Stephan Peterhans begrüsste die zugeschalteten Teilnehmer an den Bildschirmen zum ersten digitalen Wärmepumpenforum des FWS. (Bilder: FWS)

Der Anteil der Wärmepumpen im Markt Wärmeerzeuger wächst, hat aber noch Potential nach oben.

Bereits im Rahmen des Bewilligungsverfahrens ist sicherzustellen, dass der Betrieb der Wärmepumpe die bundesrechtlichen Lärmschutzbestimmungen einhält.

Wärmepumpen-Forum der FWS

Wärmepumpen bleiben als Wärmequellen für helvetische Gebäude wichtig, genauso wie das Forum der Fachvereinigung Wärmepumpen Schweiz (FWS). Elf Unternehmungen der Branche hatten Gelegenheit, über verschiedene Themen wie System-Einbindungen, Schallemissionen oder Kältemittel zu informieren. Auch dieser Anlass wurde digital durchgeführt.

Stephan Peterhans, Geschäftsführer FWS, begrüsste die zugeschalteten Teilnehmer an den Bildschirmen und erwähnte, dass der FWS auch künftig Live- wie auch digitale Veranstaltungen organisieren werde. Bei digitalen Events sieht Peterhans den Vorteil einer schnelleren Informationsübermittlung für spezielle Themen im Bereich WP. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden Fachmessen in bekannter Form an Bedeutung verlieren, sieht aber grosses Potential in der Digitalisierung. Für den FWS ist es sehr wichtig die Branche schnell und detailliert informieren zu können und dafür eignen sich digitale Anlässe ausgezeichnet.

Peterhans informierte zu Beginn der Tagung über die Marktsituation der Branche. Die Planungs- und Installationsfirmen sind soweit gut ausgelastet. Die Zahlen der Hersteller und Lieferanten liegen rund 15% über Vorjahr und die Bohrfirmen für Erdsondenanlagen verfügen über einen mehrmonatigen Arbeitsvorrat. Das Geschäftsjahr 2021 ist hingegen schwer abschätzbar, was allgemein für die Gewerke der Gebäudetechnik zutrifft.

WP und die Schallemissionen

Schall bei Luft/Wasser-Wärmepumpen werden ein brisantes Thema bleiben. Andreas Genkinger, Leiter Ressort Qualitätssicherung und Ombudsstelle Schallrechner an der Fachhochschule Nordwestschweiz empfiehlt bei der Auswahl solcher Geräte, bereits in der Planungsphase das Vorsorgeprinzip anzuwenden. Das bedeutet, Schallemissionen so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich ist. Die gewählte Lösung soll schliesslich auch wirtschaftlich tragbar sein. Schallschutz beginnt bei der Geräte- und Standortwahl, Lärmschutzmassnahmen müssen dokumentiert werden.

Luft/ Luft-Wärmepumpen können innen oder aussen aufgestellt sein. Beide Aufstellungsarten führen zu Aussenlärmemissionen und erfordern deshalb eine Lärmbeurteilung. Am weitaus häufigsten sind die Luft/Wasser-Wärmepumpen. Hier wird hauptsächlich zwischen innen und aussen aufgestellten Wärmepumpen unterschieden. Beide Typen erzeugen Aussenlärm und erfordern eine Lärmbeurteilung. Hier muss man bei der Planung beachten, dass innen aufgestellt Wärmepumpen nicht zwingend leiser sind als aussen aufgestellte Wärmepumpen. Ein wichtiges Arbeitsmittel für die Planung ist die Vollzugshilfe 6.21 «Lärmrechtliche Beurteilung von Luft/Wasser-Wärmepumpen» der Vereinigung kantonaler Lärmschutzfachleute (Cercle Bruit). Bereits im Rahmen des Bewilligungsverfahrens ist sicherzustellen, dass der Betrieb der Wärmepumpe die bundesrechtlichen Lärmschutzbestimmungen (Vorsorge und Planungswert) einhält und zu keinen lärmrechtlichen Problemen führen wird. Der einheitliche Vollzug bei der Beurteilung von Wärmepumpen führt bei Wärmepumpenherstellern, Planern, Bauherrschaften, Nachbarn, Installateuren und Vollzugsbehörden zu mehr Sicherheit bei der Planung, der Eingabe und der Behandlung von Gesuchen und bei Lärmklagen.

