Wärmetechnik

Rund 1000 thermische Netze sind auf der Homepage www.map.geo.admin.ch (> Thermische Netze) registriert und dienen damit der Planung von örtlichen Wärmeversorgungskonzepten.

Entwicklung des Wärmemarkts in Schweden: Fernwärme und Heizöl haben sich bereits 1984 gekreuzt. (Bild: Sven Werner / Schweden)

Fernwärme-Forum 2020 – Wärmewende mit Fernwärme

Das Fernwärme-Forum 2020 in Biel hat erneut die aktuellen Tatsachen präsentiert und damit die thermischen Netze im Rahmen der Wärmewende thematisiert. Es wurden aber auch die skandinavischen Realitäten vorgestellt, als Vorbilder und Mutmacher für die Schweizer Umsetzung.

«Die Wärmewende gelingt nur mit Fernwärme-Konzepten», das war die diesjährige Botschaft des Fernwärme-Forums 2020. Rund 45 Prozent des Schweizer Endenergiebedarfs stammt aus dem Gebäudebereich. Schätzungen gehen davon aus, dass in den kommenden Jahrzehnten bis zu 30'000 fossile Heizungen durch erneuerbare Systeme ersetzt werden sollten, pro Jahr! Da kommen Nah- und Fernwärmenetze ins Spiel. Sie können eine wesentliche Rolle auf dem Weg zur Wärmewende übernehmen. Diese Aussage stand auch beim Fernwärme-Forum 2020 in Biel im Mittelpunkt.

Rahmenbedingungen

Durch die Energie- und Klimaziele erfährt die Fernwärme eine wichtige Chance. Thermische Netze können den Umbau der Wärmeversorgung hin zu nicht-fossilen Quellen begünstigen. Bereits rund 1000 Netze stehen in der Schweiz im Einsatz, erzeugen jährlich ca. 8 TWh Wärme, wobei etwa 600 mit Biomasse betrieben werden, also vor allem Holz nutzen. Während Insellösungen für die Wärmeversorgung auf der Basis von Wärmepumpen einen heute breit akzeptierten und propagierten Weg darstellen, könnten Netze und Verbünde dank Investitionsrisikogarantien einen erleichterten Start erhalten. Zudem wird die Konkurrenz der Gasversorgung gegenüber der Fernwärme in Agglomerationen deutlich stärker wahrgenommen und als Herausforderung erkannt.

Bewährte Technik für Fernwärme

Sowohl gerichtete Fernwärme als auch ungerichtete Netze können einen Beitrag leisten. Stehen Hochtemperaturquellen zur Verfügung wie etwa Kehrichtverwertungsanlagen, so setzt man eher auf eine Fernwärmeversorgung. Ab Abwasserreinigungsanlagen (ARA) handelt es sich eher um Niedertemperatursysteme, bei denen sich einerseits weitere entsprechende Quellen anschliessen lassen, anderseits kann auch ein Kühlbedarf direkt gedeckt werden.
Wesentlich sind lokale Energierichtpläne, mit welchen mittel- und langfristige Massnahmen planbar werden. Städte sind heute herausgefordert, die Funktionen von Gas- und Fernwärmenetzen klar zu definieren und für die Substitution fossiler Heizungen realistische und wirtschaftlich tragbare Lösungen zu formulieren. Dabei sollte ein ganzheitlicher, möglichst ideologiefreier, jedoch zielführender Ansatz gewählt werden. Über Energiequellen bestehen in der Fachwelt kaum noch Differenzen: Vom Seewasser, Grundwasser, über diverse Abwärmequellen bis zur Solarwärme und deren Speicherung sowie zur Erdwärme reicht die bereits bewährte Palette.

Kehricht als Energiequelle bleibt aktuell

Kehrichtverbrennungsanlagen (KVA) standen in der Vergangenheit oft als Ausgangspunkt für eine Fernwärmeversorgung da. In der Schweiz werden stabile 3 Mio. Tonnen Abfall thermisch verwertet, um daraus ca. 13 TWh Energie zu gewinnen. Davon werden ca. 2,7 TWh in Fernwärmenetze gespiesen. Auch mit weitergehenden Recycling-Anstrengungen in den nächsten Jahrzehnten steht genügend Abfall zur Verfügung, vielmehr rechnet man mit steigenden Mengen für die KVA.

Abwärme und solare Speicherung

Nicht zum ersten Mal wurde an einem Fernwärme-Forum in Biel auf die Vorzüge der solaren Wärmespeicherung für Nah- und Fernwärmenetze hingewiesen. Dieses vor allem in Dänemark erfolgreich angewandte Konzept überzeugt, wenn im Sommer dank der Sonne auf die Verbrennung von Biomasse verzichtet werden kann.
Auch in Schweden begann die Entwicklung der Fernwärme schon in den 1960er-Jahren. Heute zeichnet sich das Land durch hohe Netzdichte und eine grosse Ressourcennutzung bei Abwärme und erneuerbaren Energien aus. Schlüssel dazu ist auch eine hohe Besteuerung fossiler Energien. Zum Erfolg der Fernwärme hat die Verwertung von Restmaterialien der weit verbreiteten Holzverarbeitung einen wesentlichen Beitrag geleistet. Es gilt offenbar, die naheliegenden Chancen zu erkennen und sinnvoll zu nutzen. Während die Gegebenheiten von Land zu Land und von Agglomeration zu Agglomeration sehr unterschiedlich sein können, gilt es das Prinzip des Identifizierens von möglichen Quellen anzuwenden. In Schweden versteht man auch die technologische Kombination von WKK-Anlagen für Abfall oder Biomasse sowie leistungsstarken Wärmepumpen als sinnvollen Weg für die Fernwärme zu begehen.