Licht

(Bild: zVg)

Swiss Lighting Forum 2020

Volles Haus zum Jubiläum

440 Interessierte nahmen am Swiss Lighting Forum teil, das bereits zum 10. Mal durchgeführt wurde. Die Themen Innen- und Aussenbeleuchtung wie auch Vernetzung und IoT wurden in diversen Break-out-Seasons, Bar-Gesprächen und im regulären Programm behandelt.

An diesem Branchenanlass wurde das ganze Spektrum der Themen aufgezeigt, die auf dem Gebiet der Lichttechnik zu reden geben. Dabei kann die Beleuchtungsindustrie aufgrund von Internet of Things (IoT) in Zukunft nahezu jeden Lebensbereich ausleuchten. In Verbindung mit der Sensorik und dem Internet sind Leuchten in der Lage, eine grosse Menge an verwertbaren Daten zu liefern. So können diese Muster bei Präsenzzeiten, Bewegung und Besucheraufkommen veranschaulichen. Dies wurde auch an diesem Anlass klar. So war der Hörsaal im Konferenzzentrum der Messe Basel gut gefüllt als Dr. Jürgen Waldorf vom ZVEI mit einem Rückblick und diversen Statistiken auf die Marktentwicklung bei Lampen und Leuchten der letzten 10 Jahre einging. Er zeigte den Start des LED-Zeitalter über die Faktoren der Marktdurchdringung und die Gesetze zur Energieeinsparung (vom Glühlampenverbot bis zum Verbot der Leuchtstofflampe und  Energieverbrauchskennzeichnung) auf. Er erwähnte die Gesetze zur Qualität der Produkte (Lebensdauer, Ausfallrate, Farbortstabilität, Flicker) und ging auf die Kerngrössen am Beispiel der Lampen ein wie Bemessungslichtstrom, Lichtausbeute, Lichtstärkeverteilung und Farbqualität (Lichtfarbe, Farbwiedergabe, Farborttoleranz). Im Weiteren hielt er die benötigte Lebensdauer in der Applikationen fest, die immer eine Frage der benötigten Betriebsstunden sei sowie die Systemzuverlässigkeit darstelle.

Danach ging Prof.Dr. Tran Quoc Khanh auf das Zusammenspiel zwischen Lichtspiel und Konnektivität ein sowie die Entwicklungsstufen in der Lichttechnologie. Während ab ca. dem Jahre 1930 Leuchten mit konventionellen Lichtquellen den Markt beherrschten, kamen die LED-Leuchten (leuchtstoff-konvertiert, dann die ersten HCL-orientierten  LED-Leuchten und IOT) und ging auf die Entwicklungsstufen in der Lichtwissenschaft ein.  Er nannte die Trends zu Smart Lighting mit der standortunabhängigen Vernetzung, der beliebigen Anzahl an Smart Devices, Fernwartung und Überprüfung sowie Vernetzung verschiedenster Geräte und Sensoren und erklärte bevorzugte Leuchtungsstärken sowie Ergebnisse der bevorzugten Leuchttemperatur.

Linsen und Reflektoren

Nach einer Pause ging es in Breakout.Sessions in verschiedenen Räumen zu Licht im Innen- und Aussenraum sowie zur Steuerung und IoT weiter. Zum Optikkonzept von Linsen und Reflektoren nannte Dr. Katrin Schroll, Leiter Optikentwicklung bei Siteco etwa die Anforderungen an die Lichttechnik einer modernen Strassenbeleuchtung und was die neusten Entwicklungen im Bereich der LED-Technik seien. So konnte sie auch die Vor- und Nachteile von Linsen und Reflektoren aufzeigen und aktuelle sowie zukünftige Anforderungen an die verschiedenen Optikkonzepte in Bezug auf die technischen Aspekte nennen und das Empfinden sowie die Anpassbarkeit an zukünftiges Bedürfnisse vergleichen. Danach ging Fabian Frei von Burri Public Elements auf die Standardisierung der Schnittstellen zwischen der Strassenleuchte sowie der Sensorik ein und nannte Chance und Herausforderungen  von standardisierten Schnittstellen wie ZHAGA 18.

Betreffend Aussenbeleuchtungen sprach dann Jörg Imfeld von Elektron AG und Leiter der SLG-Fachgruppe „Strassen und Plätze“ zum Thema Licht-Immissionen in der Praxis und nannte Massnahmen zur Vermeidung unnötiger Lichtemissionen. So ging er auf Lichtfarben im Aussenbereich ein sowie den Direkt-Anteil und Indirekt-Anteil bei der Himmelsaufhellung, die Lichtaustritts-Fläche sowie den Einsatz von asymmetrischen Scheinwerfern. Bezüglich der Fassadenaufhellung durch Strassenbeleuchtung zeigte er Vergleiche von konventioneller  und –LED-Beleuchtung auf. Bei der Umgebungsaufhellung ging er auf die Sportplatzbeleuchtung ein und verglich diese zwischen konventioneller und LED-Beleuchtung. Bezüglich bläulichem Licht fügte er an, dass Untersuchungen belegen würden, dass bläuliches Licht eine grössere Anlockwirkung auf viele Tiere als warmes/gelbliches Licht haben würde und bläuliches Licht mehr in die Atmosphäre streue, dies aufgrund von kürzeren Wellenlängen. Zum Anlass selber erklärte Jörg Imfeld: «Das Swiss-Lighting Forum 2020 war ein Erfolg. Es gab viele gute Referate zu spannenden Themen, die Pausen waren gerade richtig lang und gaben Gelegenheit, sich auszutauschen. Die vielen Teilnehmer beweisen es: Das Swiss-Lighting Forum jährlich durchzuführen macht Sinn.»

