Stromerzeugung

In der ZEV-Liegenschaft Martinshöhe am Sempachersee produzieren 538 Solarpanels jährlich 150000 kWh Strom und versorgen die Bewohnerinnen und Bewohner der 50 Mietwohnungen mit Energie. (Bild: CKW)

Voraussetzungen für einen ZEV im Überblick. (Bild: CKW)

PV-Strom gemeinsam produzieren und nutzen

Seit Anfang 2018 ist der Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) und damit auch die gemeinsame Produktion und Nutzung von Solarstrom über angrenzende Grundstücke hinweg möglich. Eine gute Planung und Umsetzung sowie eine einfache Verwaltung der Abrechnungen sind Grundvoraussetzungen für den Erfolg dieser kollektiven Solarprojekte.

Der Eigenverbrauch von Solarstrom ist ein zentraler Pfeiler der Energiestrategie des Bundes. Deshalb wurde 2015 das Konzept der Eigenverbrauchsgemeinschaft (EVG) eingeführt. Es dient dem vertraglichen Zusammenschluss zwischen mehreren Parteien, die ihren selbst produzierten Solarstrom gemeinsam verbrauchen. Eine EVG besteht aus dem Besitzer bzw. Betreiber der Solaranlage und mehreren Endverbrauchern, die sowohl Eigentümer als auch Mieter sein können. Bleibt bei einer EVG das Messwesen weiterhin an den Verteilnetzbetreiber (VNB-Praxismodell) gebunden, mussten zum Teil ausführliche Vertragswerke von jedem einzelnen Bewohner unterschrieben werden. Denn für die Verbraucher gilt weiterhin die Stromversorgungsverordnung (StromVV), der Monopolist übernimmt aber auch Dienstleistungen im privaten Bereich. Dies führte zu gesetzlichen Grauzonen, die bis anhin die Umsetzung dieser Solarprojekte erschwerten.

Mit dem revidierten und seit 1.1.2018 in Kraft getretenen Energiegesetz wurden die EVGs als Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) definiert. Hierbei handelt es sich um eine juristische Bezeichnung, die die Rahmenbedingungen des Zusammenschlusses genau definiert und alle Prozesse nach dem Hauptmesspunkt inklusive dem eigenen Messwesen liberalisiert. Ausserdem dürfen sich jetzt nicht nur Wohnungen im selben Haus, sondern auch aneinandergrenzende Grundstücke zusammentun, um den produzierten Solarstrom zu nutzen. Gegenüber dem Energieversorger treten sie als ein Kunde auf. Die Strommessung durch den Energieversorger innerhalb der Eigenverbrauchsgemeinschaft fällt dadurch weg oder wird als private Dienstleistung angeboten. Das soll die Umsetzung von kollektiven Solarprojekten vereinfachen und schafft Raum für innovative Lösungsansätze.

Wie bildet man einen Zusammenschluss?

Der Zusammenschluss zur eigenen Produktion und Nutzung von PV-Strom zahlt sich aus. Neben dem ideellen Aspekt, einen aktiven Beitrag zur Energiewende zu leisten, gibt es eine Vielzahl an wirtschaftlichen Faktoren, die für den ZEV sprechen. So können sich Besitzer wie Bewohner einer ZEV-Liegenschaft darüber freuen, dass der selbst produzierte Strom günstiger ist als der aus dem Netz. Ausserdem fallen keine Netzgebühren sowie Abgaben für Strom aus Eigenproduktion an. ZEV-Liegenschaften entsprechen dem Zeitgeist und gewinnen damit an Attraktivität und Wert. Aber wie lässt sich der Zusammenschluss zum Eigenverbrauch umsetzen? Welche rechtlichen und organisatorischen Aspekte sind zu berücksichtigen? Der schweizerische Fachverband für Sonnenenergie Swissolar hat hierzu im Auftrag von EnergieSchweiz und in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Hauseigentümerverband und dem Schweizerischen Mieterverband den „Leitfaden Eigenverbrauch“ erarbeitet. Er informiert über die gesetzlichen Bestimmungen des ZEV, hält aber auch fest, dass weiterhin die Möglichkeit besteht, Eigenverbrauchsgemeinschaften zu bilden, bei denen die Mitglieder Kunden des örtlichen Energieversorgers bleiben, insofern er dies anbietet. Als wichtigste Kriterien zur Bildung eines ZEV nennt Swissolar in seiner Medieninformation zum Leitfaden vom Frühling 2018:

