Elektrotechnik

(Bild: iStock.com)

1. Gemeldete Elektrounfälle

2. Tödliche Berufsunfälle

3. Tödliche Berufsunfälle BU und NBU

4. Sicherheitswidrige Handlungen

5. Sicherheitswidrige Zustände der letzten 10 Jahre

Elektrounfälle 2018

Ein Blick in die Unfallstatistik

Die im Jahr 2018 dem ESTI gesamthaft gemeldeten Elektrounfälle haben gegenüber dem Vorjahr leicht abgenommen. Bei den schweren und den tödlichen Elektrounfällen im Berufsumfeld hat die Kampagne «Sichere Elektrizität» der Suva mit den 5+5 lebenswichtigen Regeln als zentrales Element einen wichtigen Beitrag zur Unfallverhütung geleistet.

 

Die im Jahr 2018 dem ESTI gesamthaft gemeldeten Elektrounfälle sind bei 531 (Vorjahr 556) auf hohem Niveau konstant (Bild 1). An jedem vierten, der vom ESTI untersuchten Unfälle waren Lernende beteiligt. Bei den schweren und den tödlichen Elektrounfällen im Berufsumfeld hat wiederum die Kampagne «Sichere Elektrizität» der Suva mit den 5+5 lebenswichtigen Regeln als zentrales Element einen wichtigen Beitrag zur Unfallverhütung geleistet.

Die Anzahl der Nichtberufsunfälle im Elektrobereich ist mit 3 (20) wieder auf den Durchschnittswerten der Vorjahre gesunken. Im Rahmen seiner Aufgaben hat das ESTI in 182 (158) Fällen im Berufsumfeld, in 3 (20) Fällen im Nichtberufsumfeld und in 7 (11) Fällen der Kategorie «kein Elektrounfall» eine Untersuchung eingeleitet. In 64 (53) Fällen wurde eine vertiefte Untersuchung eingeleitet. 7 (9) Starkstromunfälle im Zusammenhang mit Bahnanlagen wurden vom ESTI nicht weiterverfolgt, da diese von der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle SUST abgeklärt wurden.

Ein Blick in die Unfallstatistik

In den letzten Jahren hat sich die Anzahl gemeldeter Elektrounfälle auf einem hohen Niveau um 500 Meldungen stabilisiert, während die schweren Unfälle und Unfälle mit Todesfolge im Berufsumfeld tendenziell rückläufig sind (Bild 2). Im privaten Umfeld wurde im 2018 1 (8) Unfall mit Todesfolge untersucht. Zu Unfällen kommt es in vielen Fällen im Bereich der Niederspannung durch Lernende und durch Elektrofachleute. So verunfallten 2018 bei jedem vierten Unfall Lernende bei Arbeiten unter Spannung (AUS 1). Diese hohe Zahl ist sehr beunruhigend. Einerseits müssten junge Berufsleute durch Arbeitsverantwortliche betreut und allenfalls begleitet werden (Aufsichtspflicht gemäss Art. 22 NIV), andererseits dürften Lernende nur mit ungefährlichen Arbeiten betraut werden und gefährliche Arbeiten sind für Lernende bis zum 18. Geburtstag sogar grundsätzlich verboten. Lernende sollten immer spezielle Instruktionen bei der Ausübung von Arbeiten erhalten, denn sie kennen zu Beginn ihrer Ausbildung das Ausmass des Risikos häufig noch nicht.

Während der Anteil an Unfällen im Niederspannungsbereich kontinuierlich gestiegen ist, hat sich der Anteil der Unfälle im Hochspannungsbereich weiter auf einem tiefen Niveau stabilisiert. Die Unfälle geschehen hauptsächlich bei Arbeiten an Verteilanlagen, an Niederspannungs-Installationen und bei Arbeiten an Verbrauchern. Es konnte ausserdem ein überdurchschnittlicher Anstieg der Unfälle in den Altersgruppen unter 40 Jahren konnte festgestellt werden. Bei den Auswirkungen ist der Anteil der Unfälle mit Durchströmung (135) steigend, während der Anteil der Unfälle durch Störlichtbogen (26) leicht rückläufig ist.

Ursachen

Das Risiko, bei einem Elektrounfall das Leben zu verlieren, ist immer noch hoch. Auch wenn eine Elektrisierung glimpflich ablaufen kann, besteht immer ein latentes Risiko daran zu sterben (Bild 3). Darum sind die 5+5 lebenswichtigen Regeln im Umgang mit Elektrizität wichtig und sollten jederzeit beachtet werden. Vielfach wird aber aus Zeit- oder anderen Gründen gearbeitet, ohne diese Schutzmassnahmen zu beachten. In 54 % (46 %)  der Fälle hätte ein spannungsfreies Arbeiten nach den 5 Sicherheitsregeln einen Unfall verhindert (Bild 4). Die Sicherheitsregeln «Freischalten und allseitig trennen», «Gegen Wiedereinschaltung sicheren» und «auf Spannungslosigkeit prüfen» werden nach wie vor am häufigsten missachtet. Leider werden immer wieder Stromkreise verwechselt und die vermeintlich ausgeschalteten Anlagenteile stehen noch unter Spannung. Nach wie vor hoch mit  39 % (39 %) ist die Anzahl der Elektrounfälle, welche auf fehlerhafte Anlagen oder Erzeugnisse zurückzuführen sind (Bild 5). Elektrische Anlagen, Installationen oder Erzeugnisse, welche keinen genügenden Basisschutz gegen den elektrischen Schlag aufweisen, können Ursachen für Elektrounfälle sein. Aber auch blanke Drähte oder abisolierte Kabel, welche unter Spannung stehen, können zu schweren Unfällen führen.

