Wärmetechnik

Kreative Energieversorgung der Zukunft: In der Stadt Zürich sind für seenahe zertifizierte Areale Seewassernutzungen vorgesehen. (Quelle: www.ewz.ch/zürichsee)

Areale sollten kreative Antworten auf die prognostizierte Winterstromlücke finden. In Zukunft rechnet man mit grossen Überschüssen (im Sommer) und hohen Defiziten bei der Stromproduktion.

Mit den 2000 Watt-Arealen geht es voran

Die Swissbau 2020 ermöglichte mit dem Focus-Bereich erneut, Aktuelles zur Entwicklung im Bausektor präsentieren zu können. Auch zu den Herausforderungen durch Verdichtung, Innenentwicklung und Schaffung neuer 2000-Watt-Areale wurden News geboten.

Fachleute der Initiative 2000-Watt-Areale haben bestätigt, dass bereits 32 Objekte mit diesem 2012 geschaffenen Label zertifiziert werden konnten. Vier davon stammen aus dem Bestand. Mit dieser Erfolgsgeschichte dürfte der bereits in den 1990er-Jahren eingebrachte Begriff der 2000-Watt-Gesellschaft weiter an Bedeutung zunehmen und für das Ziel eines reduzierten Ressourcenverbrauchs sensibilisieren. Gleichzeitig stellen Forschende mit aller Deutlichkeit die Tatsache zur Diskussion, dass unsere Gesellschaft durch die zunehmende Elektrifizierung der Ansprüche an Wärme und Mobilität in eine verschärfte Winterstromlücke gerät. Ziel und Warnung sind gleichzeitig Ansporn, mit der Arealentwicklung zu mehr Energieeffizienz, neuen Speicherversionen und Produktionsoptionen für erneuerbare Energien zu einer entschärften Situation beizutragen.

Von der Industriebrache zum Sharing-Prinzip

Areale lassen sich im Gebäudebestand definieren, jedoch leichter werden sie in grösseren Baulücken, Industriebrachen und Restflächen geschaffen. Hier findet man die bedeutendsten Potenziale. Transformationsprozesse in der Wirtschaft und Industrie führen zu neuen Gegebenheiten für die Arealentwicklung, sei es ein nicht mehr genutzter Güterbahnhof, das verlassene Gelände einer Maschinenfabrik, nicht mehr genutzte Bauten eines Pharmaunternehmens usw. Areale bieten neue Möglichkeiten zum Sharing, für Co-Working-Aktivitäten, für Gästehauskonzepte, umfassen also auch gesellschaftliche und soziale Aspekte.

Klimataugliche Baustoffe

Bei der gebäudetechnischen und energetischen Betrachtung fällt auf, dass sowohl die Materialisierung als auch die Energieversorgung interessante Optionen bieten können. Mit der Mischbauweise von Holz, Beton und Stahl können industrielle Vorfertigungsvorteile genutzt, modulare Gestaltungen verwirklicht und eine rasche Montage realisiert werden. Aufstockungen und vor allem auch Hochhäuser lassen sich auf moderne Weise verwirklichen. Diese «Musterschüler der Innenentwicklung» sind aber mit optimalen Mobilitäts- und Versorgungsangeboten zu kombinieren. Zusätzlich gilt der Anspruch, dass hier ein Bauen im Klimawandel geschehen soll, also geeignete Optionen für Wetter- und Temperaturextreme gefunden werden müssen.

Kluge Energieversorgungskonzepte für Areale

Können ganzheitliche Energieproduktions- und -versorgungssysteme für Areale entwickelt werden, so lassen sich deutlich bessere Voraussetzungen für hohe Effizienzwerte und Selbstversorgungsraten schaffen. Einerseits lässt sich der für die Solarstromerzeugung definierte Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV) leichter umsetzen als im Einfamilienhaus, anderseits sind Speicherkonzepte wirkungsvoller und einfacher zu realisieren. Mit der Wärmespeicherung, die von einem sommerlichen Photovoltaik-Überschuss profitiert, wird die Wärmelücke im Winter deutlich kleiner. Die eigene Solarstromproduktion, oder auch die eigene Solarwärmeproduktion im Sommerhalbjahr, vermindert den Bedarf an Netzstrom des Areals.

Flexible Umsetzung des Konzepts gefragt

Das Label zu 2000-Watt-Arealen wird nun durch ein Zusatzmodul (Add-on) ergänzt, das innovative Lösungen berücksichtigt und so auch die Flexibilität bei der Umsetzung erhöht. Von den Fachleuten wurde an der Swissbau der deutlich artikulierte Wunsch hörbar, vermehrt grossräumiger zu denken und zu planen. Die entsprechenden Werkzeuge dafür sind vorhanden, die technischen Voraussetzungen für die Gebäudetechnik stehen zur Verfügung. Jedoch sind viele Akteure im Bau- und Immobilienmarkt involviert, was die Umsetzung von Arealentwicklungen nicht immer vereinfacht. Gerade im Baubestand darf man sicherlich von Glückfällen sprechen, wenn integrative Areale entstehen können.

www.swissbau.ch/focus

www.ewz.ch/zürichsee