Anschlusspunkt: Der ZEV darf nur über einen Anschlusspunkt ans öffentliche Stromnetz verfügen. Die Nutzung öffentlicher Netze durch den ZEV ist nicht zulässig.

Angeschlossene Grundstücke: Der ZEV kann über mehrere aneinander angrenzende Grundstücke hinweg gebildet werden, sofern die je öffentlichen oder privaten Grundeigentümer am ZEV teilnehmen und solange das Netz des Netzbetreibers nicht in Anspruch genommen wird. Zusätzlich müssen alle Teilnehmer am Ort der Produktion auf mindestens einem der teilnehmenden Grundstücke Endverbraucher sein.

Messwesen: Für das Messwesen innerhalb des ZEV ist ausschliesslich dieser selbst zuständig. Er muss sicherstellen, dass alle gesetzlichen Vorgaben und Richtlinien eingehalten werden. Ausnahme bildet die Messung der Stromproduktion der PV-Anlage ab 30 kW, hierfür ist weiterhin der Verteilnetzbetreiber zuständig. Zudem installiert der Netzbetreiber einen Zähler zur Messung von Bezug und Rückspeisung des Zusammenschlusses.

Minimale Anlagengrösse: Ein ZEV ist nur zulässig, wenn die Produktionsleistung der Anlage oder der Anlagen mindestens 10 Prozent der Anschlussleistung des Zusammenschlusses beträgt.

Freier Strommarkt: Bei einem ZEV mit einem Stromverbrauch von mehr als 100 MWh pro Jahr ist der Zugang zum freien Strommarkt offen. Diese Schwelle dürfte in der Regel ab ca. 25 Wohnungen überschritten werden.

Welche Abrechnungslösung ist am besten geeignet?

Die Abrechnung von Solarstrom aus einem ZEV-Projekt ist für viele Bauherren eine Herausforderung. Für eine einfache Verwaltung und die Rentabilität eines solchen Projekts ist die richtige Abrechnungslösung jedoch entscheidend. Der Markt an Lösungen ist jung, dynamisch und hat sich in den letzten zwei Jahren geradezu explosionsartig entwickelt. Die Menge und Diversität von angebotenen Abrechnungslösungen macht die Entscheidung, welche sich nun für das eigene Projekt am besten eignet, zu einer anspruchsvollen Aufgabe. Viele Energieversorgungsunternehmen, private Firmen und Startups bieten die Abrechnung von kollektiv genutztem Strom als Dienstleistung an. Die Angebote sind oftmals auf spezifische Eigenschaften zugeschnitten, sodass ein direkter Quervergleich der Lösungen schwierig ist. Umso wichtiger ist es, die eigenen Bedürfnisse sorgfältig zu prüfen: Welche regionalen Angebote stehen zur Verfügung? Entsprechen sie den Projektanforderungen oder sind sie allenfalls überdimensioniert? Wie hoch sind die dafür anfallenden Kosten? Wie geht der Dienstleister bei der administrativen Aufsetzung der Abrechnungslösung vor? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt unter anderem die schweizweit einzige Übersicht über die aktuell angebotenen Abrechnungslösungen für den Eigenverbrauch von Solarstrom, die von der Energie Zukunft Schweiz AG erstellt wurde. Sie verschafft einen Überblick über die geografische Verfügbarkeit und Produkteigenschaften der Lösungen.

