Thomas Rusch: Weishaupt bietet hocheffiziente Brennwerttechnik bei Öl und Gas an, welche den Verbrauch an Brennstoff wesentlich senken können. (Foto: Patrick Lüthy)

Thomas Rusch: Mit der neuen Luft/Wasser-Wärmepumpe WWP 20-A R haben wir ein Gerät entwickelt, welches den hohen Markanforderungen gerecht werden kann. (Foto: Patrick Lüthy)

Interview mit Thomas Rusch

Der Produktionsstandort Schweiz ist attraktiv

Weishaupt AG in Geroldswil hat seit dem 1. Juni 2019 einen neuen CEO. Thomas Rusch erklärt im Interview die Wichtigkeit von hoher Produktqualität, familiengeführten Organisationen und Führungsgrundsätzen. Diese Faktoren bewähren sich auch in schwierigen Zeiten.

Interview: Andreas Widmer, Fotos: Patrick Lüthy

Thomas Rusch, Weishaupt ist bekannt für ausgezeichnete Produkte im Bereich Brenner, Heiz- und Brennwertsysteme. Die Wärmeerzeugung befindet sich seit Jahren in einem Wandel und andere Produkte wie Wärmepumpen erfreuen sich einer grossen Nachfrage. Welche Bedeutung haben fossile Brennstoffe noch?
Thomas Rusch: Dass eine Dekarbonisierung in der Energiewirtschaft angestrebt wird, ist ein wichtiger Schritt, um den Umsatz von Kohlenstoff senken können. Unsere Branche kann einen erheblichen Beitrag dazu leisten. Wir bieten hocheffiziente Brennwerttechnik bei Öl und Gas an, welche den Verbrauch an Brennstoff wesentlich senken können. Brennwertanlagen stellen die heute optimale und übliche Form der zum Heizen genutzten Öl- und Gasverbrennung dar und eignen sich auch für Heizkessel-Sanierungen.

Wäre es im Grunde genommen nicht idealer, auch bei Sanierungen eine Wärmepumpenlösung anzustreben? Dies käme auch der verschärften Umweltpolitik entgegen.
Nicht jede politische Vorstellung ist in der Praxis erfolgreich umsetzbar. Bei Neubauten ist der Anteil von Wärmepumpen seit Jahren sehr hoch und das macht auch Sinn. Ältere Gebäude sind nicht immer dazu geeignet. Zu hohe Vorlauftemperaturen, mangelhafte Isolationen an der Gebäudehülle und veraltete Fenster lassen einen wirtschaftlichen Betrieb nicht zu. Eine gute Lösung mit Brennwerttechnik bringen dem Endverbraucher mehr. Der Sanierungsmarkt ist für uns sehr wichtig und wir können verschiedenste Lösungen für einen effizienten und umweltfreundlichen Betrieb anbieten.  

Welche Wärmepumpen kann Weishaupt dem Markt anbieten und wie gross ist die Erfahrung?
Wir befassen uns seit Jahren mit Wärmepumpentechnik. Zuerst unter Mithilfe von externen Partnern, um das notwendige Wissen zu erlangen. Heute entwickeln und produzieren wir selber. Wir schaffen innovative Produkte und haben den Vertrieb in den eigenen Händen. So sind wir sehr nahe am Markt und können jederzeit und schnell auf Veränderungen und Kundenwünsche reagieren. Mit der neuen modulierenden Luft/Wasser-Wärmepumpe WWP 20-A R haben wir ein Gerät entwickelt, welches den hohen Markanforderungen gerecht werden kann. Herausragend ist der extrem leise und effiziente Betrieb, sowie das moderne und ansprechende Aussengerät.

Die Weishaupt Wärmepumpen werden in Sennwald hergestellt. Rechnet sich der Produktionsstandort Schweiz für Heiztechnische Geräte noch?
Dieser Entscheid geht darauf zurück, dass Weishaupt ein familiengeführtes Unternehmen ist und auf spezifische Werte baut. Diese Werte werden auch gelebt. Dazu zählen beispielsweise Qualität und Zuverlässigkeit. Die Familie Weishaupt hat sehr viel in den Produktionsstandort Schweiz investiert, weil diese Werte mit der Schweiz in Verbindung gebracht werden. Fabrikate aus Schweizer Produktion anbieten zu können, ist ein wesentlicher Vorteil für uns. Sie haben es erwähnt, zahlreiche Firmen verlagern aus markttechnischen Gründen ihre Produktion ins Ausland. Qualität betrifft nicht nur das Produkt, sondern auch verschiedene Leistungen wie Kundendienst oder Lieferfähigkeit, auf welche wir grossen Wert legen. Diese Philosophie hat sich bewährt und wird es auch morgen noch, davon bin ich überzeugt.

