält den Wind ab und speichert nachts die vom Meer kommende Feuchtigkeit.

Dass nicht jede Traube unter diesen harten klimatischen Bedingungen gedeihen kann, liegt auf der Hand. Listán Negro beispielsweise ist eine Rotweinsorte und man kennt sie auch unter Negromuelle oder Negra Común. Listán Negro ist auf Lanzarote und Teneriffa die meistangebaute Rebsorte. Durch Anwendung der Kohlensäuremaischung entstehen mittelschwere Weine mit einem ausgeprägten Aroma. Die Kohlensäuremaischung ist ein spezielles Verfahren für die Herstellung von fruchtigen Weinen, die jung getrunken werden. Es wird vor allem im Beaujolais und in Südfrankreich angewandt.

Bei einem Aufenthalt auf der Insel ist der Besuch der Bodega El Grifo in San Bartolomé zu empfehlen. Man kann nicht nur Wein degustieren und die Rebenanlage besuchen. Es gibt auch noch ein interessantes Weinmuseum zu besichtigen.