Schmitten bei Filisur (GR)

Vor allem in den Bergregionen sind Ferienhäuser sehr beliebt: Rund 700 000 Wohnungen in der Schweiz sind Zweitwohnungen – ein Anteil von 16 Prozent. Im Bild: Schmitten bei Filisur (GR). (Foto: iStock)

Ferngesteuert heizen

Rund jede sechste Wohnung der Schweiz ist nicht dauerhaft bewohnt. In diesen Zweitwohnungen schlummert ein Energiesparpotenzial, das mit einer ferngesteuerten Heizung besser ausgeschöpft werden kann.

Das Chalet in den Bergen, in dem man einen gemütlichen Jahreswechsel, die Ski- oder Sommerferien verbringt oder in das man sich einfach für ein Wochenende zurückzieht: Das ist für viele Schweizerinnen und Schweizer ein Luxus, den sie sich gerne leisten.

Wie beliebt Zweitwohnungen in der Schweiz sind, das zeigen die Zahlen: Rund 700 000 Wohnungen sind es derzeit – vorwiegend Ferienwohnungen. «Dies entspricht einem Anteil von 16 Prozent», erklärt Mihaela Grigorie, Fachspezialistin Energieeffizienz beim Bundesamt für Energie (BFE).

In anderen Worten: Fast jede sechste Wohnung in der Schweiz ist nicht dauerhaft bewohnt. Energie benötigt sie aber trotzdem, insbesondere für die Heizung. Der aktuelle Verbrauch für die Heizung in diesen Zweitwohnungen beträgt jährlich rund 5115 GWh pro Jahr, was 12 Prozent des Bedarfs an Energie für Raumwärme in Privatwohnungen entspricht.

Beträchtliches Sparpotenzial

«Der grosse Teil der Zweitwohnungs­besitzer reduziert die Raumtemperatur während der Abwesenheit, meist auf eine Temperatur zwischen 15 und 18 Grad», sagt Mihaela Grigorie. Die Konferenz ­Kantonaler Energiefachstellen (EnFK) und EnergieSchweiz hingegen empfehlen für Einfamilienhäuser eine Absenkung auf 6 Grad und für Wohnungen in Mehrfamilienhäusern auf 12 Grad.

Die Diskrepanz zwischen den Temperaturen deutet bereits darauf hin: In der Beheizung von Zweitwohnungen besteht ein Sparpotenzial an Heizenergie. Gemäss Grigorie beläuft sich dieses auf jährlich rund 2174 GWh pro Jahr.

«Verteilt auf die Energieträger sind dies rund 145 Millionen Liter Heizöl, 39 Millionen Kubikmeter ­Erdgas und 336 GWh Strom, oder ­schätzungsweise Kosten von 210 Millionen Schweizer Franken», erläutert die ­Spezialistin. «Das entspricht rund 600 000 Tonnen CO oder dem zusammenge­rechneten jährlichen Energieverbrauch aller rund 131 000 Haushalte in den ­Städten Lausanne und Bern.»

Verschiedene Systeme zur Fernsteuerung

Nun möchte aber wohl niemand ein 6 Grad kaltes Ferienhaus antreffen und dieses erst nach der Ankunft beheizen. Kommt hinzu, dass das Haus oder die Wohnung möglicherweise tage- oder wochenweise untervermietet wird und man nicht ständig vor Ort ist, um die Heizung entsprechend zu regulieren. Aus diesem Grund ist die ­Fernsteuerung von Heizungen für Zweitwohnungen eine interessante Lösung.

Grundsätzlich lässt sich jedes regulierbare Heizungssystem auch fernsteuern, wobei die Bandbreite an Lösungen von simplen bis ausgefeilten Systemen sehr breit ist. In Einfamilienhäusern ohne bisherige Absenkungen lassen sich gemäss Mihaela Grigorie bis zu 83 Prozent der Energie und je nach Energieträger Kosten von 680 bis 1400 Franken sparen.

Die Kosten für die Installation einer Fernsteuerung belaufen sich nach Aussage der Expertin auf einen dreistelligen oder niedrigen vierstelligen Betrag. In der Regel sei die Investition in die Fernsteuerung innert einem bis sechs Jahren amortisiert.