«Fabrikate aus Schweizer Produktion anbieten zu können ist ein Vorteil»

Wir sprechen seit geraumer Zeit über die HLK-Branche. Vor dem Wechsel zu Weishaupt waren Sie Geschäftsführer und Vice President der Schindler Aufzüge AG. Wie gehen Sie mit diesem Branchenwechsel um?
Ich habe diesen Wechsel, um ehrlich zu sein, etwas unterschätzt. Die Branche ist komplexer als ich gedacht habe und ich lerne jeden Tag dazu. In einer ersten Phase hat mich mein Vorgänger sehr unterstützt und in die neue Welt eingeführt. Auch die Arbeit in verschieden Verbänden ist sehr hilfreich für einen raschen Einstieg.  
Wie Schindler ist auch Weishaupt ein familiengeführter Betrieb. Solche Unternehmen leben eine andere Kultur und andere Werte als managergeführte Organisationen. Die Unternehmensplanung ist langfristig ausgerichtet und ein stabiles Wachstum steht im Vordergrund. Bei Eigentümern von Familienunternehmen haben beispielsweise gerade in volkswirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht nur rein ökonomische Aspekte Priorität. Das hat sicher auch damit zu tun, dass Firma und Produkte den Namen der Eigentümer tragen. Werte werden von Menschen definiert. Darum sind für Familiengesellschaften die Unternehmerfamilie und deren Werte besonders prägend. Wer seine Werte weitsichtig definiert und bewusst pflegt, macht daraus ein wesentliches Firmenkapital. Weishaupt ist diesbezüglich ein sehr gutes Beispiel.  

«Familiengeführte Unternehmen leben eine andere Kultur und Werte, als managergeführte Organisationen»

Wir befinden uns momentan in einer schwierigen Zeit. Wie erleben Sie die Herausforderungen durch die aktuelle Pandemie und mussten Sie bereits organisatorische Änderungen vornehmen?
Bis jetzt sind wir, vorsichtig ausgedrückt, glimpflich davongekommen. Der Verkauf funktionierte gut und Lieferengpässe konnten dank hoher Lagerreichweite vermieden werden. Unser Geschäftshaus hier in Geroldswil verfügt über eine grosse Nutzfläche und dadurch konnten die geforderten Abstände bei den Mitarbeitenden umgehend realisiert werden. Ein Teil der Belegschaft arbeitet zeitweise im Homeoffice, der Aussendienst auch. Die aktuelle Situation hat auch aufgezeigt, welche internen Prozesse noch optimiert werden müssen. Homeoffice hat weitgehend funktioniert, aber ich werde dieses Modell höchstens gezielt, aber nicht generell einsetzen. Die zwischenmenschlichen Interaktionen sind zu wichtig für die Mitarbeiter, auf allen Stufen.
Für eine Prognose über den weiteren wirtschaftlichen Verlauf ist der Zeitpunkt verfrüht. Der wirtschaftliche Schaden, den das Coronavirus und die Bekämpfung seiner Ausbreitung anrichten, ist beispielslos. Manche Branchen wie Luftfahrt, Gastronomie und Maschinenbau, sind viel stärker betroffen als die Gebäudetechnik. Aber mit Sicherheit werden in den nächsten Monaten weniger Investitionen getätigt, was auch unserer Branche zu spüren bekommen wird.

Thomas Rusch, welches sind die wichtigsten Tugenden für einen Vorgesetzten?
Sehr wichtig ist ein respektvoller Umgang mit den Mitarbeitern. Meine Türe ist offen und Mitarbeiter können auch mit problematischen Themen vorbeikommen. Ich möchte authentisch sein und dadurch eine Basis des Vertrauens schaffen. Um Werte wie Offenheit und Vertrauen im Unternehmen zu etablieren, müssen diese von der Geschäftsleitung aktiv gesteuert und vorgelebt werden. Der Vorgesetzte sollte auch Zuversicht ausstrahlen. Diese positive Energie wird übertragen und erzeugt ein Gefühl der Sicherheit und Zusammengehörigkeit. Ich binde auch vermehrt Mitarbeiter in Entscheidungsfindungs-Prozesse ein. Das gibt ein Gefühl der Wertschätzung und ist verbunden mit Respekt und Interesse. Und man kann eine Menge dabei lernen.

«Sehr wichtig ist ein respektvoller Umgang mit den Mitarbeitern»

Vor wenigen Tagen wurde nun auch die HLK-Leitmesse ISH abgesagt. Auch Weishaupt war jeweils prominent in Frankfurt vertreten. Was bedeutet diese Absage für Sie?
Diese Frage ist schwer zu beantworten. Aus meiner Sicht ist die Durchführung von Fachmessen wichtig und kann viel bringen. Man denke nur an die Vielzahl von Menschen, welche man innert weniger Tage unter demselben Dach treffen kann. Neuheiten bei den Produkten, neue Anbieter etc. Gut vorstellbar, dass die Leitmesse ISH weiterhin durchgeführt wird. Es wäre vorteilhaft, wenn man kleinere Fachmessen überdenken würde.

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Zur Person
Aufgewachsen in Herisau in Appenzell Ausserrhoden, schloss Thomas Rusch nach der Kantonsschule 1999 sein Studium als Betriebs- und Produktionsingenieur an der ETH Zürich ab. Zudem verfügt er über einen Master of Business Administration von der Universität St. Gallen. Von 2000 bis 2019 arbeitete der heute 47-Jährige in diversen Funktionen für die Schindler Aufzüge AG, darunter vier Jahre als Geschäftsführer. Am 1. Juni 2019 trat er die Nachfolge von Richard Osterwalder als Geschäftsführer der Weishaupt AG an. Rusch wohnt mit seiner Frau und vier Kindern zwischen 7 und 15 Jahren in Edlibach im Kanton Zug.

weishaupt.ch