Neue Regeln im Umgang mit Legionellen

Per November 2020 ist die überarbeitete SIA-Norm 385/1 in Kraft getreten. Dr. Michel Haller, Leiter Forschung am Institut für Solarforschung, informierte über neue Erkenntnisse und Änderungen. Legionellen sind bekanntlich Keime, welche die unter Umständen tödliche Legionärskrankheit hervorrufen können. Infektionen geschehen über die Lunge durch Tröpfchen oder Aerosole. So weit bekannt ist das Trinken von mit Legionellen verunreinigtem Wasser nicht schädlich. Eine hohe Populationszunahme (Wachstum) tritt im Temperaturbereich von 25 – 37 - 45 °C auf. Ein Wachstumsstopp ist ab 45 °C zu beobachten und eine Abnahme vermehrungsfähiger Legionellen ab 50 °C. Die derzeitige Anzahl registrierter Legionellosen-Fälle liegen in der Schweiz bei ca. 400 pro Jahr.

Bekannte Quellen für Legionellose-Infektionen sind beispielsweise Nass-Rückkühler, Kühltürme, oder zu kalte Warmwasserleitungen und zu warme Kaltwasserleitungen. Weitere Quellen sind Zierbrunnen, Sprudelbäder, allgemeine Sprüheinrichtungen wie Duschen, Druckreiniger, Kläranlagen, Autowaschanlagen, Scheibenwischerflüssigkeiten von Fahrzeugen, Dentaleinrichtungen oder Komposterde.

Die erste Überarbeitung der SIA 385/1 wurde 2016 zurückgewiesen, weil die Energieeffizienz zu wenig berücksichtigt wurde und die geforderten Hygienemassnamen als fragwürdig gewertet wurden. Bei der zweiten Überarbeitung flossen Argumente und Standpunkte vom Bundesamt für Energie BFE und der Fachvereinigung von Wärmepumpen FWS ein und die Inkraftsetzung und einer Inkraftsetzung stand nichts mehr im Weg.

Risikogruppen

Nach dem heutigen Stand können folgende Risikogruppen festgehalten werden:

  • Ungenügende Temperatur im Bereitschaftsvolumen von Speichern (< 50 °C);
  • Warm gehaltene Verteilleitungen, insbesondere wenn diese eine ungenügende Temperatur (< 50 °C) aufweisen, unübersichtlich und/oder verzweigt sind;
  • Eine fehlerhafte Kombination der WW-Zirkulation mit Kaltwasser-Beimischung (Verbrühungsschutz) vorliegt;
  • Zapfstellen, die nicht häufig benutzt werden, oder nie mit > 50 °C gespült werden;
  • Thermomischarmaturen in Duschen (die auf eine Temperatur von ca. 37 °C eingestellt sind und diese Temperatur nie überschreiten.

Die Literatur zeigt, dass drei Punkte mehr gewichtet werden müssen als bisher. Erstens betrifft das Nassrückkühler und andere Wasser versprühende Einheiten, die den Sommerpeak der Legionellose-Inzidenzen erklären könnten. Zweitens in Warmwassersystemen die Warmwasserverteilung, Stichleitungen, die letzten Meter bis zur Brause und das Nutzungsverhalten der Bewohner.

Drittens müssen neben den zu kalten Warmwasserverteilungen auch die zu warmen Kaltwasserverteilungen beachtet werden. Wichtig ist zudem, dass das Temperaturniveau des Wärmespeichers nicht zu vernachlässigen ist, denn ca. 15% der Duschproben weisen Legionellen über dem Grenzwert von 1000 KBE/L auf. Die aktuellen Regeln stellen einen Kompromiss dar, der mit den heute verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen auch begründbar ist. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse wird es in den nächsten Jahren sicher auch geben. Auf Europäischer Ebene läuft die Revision der EN806-2 (CEN/TC164). Hier überwiegt noch die 60 °C-Forderung und Erleichterungen 55/52 °C wie in der Schweizer Norm sind nicht vorgesehen.

