Elektrotechnik

Nachdem der Bundesrat den Lockdown beschlossen hatte, standen viele Mitarbeiter von Elektroingenieurbüros vor einer länger andauernden Home-Office-Zeit. (Bild: iStock.com)

Elektroplanung und -installation zu Zeiten von Corona

Alles spricht von den Wirtschaftszweigen, die nicht mehr oder kaum mehr arbeiten können. Dies ist für die betroffenen sehr schwer und wir hoffen alle, dass die Situation sich möglichst rasch und trotzdem mit der nötigen Vorsicht wieder normalisiert. Es ist für alle zu hoffen, dass wir zusammen und unter Ein-satz aller Kräfte gestärkt aus der Krise kommen. Wir alle durften feststellen, dass die Gedanken der alten Eidgenossenschaft aus dem Jahr 1291 nach wie vor präsent sind. Befinden wir uns in einer Not/Krise steht die Solidarität über allem. Man hilft sich wo man kann und kommt dem gegenüber ent-sprechend entgegen. Gemeinsam sind wir stark und schaffen das!

Alle Elektrounternehmen und auch die Elektroplanung stehen mit ihren Fachkräften nach wie vor im Einsatz. Die Baustellen sind mit wenigen Ausnahmen im Betrieb, auch wenn sie teilweise etwas ausgelichtet wurden und Arbeiten mehr etappiert werden, damit sich nicht zu viele Personen auf engem Raum zusammen befinden. Ebenfalls müssen die Hygienemassnahmen des BAG ausnahmslos eingehalten werden. Dies funktioniert bei einem grossen Teil der Baustellen ausgezeichnet. Es wird mehr aufeinander Rücksicht genommen, um die nötigen Abstände zu gewährleisten. Dem einen oder anderen gefällt die Arbeitssituation gar, stehen ihm doch bei der Erledigung seiner Aufgaben nicht andere Handwerker auf den Füssen, die an der gleichen Ecke ebenfalls dringend etwas zu erledigen haben.

Leider gibt es trotzdem viele Betriebe, die schlagartig in die Kurzarbeit gezwungen wurden. Dies nicht, weil die Arbeit fehlt, sondern weil sie viele Aufträge nicht ausführen können. In vielen Fällen haben in der Industrie oder selbstverständlich im Gesundheitswesen die Verantwortlichen ihre Anlagen, Betriebe oder Institutionen abgeriegelt und lassen kein Fremdpersonal zum Schutz der eigenen Belegschaft mehr in die Gebäude. So müssen geplante Arbeiten warten, bis dies wieder möglich ist. Es mangelt also nicht an Arbeit, wie dies in der klassischen Rezession der Fall ist, sondern die Aufträge sind lediglich verschoben worden auf die Zeit danach. Diese wird kommen und dann gilt es wahrscheinlich, das Aufgeschobene rasch möglichst aufzuarbeiten. Einige Unternehmen werden dann vor dem gegenteiligen Problem stehen: Woher das Personal nehmen, wenn wieder der Normalbetrieb herrscht und die Arbeiten aufgeholt werden müssen?

Von heute auf morgen ins Home Office

Nachdem der Bundesrat uns in den Lockdown geschickt hatte, standen viele Mitarbeiter von Elektroingenieurbüros vor ihrer ersten Home-Office-Woche. Nur noch rund 10 Prozent der Belegschaft befand sich am klassischen Arbeitsplatz. Viele Mitarbeiter sind zu Hause bereits bestens mit eigenen Computern eingerichtet oder die Firmen stellten ihnen die EDV-Einrichtung aus dem Büro zur Verfügung. Ab Stufe Projektleiter sind die Mitarbeiter in der heutigen Zeit sowieso meistens mit mobilen Arbeitsgeräten wie Notebook, Tablet-PC, Surface etc. ausgerüstet. Der Fernzugriff ist heute Standard und gehört einfach dazu. Bereits geplante Besprechungen wurden übers Wochenende wie selbstverständlich vom Sitzungszimmer im Büro oder beim Kunden, von der Baubaracke oder dem Meetingraum des Generalunternehmers ins Netz verlegt. Auf einen Schlag fanden Hunderte Video- und/oder Telefonkonferenzen statt. Im Grossen und Ganzen funktionierte diese Art von Besprechung aus dem Stand.

Ein Projektleiter mit durchschnittlich 10 bis 20 Besprechungen in der Woche auf verschiedenen Anlagen und in verschiedenen Projekten an unterschiedlichsten Orten hat auf einmal nur noch Videobesprechungen. Die Effizienz ist massiv gestiegen. All die vielen Stunden im Stau und auf der Strasse können produktiv im Büro zu Hause gearbeitet werden. Da keine Reisezeiten anfallen, können die Termine enger aneinander geschoben werden.

