Aussen aufgestelle Luft-Wasser-Wärmpumpen sind Bestseller. Nicht alle Produkte scheinen jedoch mit gleichen Ellen gemessen zu werden. (Fotos: M.Staub, zVg)

Bei innen aufgestellten Wärmepumpen (hier eine Anlage in Zürich) gibt es selten Probleme mit dem Schall.

Misstöne bei der Schalldeklaration

Seit einigen Jahren dient die Schalldatenbank der Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz (FWS) als zentrales Arbeitsinstrument für Wärmepumpen-Projekte. Das Tool wird in der Branche geschätzt, lässt bei den Angaben aber beträchtliche Spielräume offen. Diese Grauzone steht zunehmend in der Kritik.

Obwohl moderne Wärmepumpen dank verbesserter Technik und Inverterbetrieb deutlich leiser sind als ihre Vorgänger, bleibt ihre Geräuschentwicklung ein «pièce de résistance» für Planer, Installateure und Bauherren. Deshalb hat ein korrekt ausgefüllter Lärmschutznachweis eine grosse Bedeutung im Baubewilligungsverfahren. Seit einigen Jahren existiert die Webapplikation Lärmschutznachweis der Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz (FWS). Sie basiert auf den Vollzugsvorschriften der Lärmschutzverordnung in Zusammenarbeit mit dem Cercle Bruit (Vereinigung kantonaler Lärmschutzfachleute). Mit dieser Schalldatenbank steht eine einheitliche Datenquelle für die Schallwerte von Wärmepumpen zur Verfügung. Als Grundlage dienen die Herstellerdeklarationen, unter anderem zur maximalen Schallleistung der Wärmepumpe am Tag (Volllastbetrieb) und in der Nacht (Teillastbetrieb). Die Idee hinter der Schalldatenbank leuchtet ein: Wenn nicht nur Planer und Installateure, sondern auch Baubewilligungsbehörden und Lärmschutzfachleute auf verlässliche, verifizierte Daten zurückgreifen, können viele Dispute vermieden werden. Ebenso werden Planungs- und Bauprozesse beschleunigt, wenn alle Beteiligten vom Gleichen sprechen.

Gegenseitige Kontrolle

Stephan Peterhans ist Geschäftsführer der FWS. Er bezeichnet die Schalldatenbank als bewährtes und zuverlässiges Arbeitsinstrument: «Alle Werte werden mehrfach überprüft und sind daher mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit korrekt. Unsere Ombudsstelle überprüft alle neuen Einträge.» Als Quellen für die Kontrolle der Schalldatenbank nutzt die FWS unter anderem Herstellerangaben, die Deklarationen baugleicher Wärmepumpen in anderen Verkaufskanälen oder die Schalldatenbanken von ausländischen Verbänden. Neben einer jährlichen Komplettkontrolle aller Datensätze durch die Ombudsstelle gebe es auch eine starke Kontrolle durch die Marktakteure, sagt Peterhans: «Rund 300 Aussendienstmitarbeiter schauen sich in der Schweiz täglich gegenseitig auf die Finger und melden der Ombudsstelle fragwürdige Angaben in Offerten. Eine bessere und tiefergehende Kontrolle gibt es in keinem Markt.»

Markus Giger ist Geschäftsführer der ait Schweiz AG und Vorsitzender der Industrievertretung Wärmepumpen beim FWS. Mit dem aktuellen Verfahren ist er zufrieden: «Viele Herstellerwerke liegen in Deutschland. Die Werte wurden dort bereits deklariert und können deshalb in der Schweiz übernommen werden. Positiv sind auch die zentrale Datenhaltung und der freie Zugang für alle Interessierten.» Zu diesen gehört auch Martin Wehrle von der Fachstelle Lärmschutz des Kantons Zürich (vgl. auch «Nachgefragt»). Er begrüsst die zentralisierte und aktuelle Datenhaltung, moniert jedoch eine gewisse Unschärfe bei den Parametern: «Sowohl der Volllastbetrieb tagsüber wie der Teillastbetrieb zur Nachtzeit müssen präziser definiert werden, damit alle Wärmepumpen mit gleicher Elle gemessen werden. Derzeit wird für den Nachtbetrieb nicht definiert, wie sehr die Heizleistung abgesenkt werden darf. So können die einzelnen Maschinen also nicht effektiv miteinander verglichen werden.»

