Installations- und Gebäudetechnik

Mit Habitects sollen Probleme der verschiedenen Bezugsgruppen im Sanitärmarkt mit digitalen Tools gezielt gelöst und diese dadurch besser verknüpft werden. (Bilder: zVg)

Habitects-CEO Carlos Ardila (li.) im Gespräch mit Mitarbeiter.

Das Team von Habitects

Geht der Bauhandel digital?

Die Walliser Bringhen-Gruppe stellt ihre 120 000 Produkte aus den Sparten Bad, Platten, Parkett, Küche, Baumaterial und Holz auf den volldigitalisierten Marktplatz des Start-ups Habitects. Die junge Partnerschaft könnte laut Experten den Auftakt einer neuen Ära im Schweizer Bauhandel einläuten.

In der Finanzbranche sind sie längst Standard. Selbstredend in der ICT-Ökonomie, in vielen produzierenden Gewerben oder in der Mobilität. Digitale Prozesse und vernetzte Lösungen erobern die Wirtschaft, vereinfachen sie, machen sie schlanker und damit effizienter. Die Bau- und Immobilienbranche hinkt dem rasanten Tempo der Industrie 4.0 bislang hinterher. Zwar gibt es BIM (Building Information Modeling), eine stark wachsende Methode zur vernetzten Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden mittels einer Software. Noch weitgehend über traditionelle Kommunikations- und Abwicklungskanäle läuft derweil die Interaktion zwischen den einzelnen Protagonisten, den Herstellern, Handwerkern, Architekten und vor allem den Immobilieneigentümern.

Jetzt kommt Bewegung in die Szene. Die kürzlich verkündete Partnerschaft zwischen der Bringhen-Gruppe und der Habitects AG lässt aufhorchen. Der mittelgrosse Walliser Baustoffhändler Bringhen beteiligt sich als namhafter Investor am jungen Winterthurer Proptech-Start-up, das vor Jahresfrist eine neue digitalen Handels- und Serviceplattform für den Sanitärbereich in der Schweiz entwickelt und gebaut hat. Bringhen macht über den virtuellen Marktplatz von Habitects zudem ihr gesamtes Portfolio an 120 000 Artikeln aus den Sparten Bad, Fliesen, Parkett, Küche, Baumaterial und Holz zugänglich.

Vernetzung und Effizienz für die ganze Branche

Profitieren sollen vom im Markt bislang einzigartigen Modell nicht nur die beiden involvierten Partner selbst, sondern alle Protagonisten der Sanitärbranche. Für Bringhen sei es wichtig, die internen Prozesse zu digitalisieren, um die eigene Effizienz zu steigern und dadurch auch Mehrwerte für die ganze Branche zu schaffen, sagt Jean-Pierre Bringhen, Inhaber und CEO der Bringhen Gruppe. Für Habitects ist der Einstieg des Walliser Baustoffhändlers als veritabler Coup zu bezeichnen. Das Start-up schreibt sich auf die Fahne, gezielt Probleme der verschiedenen Bezugsgruppen im Sanitärmarkt mit digitalen Tools zu lösen und sie dadurch vor allem besser zu verknüpfen. Mit Hilfe dieser namhaften Partnerschaft könnte dieser Stein nun richtig ins Rollen gebracht werden.

Bringhen und Habitects sind sich einig, dass sie mit der Bündelung ihrer Kompetenzen und dem Einsatz neuster Digitaltechnologie einen langfristigen Beitrag zur Erhaltung der Wettbewerbskraft von allen Schweizer Unternehmen des Baunebengewerbes leisten können. Entsprechend zufrieden zeigt sich Jean-Pierre Bringhen über den geschlossenen Deal: «Für mich ist diese Partnerschaft ein weiterer wichtiger Meilenstein in unserer Firmengeschichte. Um einen solchen Schritt ausserhalb der traditionellen Marktstruktur zu unternehmen, musste die Firmengruppe eine kritische Grösse mit einer entsprechenden Marktabdeckung erreichen.»

Für den Habitects-CEO Carlos Ardila birgt die Partnerschaft mit Bringhen im Speziellen für die Handwerkerbetriebe grosse Potentiale: «Wir verfügen bereits heute über ein breites digitales Tool-Set, das die Prozesse von Handwerksbetrieben schlanker und einfacher macht.» Das man jetzt für die weitere Firmenentwicklung von den langjährigen Kompetenzen der Bringhen-Gruppe profitieren könne, sei ein Glücksfall. «Gemeinsam werden wir schon bald weitere, neue Services auch für bestehende Bringhen-Kunden im Handwerkerumfeld lancieren können», kündigt Ardila an.

Gamechanger für die ganze Branche?

Dass die digitale Offensive von Habitects auch in der Haustechnik- und Installateur-Branche bereits auf fruchtbaren Boden stösst, belegt das Beispiel der Haustechnik Eugster AG im thurgauischen Arbon. Das KMU arbeitet seit sechs Monaten für Badumbauten mit dem «Bauconcierge» von Habitects, der eine detaillierte digitale Erstberatung sowie Unterstützung bei der Akquisition der geeigneten Partner für die Umsetzung von Projekten bietet. «Wir sind von diesem Service begeistert und erhalten für dieses Tool auch von unseren Endkunden viel positives Feedback», bestätigt Inhaber und Geschäftsleiter Daniel Eugster.

Als langjähriger Kenner des Sanitärmarkts räumt er Habitects sehr gute Chancen ein, mittels der Vernetzung von Prozessen, Produzenten, Lieferanten, Markt- und Kundenbedürfnissen echte Mehrwerte für die Zukunft zu schaffen. «Das von Habitects kreierte digitale Cockpit vernetzt Beratungs-, Logistik- sowie Service-Dienstleistungen und kann dadurch die Prozesskette kürzer und transparenter machen», erklärt Eugster. Das Start-up könnte für ihn durchaus zum Gamechanger der ganzen Sanitärbranche werden.