Neuheiten in der Übersicht

Alpha Innotec Schweiz AG in Altishofen sieht in der Wärmepumpe den Schlüssel für eine erfolgreiche Energiestrategie 2050. Der Hersteller bietet für jede Anwendung eine Lösung, auf der Basis natürlicher Kältemitteln, bewährter Invertertechnik und der Möglichkeiten zu Heizen und zu Kühlen mit demselben Gerät. Die Modulbauweise und ein geniales Transportkonzept sind ideal für Sanierungen. Einen wichtigen Erfolgsfaktor sieht der Hersteller in einer umfangreichen und fundierten Ausbildung für Servicetechniker.

Mit dem Alleinstellungsmerkmal «Alles aus einer Hand und unter einem Dach» bietet die Grünenwald AG in Otelfingen einen wichtigen Kundennutzen. Die Firma bietet Wärmepumpen, Solar- und Lüftungsanlagen nur als Gesamtsysteme an. Dadurch entfallen jegliche Garantieabgrenzungsfragen und mögliche Schnittstellen-Diskussionen. Die gesamte Planung und Ausführung werden mit eigenen Mitarbeitern realisiert. Die Wartung und der Unterhalt, aller gelieferten Bauteile, wird durch eine eigene Serviceorganisation innert 24 Stunden in der gesamten Schweiz sichergestellt. Die präsentierten Vergleichsrechnungen sprechen für die Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpen, auch bei Sanierungen. Fazit: «Steigende Energiepreise werden immer zugunsten des energieeffizienteren Systems ausfallen».

Wärmepumpen der Viessmann Schweiz AG stehen seit über 20 Jahren für Innovationen im Schweizer Wärmepumpenmarkt. Das Angebot ermöglicht durch ein intelligentes System Kaskaden von bis zu 5 Maschinen mit einem Leistungsbereich von 5,9 bis 42,0 kW. Dabei ist der wichtige Schallleistungspegel deutlich geringer als bei einer Gross-Wärmepumpe. Der Hersteller hat sich über die Jahre auch auf Anlagen mit Eisspeichern spezialisiert, was die Präsentation eines Grossprojekts mit dieser Technologie eindrücklich bestätigte. Immerhin handelte es sich um den grössten Rundspeicher in der Schweiz mit 1,45 Mio. Litern Inhalt und drei Wärmepumpen mit einer Gesamtwärmeleistung von 384 kW.

Lösungen aus einer Hand bietet Hoval AG aus Feldmeilen. Unter anderem Produkte aus den Bereichen Wärmepumpe, Gas, Öl, Biomasse, Solarenergie sowie Wassererwärmer. Diese können durch Wohnraumlüftung mit Wärme und Feuchterückgewinnung ergänzt werden. Hoval legt viel Wert auf den Bereich Wärmepumpentechnik. Die Maschinen sind bis auf einen Typ mit dem Schweizer Gütesiegel versehen. Im Sortiment bis 15kW sind diversen Systeme als Wärmpumpen-Systemmodule lieferbar.

Geballte Logistikkompetenz findet der Kunde bei Meier Tobler AG in Nebikon. Die Zahlen wie
200 000 Rüstzeilen pro Tag und 3000 Lieferungen pro Tag und das bei rund 10 000 Installateuren sind beeindruckend. Den Kunden stehen gesamtschweizerisch 47 Marchés als regionale Verkaufspunkte zur Verfügung. In Wallisellen wurde der erste 24/7 – B2B Shop der Schweiz eröffnet. Das bedeutet für die Kundschaft mehr «Convenience» in Randzeiten und Notfällen. Auch im Bereich e-shop ist Meier Tobler führend. Diesen Verkaufskanal nutzen mittlerweile rund 6000 Kunden und generieren 40% des Handelsumsatzes.

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