Wachsende Unzufriedenheit

Fragezeichen zur Vergleichbarkeit und Belastbarkeit der Angaben in der Schalldatenbank gibt es bei verschiedenen Akteuren in der Branche. Zwar wird die Webapplikation geschätzt, weil sie die tägliche Arbeit vereinfacht und rasche Vergleiche zwischen einzelnen Produkten ermöglicht. Doch die bestehenden Grauzonen sorgen für eine mittlere bis manifeste Unzufriedenheit. «Das aktuelle Verfahren setzt stark auf Vertrauen. Dadurch ist es sehr einfach und schnell, lässt aber einen grossen Spielraum für Interpretationen», sagt Aldo Buntschu, Leiter Wärmepumpen bei Elco. Kritisch äussert sich auch Michael Fahrni, Produkt- und Trainingsinstruktor bei Vaillant: «Grundsätzlich ist die Schalldatenbank eine gute Sache. Ich finde es aber nicht richtig, dass für identische Produkte andere Werte deklariert werden, je nachdem, welcher Markenname auf dem Gerät steht. Eine Maschine ist immer gleich laut, der Marken-Aufkleber auf dem Gehäuse macht keinen Unterschied. Deshalb gebe ich dem Verfahren nur vier von 10 möglichen Zufriedenheitspunkten.» Ins selbe Horn stösst Rainer Gutensohn, Produktmanager Wärmepumpen bei Viessmann: «Wenn ich die Grösse und Leistung mancher Geräte sehe und diese mit den deklarierten Schallwerten vergleiche, finde ich nicht alle Angaben seriös. Entweder hat da jemand die Physik neu erfunden, oder die Zahlen sind nicht ganz korrekt.»

Genau für solche Fälle ist eine Reklamation bei der Ombudsstelle der FWS vorgesehen. Diese verifiziert die Angaben meistens durch Rückfragen beim Hersteller oder den Vergleich mit anderen Datenbanken. Begehungen oder gar Messungen vor Ort kommen nur in seltenen Fällen vor. Stephan Peterhans von der FWS ist überzeugt, dass dieser Meccano genügt: «Noch mehr kontrollieren muss man nicht, ausser man will die Arbeit doppelt und dreifach machen. Wir haben gelernt, dass dies nichts nützt, die Prozesse verzögert und zudem zu grosser Unsicherheit und hohen Kosten führt.» Auch Markus Giger von Alpha Innotec steht hinter dem derzeitigen Vorgehen: «Auch wir haben schon Werte von Mitbewerbern bemängelt. Die Ombudsstelle ist diesen Fällen nachgegangen. Einige Daten wurden korrigiert, andere von den Herstellern schriftlich erklärt und bestätigt. Als Mitbewerber muss ich dies akzeptieren, auch wenn ein Konkurrent damit bessere Werte vorweisen kann.»

Nachteile für die Branche

Mit den Hersteller-Selbstdeklarationen, die nur selten mit Messungen verifiziert werden, sind aber nicht alle glücklich. Aldo Buntschu sagt: «Es ist wie mit der Angabe zum Benzinverbrauch eines Autos auf 100 Kilometer. Das Vertrauen in solche Angaben hat gelitten. Aus unserer Sicht gibt es eine zu grosse Grauzone bei der Deklaration, und manche Hersteller nützen dies schamlos aus.» Wegen dieser «unmöglichen», aber nicht berichtigten Schallwerte sinke der Benchmark der Schalleistungspegel stark. «Diese Werte, die nur auf dem Papier funktionieren, werden dann von den Behörden verständlicherweise, aber eben auch fälschlicherweise als Stand der Technik angesehen. Unter diesen strengen Anforderungen und Erwartungen, die in der Praxis gar nicht erfüllt werden können, leidet dann die ganze Branche.»

