(Bild: iStock.com)

(Grafiken: ODEC)

Haben Sie Ihre Ziele erreicht?

Wer sich für ein Studium entscheidet, hat sich das gut überlegt und erwartet Verbesserungen in der beruflichen Situation. Der Schweizerische Verband der Diplomierten HF ODEC befragte Absolvent(inn)en, wie sich ihr beruflicher Werdegang nach dem Studienabschluss entwickelt hat – die Resultate sind eindrücklich.

Wissen und Bildung sind die wenigen Ressourcen, auf welche die Schweiz aufbauen kann. Dabei geht es nicht nur um die Wirtschaft, sondern auch um den sozialen Frieden. Denn durch Wissen und Bildung haben wir einen sehr hohen Lebensstandard aufgebaut und eine tiefe Arbeitslosigkeit erreicht. Aber man darf auch nicht vergessen, dass Bildung in der Schweiz ein wahrer Geldfresser ist. Durch die öffentliche Hand, die Wirtschaft und Privatpersonen werden jährlich sehr viele Milliarden von Franken in die Bildung investiert. Das Angebot an Bildung ist immens: obligatorische Bildung, formale Bildung, Weiterbildung und vieles mehr. Konzentrieren wir uns auf das Studium an einer Höheren Fachschule HF: Die Stufe «Höhere Fachschulen» wies im Schuljahr 2018/2019 etwas über 33 000 Studierende auf, und jährlich schliessen über 9000 Personen das HF-Studium ab. Schätzungsweise werden pro Jahr 575 Millionen Franken an Studiengebühren ausgegeben. Die Höheren Fachschulen werden von Bund und den Kantonen mit 50 Prozent der Kosten unterstützt, Fachrichtungen mit einem erhöhten öffentlichen Interesse (beispielsweise Gesundheit) mit 90 Prozent. Total waren dies 375 Millionen Franken im Jahr 2018. Der Differenzbetrag von geschätzten 200 Millionen Franken wird von den Studenten, teilweise mit Unterstützung von Arbeitgebern, finanziert. Ein Studienjahr kostet dementsprechend durchschnittlich 17 000 Franken, wobei die jährlichen Kosten von Fachrichtung zu Fachrichtung stark variieren, von ca. 9000 bis über 22 000 Franken (siehe edudoc.educa.ch/static/web/arbeiten/hfsv_1819kantone_korr.pdf). Umso interessanter ist es für die Studierenden, zu erfahren, wie viele ihr berufliches Ziel nach einem HF-Diplom erreicht haben und wie sich der berufliche Werdegang nach dem Abschluss entwickelt hat. Hat der HF-Abschluss an Bekanntheit gewonnen, erfährt er mehr Wertschätzung oder hat er an Wert verloren?

Die Umfrage

677 Personen haben an der Umfrage teilgenommen, die der ODEC zwischen dem 25. Februar und 16. März 2020 durchführte. Davon hatten 102 Personen einen Abschluss in der Fachrichtung Elektrotechnik. Ein Quervergleich ergab, dass diese Personen mit einer Abweichung von +/–1 Prozent dem Durchschnitt entsprechen. Da es in der nachfolgenden Auswertung um die Zielerreichung nach dem HF-Studium geht, wurden nur die 643 HF-Diplomierten, nicht aber die 34 HF-Studierenden berücksichtigt. Mehrheitlich stammen die Teilnehmer aus den Bereichen Technik und Wirtschaft. Von den Umfrageteilnehmenden waren 51 selbstständig erwerbend, 80 Mitglied der GL/Direktion, 174 Angehörige/r des Kaders, 165 Projektleiter/in, 165 Sachbearbeiter/in bzw. Fachspezialist/in und 8 Assistent/in. Es wurden die drei Fragen formuliert und untersucht:

Haben Sie Ihr Ziel erreicht?

Auf die Frage «Sie haben damals ein HF-Studium begonnen, um berufliche Ziele zu erreichen. Haben Sie Ihr Ziel erreicht?» antworteten 84 Prozent mit «Ja». Je nachdem, wie viel Zeit seit dem HF-Abschluss vergangen ist, gibt es leichte Unterschiede (siehe Grafik 1). Die grosse Überraschung ist sicher, dass bereits 73 Prozent derjenigen, die vor 0 bis 2 Jahren das HF-Diplom erhalten haben, ihr Ziel erreicht haben. Unterstützend dabei war, dass viele bereits während des Studiums ihre Funktion in der Firma anpassen konnten. Betrachtet man die HF-Diplomierten, die vor über 10 Jahren abgeschlossen haben, sind es 93 Prozent mit der Aussage, ihr Ziel erreicht zu haben, und bei 106 Teilnehmern, die vor über 25 Jahren abgeschlossen haben, sind es 95 Prozent. Umfrageteilnehmer, die ihr HF-Studium vor 3 bis 10 Jahren abschlossen und ihr gesetztes Ziel noch nicht erreicht haben, gaben auf einer Skala von 0 bis 100 Prozent durchschnittlich an, das Ziel zu 42 Prozent erreicht zu haben.