Plattform soll Installationen fördern

Um die Installation von Heizungsfernsteuerungen in Ferienwohnungen zu fördern, hat EnergieSchweiz Anfang dieses Jahres das Programm «MakeHeatSimple» ins Leben gerufen, die neben verschiedenen Tipps und Informationen auch ein Online-­Tool zur Berechnung des persönlichen Energiesparpotenzials bietet. Es ist über vier Jahre ausgelegt und wird von neun Kantonen sowie den Verbänden EIT.swiss und Suissetec unterstützt. Darüber hinaus sind schon 18 Systemlieferanten und mehr als 250 Installateure als Partner an dem Projekt beteiligt.

«Die Kampagne zielt darauf ab, das Einsparpotenzial maximal auszuschöpfen, und verfolgt sowohl qualitative als auch quantitative Ziele», erläutert Mihaela ­Grigorie. Als qualitative Ziele nennt sie die Steigerung des Bekanntheitsgrades beim Publikum, die Schaffung eines Netzwerkes professioneller Partner und deren Aus­bildung sowie die Sensibilisierung und Zusammenarbeit mit Multiplikatoren in den Tourismusregionen. Quantitative Ziele sind die Anzahl der Website-Nutzer und die Anzahl der Installationen. «Die Indikatoren werden in regelmässigen Abständen ausgewertet und die Ergebnisse am Ende der Kampagne mitgeteilt.»

Nachfrage kontinuierlich gestiegen

Um die Fernsteuerungen zu installieren, arbeitet «MakeHeatSimple» mit regionalen Partnern zusammen. Einer davon ist Tobias Bacher, Mitinhaber und Geschäftsführer der Bacher + Schmidt Elektro AG in Münster. «Da wir schon seit vielen Jahren Fern­steuerungen installieren, war das eine gute Gelegenheit, diese Systeme und unsere Firma besser bekannt zu machen», sagt er. «Die Nachfrage ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen: Vor allem die Argumente Energieeinsparung und ­Komfortsteigerung sind für unsere Kunden wichtig.»

Bei der Steuerung von Heizungen und Warmwasser installieren Bacher und sein Team das System Telebutler von Cadec. «Die Vielfalt der Geräte deckt die Be­dürfnisse der Kunden am besten ab, dazu bietet der Hersteller einen tadellosen Service», so Bacher. Bei Gebäuden, in denen eine komplette Automation installiert wird, unter Einbezug aller Gewerke (Licht, Heizung, Storen, Alarmierung, Audio etc.) installiert er KNX mit Fernzugriff. Hier ist kein separates System nötig.

Als besondere Herausforderung bei der Installation nennt Bacher die Vielfalt der Heizsysteme von Wärmepumpen, Pellets über Öl bis hin zu Elektroheizungen. In Gebäuden mit mehreren Wohneinheiten werde es zudem noch komplexer. «Durch zunehmende Erfahrung und eine grosse Palette an Geräten ist es aber bisher immer gelungen, eine Lösung zu finden, die den Wünschen der Kunden entspricht», resümiert Bacher.

Netzwerk weiter entwickeln

«MakeHeatSimple» scheint also kein leeres Versprechen zu sein. Doch stösst die Plattform auch auf Interesse seitens der Zielgruppe? «Einige Eigentümer, die an einer Anlage interessiert waren, stellten uns technische Fragen, aber im Grossen und Ganzen haben wir wenig direktes Feedback erhalten.» Das Interesse der Besucher wird durch die Besuche auf der Website im Anschluss an die verschiedenen Werbeaktivitäten der Kampagne betrachtet. Mehr als 150 000 Besucher verzeichnet die Website seit Beginn der Kampagne.

Installateure sind gemäss Grigorie daran interessiert, die Kampagne zu unterstützen. «Besonders gut entwickelt ist das Netzwerk im Wallis, wo wir bereits technische Ausbildungen angeboten haben», erläutert sie. «Die Kurse werden im Herbst auch in der Romandie, dem Tessin und den Kantonen Bern und Graubünden durchgeführt, und wir hoffen, das Partnernetzwerk so weiter ausbauen zu können.»