Auf einen weiteren problematischen Punkt weist Michael Fahrni hin: «Wenn ein Hersteller seine Maschine an die zwei Firmen B und C verkauft, steckt dieselbe Technik drin. Wenn nun C aber zu tiefe Schallwerte deklariert, steht er besser da als B. Von aussen gesehen hat er ein besseres und leiseres Produkt, obwohl es identisch zur Maschine von B ist. Das ist nicht fair.» Und Rainer Gutensohn ergänzt: «Manche Kantone übertreiben ein bisschen mit dem Vorsorgeprinzip. Zuweilen müssen wir begründen, warum wir die gewählte Maschine einsetzen und nicht eine noch leisere. Wenn man immer nur die leiseste Wärmepumpe verbauen dürfte, kann man noch genau ein Produkt verkaufen. Das ist ja nicht Sinn eines funktionierenden Marktes.»

Ringen um Einheit

Wie soll es mit der Schalldatenbank nun weitergehen? Genügt ein «weiter wie bisher», oder braucht es eine Harmonisierung der Voraussetzungen, etwa indem die Parameter für die Messung der maximalen Schallwerte am Tag respektive in der Nacht klar formuliert werden? Oder wäre gar ein einheitliches Messverfahren angezeigt, an das sich alle Hersteller halten müssten? Denn das «Tuning» von Daten kann langfristig weite Kreise ziehen. Das zeigt ein Blick auf die Autoindustrie: Im Nachgang des Dieselskandals wurde das als problematisch erkannte Prüfverfahren NEFZ gekippt und durch das neue Verfahren WLTP (Worldwide Harmonized Light Duty Test Procedure) ersetzt. Dieses sorgt zwar für mehr Transparenz, führte aber zu hohen Mehrkosten für sämtliche Autohersteller.

Hinter den Kulissen ringen die FWS und der Verband GebäudeKlimaSchweiz (GKS) derzeit um das «richtige» Schalltest-Verfahren für Wärmepumpen. Die GKS-Fachgruppe Wärmepumpen beschäftigt sich mit einem Vorschlag für die Überarbeitung des bestehenden FWS-Reglements für die Schalldatenbank, stösst bisher aber auf wenig Gegenliebe. «Die Daten sind vorhanden, es ist aber immer noch die Sache von Behörden, Planern und Installateuren, den richtigen Wert für die Schallbeurteilung herauszulesen», meint Stephan Peterhans von der FWS.

Fazit: bessere Vergleichbarkeit und Nachvollziehbarkeit

Eine bessere Vergleichbarkeit und nachvollziehbare Erhebung der Schalldaten könnten trotzdem nicht schaden. «Messungen sind aufwendig und kostspielig», sagt Gutensohn, «wir sollten deshalb eine möglichst globale Lösung finden. Wir brauchen in der Schweiz keine Insellösung, aber nachvollziehbare und belastbare Angaben für alle Wärmepumpen.» Auch Fahrni spricht sich für klarere Regelungen aus: «Der aktuelle Wirrwarr ist unbefriedigend. Wir sollten Äpfel mit Äpfeln vergleichen. Bei einem einheitlichen Verfahren wären Temperaturen, Leistungen und Schallwerte für alle nachvollziehbar.»

Und Buntschu ergänzt: «Wenn die Grauzone erhellt wird, könnte sich die Anzahl der schwarzen Schafe drastisch vermindern. Das könnte dazu führen, dass sich endlich sämtliche Kantone auf die Schalldatenbank stützen. Einheitliche Abläufe statt der vielen Sonderzügli würden uns allen helfen.»