Von HCL und Blaulichtschädigung

Am Nachmittag ging Fabian Gerschwiler von Regent auf die Transformation eines Leuchtenherstellers zu einem zu einem Smart Building Enabler ein, nannte erste Erfahrungen sowie Chancen und Erfahrungen. Über das Planen von Human-Centric-Lighting (HCL) sprach Marcel Hubeli von Bartenbach GmbH und erklärte neue Konzepte für HCL-Lichtlösungen. Er erläuterte ausgeführte Anlagen, eine gewerksübergreifende HCL-Lösung und die entsprechenden Ansprüche.

Am Schluss ging Prof. Dr. Christoph Schierz der TU Illmenau auf die Blaulichtschädigung ein und hielt fest, dass grossflächig leuchtende Leuchten ohne sichtbare LEDs (z. B. hinter Opalglas) nur ein sehr geringes Risiko darstellen und sichtbare handelsübliche LED-Lichtquellen auch nur ein geringes Risiko darstellen würden. Zudem würden natürliche Augenbewegungen die Belastung der Netzhaut reduzieren. Zudem sei eine Risikobewertung in 20 cm Abstand zur Lichtquelle für viele Anwendungen nicht sinnvoll und zu restriktiv. Handelsübliche LED-Lichtquellen seien bei bestimmungsgemässem Gebrauch (unabhängig von der Lichtfarbe) bezüglich Blaulichtschädigung (Blue-Light-Hazard) und ungefährlich. Diese Unbedenklichkeit gelte aber erst recht für Bildschirme. Dennoch sei auf Schutz vor störender Blendung zu achten (UGR-Grenzwert). Gegen AMD sind noch keine wissenschaftlich tragfähigen Grenzwerte möglich. Nach dem Vorsorgeprinzip kann aber empfohlen werden, bei Lichtquellen auf einen erhöhten Rotanteil im Spektrum zu achten (z. B. mit einem hohen R9-Wert). Ungeachtet der Unbedenklichkeit bzgl. Netzhautschädigung sind die Lichtwirkungen auf die Chronobiologie des Menschen zu betrachten. Dazu erklärte abschliessend Prof. Dr. Christian Cajochen den aktuellen Kenntnisstand der Chronobiologie und stellte Grenzwert-Empfehlungen zu dieser Messgrösse für die Raumbeleuchtung vor.

Stimmen

Daniel Cathomen, Präsident FVB Fachverband der Beleuchtungsindustrie erklärte zum Swiss Lighting Forum 2020: „Der neu gewählte Name Swiss Lighting Forum anstelle des LED Forums ist Zeuge dafür, dass sich die LED nun zu einer Normalität in unserer täglichen Arbeit entwickelt hat – aus LED wurde Licht! Beim diesjährigen Forum erlebten wir wiederum die vielen Dimensionen, die eine professionelle Lichtlösung beinhaltet und welche Trends die Branche beschäftigen. Sei es die LED per se oder neue Technologien wie IoT – das Licht hat sich emanzipiert und bietet uns allen viele neue Chancen und Potentiale, die es zu verstehen und zu nutzen gilt.“

Und Eva Geilinger vom BFE meinte: „Das Swiss Lighting Forum bietet Gelegenheit, sich an einem «Quasi-Klassentreffen» der Lichtbranche mit Bekannten auszutauschen, neue Kontakte zu knüpfen und der Marktsituation auf den Zahn zu fühlen. So findet man etwa Antworten auf Fragen wie „Wo drückt’s, was wird gerade erforscht und weiterentwickelt oder was stimmt optimistisch?“ Und weiter meinte Eva Geilinger, dass LED ein nie dagewesenes Energiesparpotenzial freilegt. Die Branche sei jedoch gefordert, den hohen Erwartungen gerecht zu werden. Der Markt wurde wilder, alte Gesetzmässigkeiten sind nicht mehr gültig, und eine neue gute Praxis und neue Standards müssen sich erst aus vielen gemachten Erfahrungen entwickeln. Sensorik, Vernetzung und Automation müssen jetzt voll zum Tragen kommen, dann lassen sich die Stromeinsparungen durch den Leuchtmittelersatz nochmals verdoppeln. Das macht den Erfahrungsaustausch zwischen Praktikern, Forschenden und Fachverbänden, den der Anlass bietet, umso notwendiger.

Dass sich die Lichtbranche in den letzten eineinhalb Jahren unter dem Programm «energylight» formiert hat, begrüsst das Bundesamt für Energie zudem sehr. Mit seinem Programm EnergieSchweiz unterstützt das BFE einzelne der Umsetzungsprojekte sowie die Geschäftsstelle energylight auch finanziell, dies mit dem ambitionierten Ziel, den Stromverbrauch der Beleuchtung bis 2025 zu halbieren von 7 auf 3.5 TWh pro Jahr. Die geplanten Projekte zielen beispielsweise darauf, die akkurate Vermessung von Sensoren sowie standardisierte Planungsdaten voranzutreiben und die Kompetenz der Bauherrschaften auszubauen für die Inbetriebnahme und richtige Einjustierung von neuen Beleuchtungsanlagen.

Das nächste Swiss Lighting Forum findet am 28. Januar 2021 in Basel  statt.

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