Fehler, welche direkt durch den Verunfallten selbst begangen wurden, sind mit 14 % (15 %) praktisch stabil geblieben. Oft wird die PSA durch den Verunfallten nicht oder nur unvollständig getragen. Die Arbeitsorganisation und das Arbeitsumfeld tragen mit 52 % (44 %) erheblich zu den Ursachen bei. Oft wird ohne klaren Arbeitsauftrag und ohne klaren Verantwortlichen für die Sicherheit gearbeitet. Wenn Probleme auftreten, wird improvisiert und dabei werden bewusst oder auch unbewusst Risiken eingegangen. Vielen Vorgesetzten ist nicht klar, dass sie für die sichere Ausführung verantwortlich sind. Die Umwelteinflüsse, wie hohe Temperaturen, schlechtes Licht oder ergonomisch ungünstige Platzverhältnisse sind weitere Ursachen. Hier sind die Vorgesetzten angehalten, ihre Führungsverantwortung als Arbeitgeber wahrzunehmen. Im privaten Umfeld sind alte Installationen, Installationen ohne Fehlerstromschutzeinrichtungen (FI) und Installationen mit Defekten, oft die Ursachen, warum jemand an den Folgen einer Durchströmung stirbt. Defekte oder notdürftig reparierte Elektrogeräte führen immer wieder zu tödlichen Durchströmungen.

Auswirkungen

Die Auswirkungen von Elektrounfällen sind Durchströmung, Störlichtbogen bzw. Folgeunfällen. Welche Auswirkungen auftreten, sind oft zufällig und hängen davon ab, wo sich der Verunfallte gerade befindet. Ein Störlichtbogen mit Temperaturen von über 5000°C kann sehr schmerzhafte Verbrennungen (2. bis 3. Grad) verursachen. Zudem können Störlichtbogen und Durchströmungen zu Stürzen und Wegschleudern führen, mit schweren Folgeverletzungen. Massnahmen zur Unfallverhütung In Berufsumfeld ist Nulltoleranz beider Anwendung der 5+5 lebenswichtigen Regeln im Umgang mit Elektrizität notwendig. Sowohl Vorgesetzte als auch Mitarbeitende sind für ihre Umsetzung verantwortlich. Sie müssen Mitarbeiter anhalten, wenn nicht nach diesen Regeln gearbeitet werden kann. Das Leben einer Person, wegen Zeitdruck aufs Spiel zu setzen, lohnt sich nicht. Das ESTI bestimmt im Rahmen der Unfallabklärungen die notwendigen Massnahmen, um weitere oder ähnliche Unfälle zu verhindern. Neben den Massnahmen für die einzelnen Betriebe, wurde deshalb gemeinsam mit der Suva beschlossen, aufgrund der hohen Anzahl von ungelernten oder in Ausbildung befindlichen Verunfallten, diese Fälle genauer abzuklären, um Massnahmen für die Prävention bei Lernenden festzulegen. Bei Hausinstallationen wurden die Kontrollperioden von alten Installationen nach Schema III von 20 auf 5 Jahre reduziert. Solche Installationen können bei einem Fehler tödliche Auswirkungen haben. Alte Installationen sollten deshalb unbedingt auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden und diese mit FI’s auszurüsten. Verantwortlich im privaten Bereich sind die Eigentümer der elektrischen Installationen. Sie müssen diese periodisch kontrollieren lassen und Mängel sofort beheben lassen. Wohnungsmieter müssen derweil defekte elektrische Installationen dem Vermieter unverzüglich melden.

Meldepflicht bei Unfällen

Bei Unfällen mit Elektrizität besteht die Meldepflicht gemäss Art. 16 der Starkstromverordnung. Die Betriebsinhaber von Starkstromanlagen müssen unverzüglich jede durch Elektrizität verursachte Personenschädigung oder erhebliche Sachbeschädigung dem ESTI oder bei Unfällen mit Bahnstrom der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle SUST melden. Erhebliche Personenschädigungen müssen zudem der zuständigen kantonalen Stelle gemeldet werden. Die Situation vor Ort soll, wenn immer möglich, nicht verändert werden. Leider werden Elektrounfälle oft gar nicht oder zu spät gemeldet. Für eine gründliche Abklärung und für die Einleitung von Sofortmassnahmen ist es notwendig, dass die Meldung so schnell wie möglich eintrifft.