Produkteigenschaften und -beispiele

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass für eine erste Standortbestimmung drei Kriterien ausschlaggebend sind: Projektgrösse, Bereitschaft zur Eigeninitiative und der Bedarf an speziellen Funktionen. Für Liegenschaften mit einem gehobenen Ausbaustandard oder dem Wunsch nach spezialisierten Anwendungen wie zum Beispiel einer Smart-Home-Anbindung, Blockchain oder einer integrierten Nebenkostenabrechnung bieten private Unternehmen ein exklusives Service-Angebot. Für Grossüberbauungen und in Bestandsbauten sind vielfach die Lösungen der Verteilnetzbetreiber gut geeignet. Viele VNB bieten Komplettlösungen an, die Dienstleistungen wie Batterieoptimierung, Zählermiete und -kauf, Stromkosten-Monitoring, Rechnungstellung, Datenübertragung, Inkasso o. Ä. einschliessen.

Der Energieversorger aus dem Kanton Luzern CKW setzt hierbei auf ein dreistufiges Abrechnungsmodell, bei dem je nach gewünschtem Eigenaufwand die entsprechende Variante gewählt werden kann. So übernimmt zum Beispiel der ZEV-Verantwortliche im „Basic“-Paket die Aufbereitung und den Versand der Rechnungen selbst, während in der „Deluxe“-Lösung alle Leistungen von CKW erbracht werden. Letzteres Angebot wählte die ZEV-Liegenschaft Martinshöhe in Sempach. 538 Solarpanels produzieren hier jährlich 150 000 kWh Strom und versorgen die Bewohnerinnen und Bewohner der 50 Mietwohnungen mit Energie. Wenn der Stromverbrauch höher ist als die Stromproduktion, wird der fehlende Strom von CKW bezogen. Wenn zu viel Strom produziert wird, vergütet CKW den Überschuss und speist ihn ins Netz ein. Für Markus Brechbühl, Vertreter der Bauherrschaft, liegen die Vorteile der ZEV-Lösung auf der Hand: „Wir können unseren Mieterinnen und Mietern nachhaltiges und attraktives Wohnen bieten, ohne dass sie dafür mehr zahlen müssen“, sagt er. „Sie sparen sogar bei ihrer Stromrechnung. Das ganze Rechnungswesen, von der Aufbereitung bis zur Abrechnung, läuft komplett über CKW. So haben wir als Besitzer der Überbauung keinen Aufwand mit dem ZEV.“

Einige Startups haben sich auf kleinere kollektive Solarprojekte bis 10 Verbrauchereinheiten spezialisiert. Damit kommen sie der grossen Nachfrage nach einer günstigen Abrechnungslösung entgegen. Das Onlinetool für interne Stromabrechnungen Zevvy ist ein Beispiel für ein Abrechnungswesen, das in Eigenverwaltung ausgeführt wird. «Immer mehr Projekte brauchen einfache, kostensparende und kompetente Lösungen für das Abrechnen von Solarprojekten», betont Cyrill Burch, Gründer von Zevvy. Die derzeit noch als Beta-Version laufende Applikation kostet 1 CHF pro Monat und Verbraucher im ZEV mit einem offerierten Startguthaben von 12 CHF. Eine besondere Eigenschaft des Tools ist seine Durchgängigkeit. So können alle gängigen Zählersysteme verwendet werden, sofern es sich dabei um MID-Zähler handelt. Auch bezüglich der Messvarianten hat der Bauherr die freie Wahl. Egal ob er die Einheitstarif-, Doppeltarif- oder Echtzeitmessung wählt, im Total resultiert immer der gleiche Prozentsatz an Sonnenenergie, der zur Verfügung steht. Für die Abrechnung werden lediglich zwei Informationen benötigt: die Stromrechnung und der Zählerstand der einzelnen Wohneinheiten. Die Abrechnung kann jährlich, halbjährlich, quartalsweise oder noch häufiger erstellt werden. Solch niederschwellige Lösungen ermöglichen die selbstständige Ausführung der Abrechnung und erleichtern damit den Einstieg in die Eigenverbrauchsgemeinschaft.

Leitfaden Eigenverbrauch

Marktstudie Abrechnungslösungen