Die Unternehmer und teilweise auch Bauherren konnten sich zuerst nicht vorstellen, einen Projektleitung ohne Baubesuch durchzuführen. Gezwungen durch die aktuelle Situation, musste es trotzdem gehen. Der Elektriker kann von der fraglichen Stelle ein Foto machen und dem Elektroplaner senden. Anschliessend kann das Problem telefonisch anhand der Fotos besprochen und geregelt werden. Braucht es mehrere Teilnehmer, ist das mit der heutigen ICT-Technologie auch kein Problem. In anderen Fällen hilft sich der Unternehmer mit einem Facetime-Gespräch, das Problem kann ebenfalls direkt und «live übertragen» gelöst werden. Der Regierapport wird gescannt und per Mail zugestellt. Nach Kontrolle und Unterschrift geht dieser auf dem gleichen Weg zurück – erledigt. In dergleichen Art und Weise wurden auch Werkstattabnahmen von Schaltgerätekombinationen gemacht.

Selbstverständlich braucht es den einen oder andern Baubesuch für das klärende Gespräch vor Ort. Dies kann aber in vielen Fällen massiv reduziert und konzentriert werden. Neben mehr Effizienz und somit wirtschaftlicheren Aufträgen wird durch die Abnahme an Reisetätigkeit auch die Umwelt geschont.

Vertrauen auf die Probe gestellt

Der eine oder andere Vorgesetzte hat Mühe, sich an die neue Arbeitsweise zu gewöhnen. Ihm fehlt die Kontrolle über die Mitarbeiter, wenn er sie nicht persönlich sehen kann. Jetzt gilt es aber umso mehr, den Mitarbeitern zu vertrauen. Wir merken es rasch, wenn die Leistung nachlässt oder die Ergebnisse nicht mehr den Anforderungen oder gesetzten Terminen entsprechen. Mit den Möglichkeiten der Telefon- und Videokonferenz können im genauen gleichen Stil Probleme und Details besprochen  sowie einfach der Kontakt zum Mitarbeiter gehalten werden.

Leider gibt es Vorgesetzte, bei denen Mitarbeiter ärztliche Zeugnisse vorlegen mussten, damit die von zu Hause aus arbeiten durften. Wer nach dem Motto «Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser» führt, kann dies aber problemlos auch über Distanz machen. Ob es sich dabei um einen fortschrittlichen Führungsstil handelt, sei dahingestellt. Ebenfalls haben einige Vorgesetzte Mühe, sich an die neuen Arbeitsformen zu gewöhnen und diese entsprechend zuzulassen bzw. anzunehmen. Muss man denn wirklich für eine bestimmt Arbeit im Büro sein? Ist man nicht effizienter, wenn man weniger gestört wird und die Arbeit so rasch und konzentriert erledigen kann? Nur weil wir es «immer so gemacht haben», muss es nicht heute noch die beste Variante sein.

Wo aber viel Sonne ist, gibt es auch Schatten. Bei dieser Arbeitsweise ist es wichtig, einen klaren Tagesablauf zu haben. Dazu gehören das Arbeiten zu den regulären Präsenzzeiten wie auch das Einhalten der Pausen. Ausserdem fehlt auch ganz klar der soziale Kontakt unter den Mitarbeitern. Mal der kleine Kaffeetratsch, mal das gemeinsame Feierabendbier. Der virtuelle Kontakt ist da ein sehr begrenzter Ersatz.

Was wird uns bleiben?

Sicher – es gibt Arbeiten, die wir besser mit einer persönlichen Besprechung erledigen. Der persönliche und direkte Kontakt zum Kunden ist genauso wichtig. Trotzdem bleibt zu hoffen, dass die positiven Aspekte des Arbeitens während des Lockdowns beibehalten werden: mal eine Videokonferenz für eine 30-minütige Besprechung statt einer An- und Abreise von je einer Stunde, mal ein Problem mit einem Foto oder dergleichen lösen statt eine Besprechung vor Ort oder auch mal zu definierten Tagen oder Halbtagen von zu Hause aus Arbeiten erledigen, die eine grosse Konzentration erfordern. Der Störfaktor ist wesentlich kleiner. Nehmen wir die positiven Aspekte mit und haben wir Mut neue Arbeitsmodelle einzuführen. Mit dem Einsatz des Home Office werden wir effizienter und helfen ganz nebenbei auch noch dabei, die Umwelt zu schützen. Auch die grösste Krise hat positive Seiten – nutzen wir sie!