Wer in einer klassischen Führungsposition arbeitet, ist bei der Zielerreichung weit oben zu finden. So haben die «Mitglieder der GL/Direktion» mit 98,7 Prozent praktisch alle ihr Ziel erreicht, und ebenfalls sehr hoch sind die «Angehörigen des Kaders» mit 88,9 Prozent. Auch bei den «Selbstständig Erwerbenden» mit 84,6 Prozent und den «Projektleiter/innen» mit 83,4 Prozent ist die Zielerreichung sehr hoch. Bei den «Sachbearbeiter/innen und Fachspezialist/innen» haben 27 Prozent ihr Ziel noch nicht erreicht.

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem HF-Abschluss allgemein?

Einige haben erst kürzlich und andere vor über 25 Jahren das HF-Studium abgeschlossen. In dieser Zeitspanne hat sich vieles verändert, nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Aus- und Weiterbildung. Das HF-Studium hat sich immer den aktuellen Bedürfnissen der Wirtschaft angepasst, die Art des Unterrichts unterzog sich einem grossen Wandel.

Auf einer Skala von 1 (nicht zufrieden) bis 4 (zufrieden) (siehe Grafik 2) liegt dieZufriedenheit im Durchschnitt bei 3,34, unabhängig der Anzahl Jahre seit dem HF-Abschluss. Den tiefsten Zufriedenheitswert mit 3,23 haben diejenigen, die vor 3 bis 5 Jahren abgeschlossen haben und der höchste mit 3,55 stammt von Teilnehmern mit einem Abschluss vor über 25 Jahren. Damit ist eine eindrückliche Zufriedenheitskonstante vorhanden.

Wenn die Zufriedenheit nach Funktionen betrachtet wird, sind fast alle Funktionen mit einem Wert von 3,4 und höher zu finden. «Sachbearbeiter/innen und Fachspezialist/innen» weisen eine leicht tiefere Zufriedenheit mit 3,23 aus, und die tiefste mit 2,50 ist bei «Assistent/innen» zu finden.

Wie hat sich die Situation seit Ihrem Abschluss HF verändert?

Die Veränderungen sind durchweg positiv, es sind keine grossen Schritte erkennbar, aber die Richtung stimmt (siehe Grafik 3). Es gibt jedoch noch viel Potenzial zur Erhöhung der Bekanntheit. Interessant ist, dass die Bekanntheit des HF-Titels und Kompetenzen mit deren Wertschätzung bei Arbeitgebern in der Wirtschaft und Gesellschaft verbunden sind. Es lohnt sich, in die Bekanntheit des HF-Titels zu investieren, denn wie es aussieht, wächst mit der Bekanntheit auch die Wertschätzung.

Wichtig ist auch zu sehen, dass sich die Karrieremöglichkeiten und der Berufseinstieg nach dem HF-Abschluss mit einem Durchschnittswert von jeweils 3,5 (3 = gleichbleibend, 4 = eher besser)  ❭ verbessert haben. Der höchste Wert hat die «Weiterbildungsmöglichkeit» mit 4,1 erhalten. Wer in einer höheren Funktion ist, sieht die Veränderungen positiver. Der Durchschnittswert liegt bei «Mitarbeitern der Geschäftsleitung» durchschnittlich um0,4 bis 0,5 Punkt besser als bei «Sachbearbeitenden/Fachspezialisten». Der Verband wird noch der Frage nachgehen, ob es bei den negativen und sehr positiven Antworten Häufungen bei einer Fachrichtung, Altersgruppe, Region oder Funktion gibt. Es liess sich allgemein das Fazit ziehen, dass sich das HF-Studium für einen Grossteil der Umfrageteilnehmer gelohnt hat; sie haben ihr gestecktes Ziel erreicht und teilweise gar übertroffen. Die Veränderungen, die ihnen der HF-Abschluss gebracht hat, werden als Verbesserungen wahrgenommen und drücken sich in der hohen Zufriedenheit mit dem HF-Abschluss aus. In die Bekanntmachung des HF-Titels und die entsprechende Wertschätzung muss aber weiterhin investiert werden.


ODEC

Der Schweizerische Verband der Diplomierten HF ODEC vereint 19 Verbände mit über 12 000 Mitgliedern aus allen Fachbereichen. Der Verband ODEC ist der grösste Repräsentant der Absolventinnen und Absolventen Höherer Fachschulen, welcher alle Bereiche und Fachrichtungen in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik vertritt.
odec.ch